Leichtathletik: Kleve: Statt Hinterwäldler nun Tartanbahn

Leichtathletik : Kleve: Statt Hinterwäldler nun Tartanbahn

Leichtathletik: Die CDU will eine Tartanbahn im Gustav-Hoffmann-Stadion. Die Klever Vereine zeigen sich im RP-Gespräch begeistert.

Die jüngste Sportausschuss-Sitzung im Klever Rathaus ließ aufhorchen (die Rheinische Post berichtete): Heinz-Josef van Meegeren vom Fachbereich Schule, Kultur und Sport teilte mit, dass ein Architektenbüro beauftragt wurde, für das Sportzentrum im Gustav-Hoffmann-Stadion Leichtathletikanlagen zu planen. „Die Ertüchtigungsarbeiten betreffen Tennenumlaufbahn in eine Kunststofflaufbahn sowie die Erneuerung der Hochsprung- und Weitungsanlagen“, sagt van Meegeren. Die Kosten für das Großprojekt werden auf 1,127 Millionen Euro beziffert. Gerd Mölders, Vorsitzender von LV Marathon Kleve und seit Jahrzehnten die Klever Leichtathletik-Legende schlechthin, kann es noch gar nicht richtig fassen: „Mit jetzt 77 Jahren hätte ich nicht gedacht, dass ich noch mal im Gustav-Hoffmann-Stadion auf einer Tartanbahn laufen kann.“ Mölders hat schon immer für eine neue Laufbahn geworben. „Schon vor 30 Jahren habe ich mich bei der Stadt Kleve dafür ausgesprochen. Da hieß es dann bei der Stadtverwaltung nur, ‚das ist nicht nötig’“, erzählt Mölders. Der Hürdenläufer, der 1968 sogar in Mexiko bei den Olympischen Spielen startete, fand es immer schon „beschämend, dass Kleve so etwas nicht hat. Wir sind Hinterwäldler. Nütterden, Goch, Emmerich, Kalkar und Kevelaer haben Kunststoffbahnen, nur die Kreisstadt nicht“, sagt der Marathon-Vorsitzende.

„Wir haben immer schon die Kinder leidgetan, die auf so einem Acker laufen müssen. Die jetzige Aschebahn ist so hart wie Beton und für alle Sportler eine Zumutung.“ Mölders sieht sich da in einem Boot mit Jörg Cosar (CDU), der vor wenigen Tagen als Ehrenvorsitzender der Stadtschulpflegschaft in einem Gespräch mit unserer Zeitung betont hatte: „Hier, wo die Schulen Bundesjugendspiele abhalten, sollten die Kinder mehr Spaß am Sport bekommen. Vielleicht lässt sich dadurch auch der eine oder andere Vereinssportler/Trainer wieder für die darbende Leichtathletik begeistern.“

Auch für die Trainingsgruppen des größten Klever Sportverein könnte die neue Tartanbahn ein Gewinn sein. Anette Joeken, Senioren-Übungsleiterin der Leichtathletik-Abteilung von VfL Merkur Kleve, spricht sich klar für eine Tartanbahn aus. „Eine gescheite Laufbahn würde einfach Sinn ergeben. Bisher trainieren wir nämlich kaum unter richtigen Wettkampfbedingungen“, sagt Joeken, die Dauergast bei den Deutschen Meisterschaften der Leichtathletik ist. Da es auf der heimischen Anlage keine 400-Meter-Strecke ist – die Laufbahn an der Flutstraße ist nur 335 Meter lang - weiche man meist in die Antoniter-Sportstätte in Bedburg-Hau aus. Doch auch dort sei die Infrastruktur nicht optimal: „Zwar können wir dort über die 400 Meter trainieren. Aber die Sandbahn ist nun auch nicht gerade knochenfreundlich. Dazu kommt: Wenn es dort regnet, können wir da den Freischwimmer machen“, sagt die Merkurianerin. Stefan van Heukelom, Verantwortlicher für Mittel- und Langstreckentraining der Jugendlichen bei VfL Merkur Klever, sagt weiter: „Zwar sind wir mit der Asche im Stadion nicht ganz unzufrieden, aber eine Tartanbahn wäre natürlich schön.“

Gerd Aengenheister, Vorsitzender der Leichtathletik in Kranenburg-Nütterden, stellte in der vergangenen Woche im Gespräch mit unserer Redaktion die herausragende Bedeutung heraus, die der Bau der Sportanlage am Haferkamp und die damit verbundene Einweihung einer nagelneuen Tartanbahn für seinen Verein hatte. „Das war ein Meilenstein, der unsere Entwicklung maßgeblich voran gebracht hat“, sagte Aengenheister. In den vergangenen Jahren entwickelten sich die Mitgliederzahlen in Nütterden rasant, mittlerweile seien es knapp 400 Leichtathleten. „Die passende Infrastruktur ist ein Schlüssel zum Erfolg“, sagte er weiter.

Mehr von RP ONLINE