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Kleve: Tischtennis-Legende Maria Beltermann bleibt weiter am Ball

Interview mit Maria Beltermann : „Tischtennis hat mein Leben geprägt“

Die 55-jährige Spielerin von WRW Kleve fühlt sich immer noch topfit und denkt noch lange nicht ans Aufhören. „Ich habe viele lebenslange Freundschaften über den Sport geschlossen und beeindruckende Menschen getroffen“, sagt sie.

Seit 47 Jahren spielt sie Tischtennis und hat für WRW Kleve gerade mit beachtlichem Erfolg die 37. Saison bestritten: Maria Beltermann, 55 Jahre alt, blickt sportlich gesehen noch längst nicht dem Rentenalter entgegen. Die RP hat mit ihr auf das zurückgeschaut, was war – und einen Ausblick gewagt auf das, was noch kommen soll.

Sie spielen seit fast fünf Jahrzehnten Tischtennis. Wird das nicht irgendwann langweilig?

Maria Beltermann Ganz und gar nicht. Tischtennis war und ist ein wichtiger Teil in meinem Leben. Ich fühle mich topfit und habe noch keinen Gedanken daran verschwendet, den Schläger ruhen zu lassen.

Wie halten Sie sich denn fit und verletzungsfrei?

Beltermann Das ist eine gute Frage. Ich hatte das Glück, immer verletzungsfrei zu bleiben. Das liegt aber vielleicht auch daran, dass ich immer etwas für die körperliche Fitness getan habe. Ich kenne viele in meinem Alter, die mal eine sportliche Pause eingelegt haben und sich anschließend Verletzungen zugezogen haben. Oder während einer Pause einfach abgebaut haben. Vielleicht ist es das Geheimnis, immer weiterzumachen. Tischtennis war dabei immer mein Primärsport, Ausdauersport beispielsweise nie so meins. Auch wenn ich mich in der Freizeit gerne sportlich betätige – beispielsweise beim Radfahren.

Selbst als werdende und junge Mutter haben Sie damals kaum den Schläger ruhen lassen.

Beltermann Ja, das ist richtig. Die Babypause für mich betrug damals etwa sechs Wochen. Tischtennis hat mein Leben einfach geprägt und stand fast zu jeder Zeit im Mittelpunkt.

Was bedeutet Tischtennis für Sie?

Beltermann Tischtennis war wie gesagt lange Zeit lang absoluter Mittelpunkt in meinem Leben und ist auch noch immer ein extrem wichtiger und gewichtiger Baustein. Ich habe viele lebenslange Freundschaften über den Sport geschlossen und beeindruckende Menschen getroffen. Ich habe gelernt, für das zu kämpfen, was ich erreichen möchte und gleichzeitig Teamplayer zu sein. Im Mannschaftssport lernt man, sich auf verschiedene Situationen und Menschen einzustellen. Das hat mich sehr geprägt.

Früher waren Sie der Youngster, heute sind Sie der alte Hase im Team. Wie ist das für Sie?

Beltermann Das ist sehr interessant für mich. Im Team verstehen wir uns alle sehr gut und respektieren einander. Wir schätzen unsere Meinungen und Blickwinkel – die Heterogenität tut uns sicherlich sehr gut. Es ist ja auch nicht so, dass die jungen Mädchen mich nicht ernst nehmen. Ich glaube auch, dass mich der Austausch mit der Jugend jung hält. Wenn ich an die Zeiten mit Moni Kneip, Rosi Beyerinck oder Ildiko Imamura zurückdenke – das war natürlich eine andere Mannschaft.

Inwiefern?

Beltermann Man war gleichaltrig und hatte ähnliche Probleme und Themen. Jetzt dreht es sich vielleicht noch mehr um den Sport, aber auch nicht nur. Denn natürlich unterhalten wir uns auch über private Themen. Neben dem aktiven Spielen ist in den vergangenen Jahren für mich das Thema Organisation noch hinzugekommen. Gemeinsam mit meinem Lebensgefährten Klaus Seipold, Teammanager der WRW-Damen, und mit Unterstützung anderer Spielerinnen sowie auch Vätern organisiere ich die Partien, Aufstellungen und vieles mehr.

Haben die Jugendlichen denn Ihrer Meinung nach eine andere Einstellung zum Sport, als Sie damals?

Beltermann Ja, das muss ich ganz klar sagen. Für mich war Tischtennis damals die Nummer eins und damit war ich kein Exot. Es war einfach ab einer gewissen Spielstärke so, dass das Leben um den Tischtennissport herum geplant wurde. Bei vielen Spielerinnen ist das heute anders. Da stehen Partys, Freunde oder andere Hobbies genauso hoch im Kurs oder werden vor dem Training oder Mannschaftsspielen bevorzugt. Dabei muss ich sagen, dass ich damit jetzt nicht explizit Spielerinnen aus unserem Verein meine, sondern das dies ein allgemeiner Trend ist. Woran das liegt, weiß ich nicht. Ich vermute, es ist eine Mischung aus vermehrten Möglichkeiten und auch verändertem Verhalten.

Blicken wir noch einmal auf die Erfolge – auf jene, die waren und jene, die noch kommen sollen. Was waren Ihre schönsten Erfolge?

Beltermann Da muss ich erst einmal nachdenken. Es gab viele besondere Momente, die auch rein gar nichts mit Erfolgen zu tun hatten. Beispielsweise wird mir immer ein Duell mit Sabine Bötcher in Erinnerung bleiben, die ja auch einige Zeit lang Vorsitzende von Weiß-Rot-Weiß Kleve war. Damals spielte ich bei Fortuna Millingen und traf bei einer Westdeutschen Meisterschaft auf Sabine. Als Außenseiterin habe ich ihr das Leben ganz schön schwer gemacht und einige Zuschauer versammelten sich um die Box. Anschließend kam die Anfrage, ob ich nicht nach Kleve wechseln möchte. Meine Eltern fanden den Weg über die Emmericher Rheinbrücke zu gefährlich. Deswegen dauerte es noch ein Jahr, bis ich 1983 zu WRW wechselte. Hier spielte ich dann rund 20 Jahre in der zweithöchsten Spielklasse.

Und was waren Erfolge, die in Erinnerung bleiben?

Beltermann Sicherlich die Erfolge bei der Deutschen Meisterschaft. Ich bin fünf Mal Deutsche Meisterin im Doppel geworden, im Mixed und Einzel je einmal. Insgesamt stand ich 26 Mal bei Deutschen Meisterschaften auf dem Podest. Im Einzel ist es zudem natürlich so, dass man weiß: Das war meine Leistung. Deswegen ist sicherlich der Titel 2009 in Koblenz bei den Ü-40-Damen für mich besonders gewesen. Außerdem bin ich 24-fache Westdeutsche Meisterin im Einzel, Doppel und Mixed. Besonders schön sind die Momente, wenn man kurz vor dem Erfolg steht. Aber auch diverse Aufstiege mit der Mannschaft waren wundervoll, es ist wirklich schwer hier zu differenzieren.

Was sind Ihre nächsten Ziele?

Beltermann Bei den Deutschen Meisterschaften der Seniorinnen möchte ich gerne weiterhin vorne dabei sein. Aber das Turnier wird in diesem Jahr wegen der Corona-Krise nicht stattfinden. Zudem blicke ich natürlich auf eine spannende neue Saison mit WRW Kleve. Wir werden nach unseren Aufstiegen mit der ersten Mannschaft in der Dritten Bundesliga und mit dem zweiten Team in der Regionalliga an den Start gehen. Ich ziehe mich dabei in die zweite Mannschaft zurück und lasse den jüngeren Spielerinnen den Vortritt. Ich werde die erste Mannschaft aber zum Teil betreuen und bei Bedarf aushelfen.

Wenn Sie abschließend drei Begriffe nennen müssten, die Tischtennis und seine Bedeutung für Sie beschreiben, welche wären das?

Beltermann Das ist aber kein leichter Matchball zum Abschluss. Ich würde es mit einem humorvollen Spiel, Spaß und Spannung zusammenfassen.