Fußball: "Kucze" und Beine stellten sich den Fragen

Fußball : "Kucze" und Beine stellten sich den Fragen

Erster interessanter Sporttalk Kleverland im Casa Cleve war nur sehr mäßig besucht.

Ehrlicher hätte der erste Sporttalk Kleverland im Casa Cleve wohl kaum sein können, als Thomas von Kuczkowski, Trainer des Fußball-Landesligisten 1. FC Kleve, sagte: "Jeder Trainer hätte doch gerne fünfhunderttausend Euro für die Zusammenstellung seines Kaders und würde für einen erfahrenen Spieler auf einen talentierten 18- oder 19-jährigen Jugendspieler verzichten. Aber die Gegebenheiten lassen das bei uns nicht zu und so müssen wir auf unsere Jugend setzen anstatt Talente hinzuzukaufen." Alles andere sei Heuchelei, so von Kuczkowski, der im Zuge dessen aber auch die eigene Jugendarbeit lobte. "Ich nenne sie immer unsere Zukunftswerkstatt", verriet "Kucze", aus der er zuletzt mit Lukas Ehrhardt einen talentierten Außenverteidiger gewann. Nicht ohne Grund hat der junge Fußballer in dieser Saison bereits alle vier Ligaspiele durchspielen dürfen. "Aber man muss solchen jungen Spielern auch Fehler zugestehen", fand von Kuczkowski.

Trotz des verpatzen Saisonstarts mit jeweils drei Niederlagen und einem Unentschieden zeigte sich der Klever Trainer und auch Ralf Fischers zweiter Gesprächspartner, SV Hönnepel-Niedermörmters Coach Daniel Beine, trotzdem recht zufrieden. "Man darf nicht nur die Punkte, sondern muss auch die Spiele sehen. Eine Niederlage ist nicht gleichbedeutend mit einem schlechten Spiel, genauso wenig wie ein Sieg gleichbedeutend mit einem guten Spiel ist", sagte von Kuczkowski. Bis auf das Heimspiel gegen Klosterhardt, bei der die Mannschaft regelrecht neben sich gestanden habe, seien die drei weiteren Partien spielerisch gut gewesen. "Wir hätten auch mit fünf, sechs oder sieben Punkten aus unseren vier Spielen herausgehen können. Das war durchaus machbar", unterstrich Beine, der mit 28 Jahren der jüngste Trainer der Oberliga ist, für seine Elf vom bebenden Acker. Die Oberliga sei zudem eine sehr interessante Liga, da viele sehr talentierte Spieler dort auflaufen würden. "Die Oberliga ist die perfekte Liga für Spieler, die ihren Beruf mit dem Fußball verbinden möchten. Ab der Regionalliga bleibt kaum noch Zeit für einen Beruf", weiß Beine. Daher würden viele Spieler, die ihre Arbeit nicht aufgeben möchten, aber dennoch höherklassig Fußballspielen möchten, die Oberliga als Spielklasse bevorzugen.

Hö.-Nie.-Trainer Daniel Beine. Foto: Armin Fischer

Der schon im Trainergeschäft etwas erfahrenere Coach Thomas von Kuczkowski verriet im Gespräch mit Moderator Ralf Fischer außerdem, wie sich in den vergangenen Jahren seine Einstellung zum Fußballgeschäft geändert habe. "Früher wollte ich immer das Maximale, heute immer das Optimale, nämlich die drei Punkte", so von Kuczkowski, der laut eigener Aussage versuche, Niederlagen nicht zu sehr im privaten an sich heranzulassen und der beim Thema Fans noch mächtig ins Schwärmen geriet. "Ich bin wirklich richtig stolz auf unsere Fans, die viele in der Landesliga sicherlich gerne hätten", meinte "Kucze". Da er außerdem viel zu "fußballverrückt sei", habe er obendrein auch nach den verlorenen Relegationsspielen in den vergangenen beiden Jahren nie ernsthaft daran gedacht aufzuhören.

"Dafür mache ich diese Arbeit mit zu viel Herzblut", begründet von Kuczkowski am Ende einer sehr interessanten Gesprächsrunde, die mit nicht einmal einem Dutzend Zuschauern allerdings nur mäßig besucht war.

"Aber beim Doppelpass haben früher auch viele gesagt: Wer braucht den schon. Heute ist er Kult", meinte "Kucze", der die Idee eines Sporttalks fürs Kleverland selbst sehr gut fand.

Der nächste Sporttalk Kleverland findet am Montag, 26. September, um 19 Uhr ebenfalls im Casa Cleve statt. Das Thema wird dann der Laufsport sein.

(RP)
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