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Kleve: Herzpatienten trainieren unter strengen Corona-Regeln

Fitness in Corona-Zeiten : Auch Risikopatienten brauchen Sport

Unter der Leitung von Sigrid Reintjes trainiert bei salvea Sports eine Gruppe von Herzpatienten. Bei ihnen sei in Pandemie-Zeiten besondere Vorsicht geboten. Für die Gesundheit ist sportliche Betätigung aber wichtig.

Im Gespräch geht Sigrid Reintjes auf Distanz. Die Übungsleiterin legt höchsten Wert auf den Corona-Abstand von anderthalb Metern. Verwunderlich ist das nicht. Immerhin hat die Kursleiterin es im Fitnessstudio salvea sports im Klever Tichel-Park mit Menschen zu tun, die auf keinen Fall am Coronavirus erkranken dürfen – akute Herzpatienten.

Sie gehören zur Risikogruppe für schwere Verläufe von Covid-19. „Es ist unglaublich wichtig, dass wir uns optimal auf die Corona-Situation einstellen, damit wir niemanden, der sich bei uns sportlich betätigt, in Gefahr bringen“, sagt Sigrid Reintjes.

Seit Anfang Mai läuft der Betrieb an der Tichelstraße wieder an. Wochenlang war das Zentrum für Gesundheits- und Fitnesstraining geschlossen, es herrschte gähnende Leere. Die Belegschaft nutzte die Zeit der Kurzarbeit, um den Räumlichkeiten des früheren Allround Sports einen neuen Anstrich zu verleihen und Modernisierungen voranzutreiben. Auch nahmen einige Mitarbeiter an Schulungen und Fortbildungen teil. „Wir sind mittlerweile wieder auf einem guten Weg. Die Auslastung beträgt aktuell, über den Tag verteilt, 80 bis 85 Prozent des Niveaus von vor Corona“, sagt Geschäftsführer Patrick Prehn.

Neben Fitness wird bei salvea sports auch Physio- und Ergotherapie, Logopädie sowie Reha-Sport angeboten. Allerdings registriere Prehn noch immer bei vielen Kunden eine gewisse Skepsis. „Wir müssen noch bei vielen Menschen Aufklärungsarbeit leisten, dass es längst wieder möglich ist, in unseren Räumen sicher Sport zu treiben“, sagt er.

Ohne diese Gewissheit würden schließlich auch die Risiko-Patienten nicht bei salvea sports trainieren. In einer geschlossenen Räumlichkeit treiben Herzpatienten auf ärztliche Verordnung hin zwei Mal in der Woche Sport. An einem Termin leitet Sigrid Reintjes ein Zirkeltraining, an dem anderen lädt sie ihre Risikopatienten zu Ausdauertraining auf dem Fitness-Fahrrad ein.

„Es ist wichtig für das Immunsystem der Patienten, dass sie ihren Körper bewegen. So werden sie schneller wieder gesund“, sagt Reintjes. Während der Übungseinheiten ist sie beinahe ausschließlich mit Mund- und Nasenschutz tätig. Schon seit Beginn der Pandemie warnen Wissenschaftler und Ärzte, dass nicht nur Menschen mit einer Lungenvorerkrankung besonders von Covid-19 bedroht sind. Auch Herzpatienten sollten sich in Vorsicht üben. So sollen die Symptome von Corona jene eines Herzinfarktes überlagern können. Es bestünde daher die Gefahr der Unterdiagnose, heißt es von medizinischer Seite.

Doch schon Anfang Juni begann die Gruppe der Klever Herzpatienten wieder mit dem Training – in dieser Stunde unter Begleitung des Klever Arztes Dr. Aloys Hübbers. Das Durchschnittsalter der Kursteilnehmer beträgt etwa 60 Jahre. Frauen und Männer nehmen teil.

„Es hilft nicht weiter, Angst vor dem Virus zu haben. Respekt ist aber angebracht. Allerdings können hier die Hygiene-Vorkehrungen so eingehalten werden, dass auch Risikopatienten sicher trainieren können“, sagt Aloys Hübbers.

So würden die Türen zum Kursraum offen gehalten, um Luftdurchzug zu gewährleisten. Auch die Fenster seien geöffnet, um Frischluft in den Kursraum zu lassen. Patrick Prehn und seine Belegschaft achten darauf, dass jeder Sportler Abstand hält. „Der Verordnung nach muss jeder Teilnehmer sieben Quadratmeter Platz haben. Unserer Erfahrung nach reicht vielen dieser Abstand nicht aus. Erst ab zehn Quadratmetern fühlen sie sich sicher“, so Prehn. Daher habe er die Kursgrößen entsprechend angepasst.

Zudem würden alle Oberflächen des Studios ständig desinfiziert, so Prehn. Der Kurs der Herzpatienten wird nicht nur von einem Arzt, sondern auch von digitaler High-Technologie überwacht. So sehen die Teilnehmer auf einer Leinwand in Echtzeit, wie hoch ihre Belastung aktuell ist. Für jeden der Sportler wurde in Absprache mit Ärzten eine Herzfrequenz ermittelt, die nicht überschritten werden darf. Ist die körperliche Belastung zu hoch, erscheint auf dem Bildschirm eine rote Signalfarbe. „In dem Fall würden die Patienten dann eine Pause einlegen oder aufhören“, sagt Geschäftsführer Patrick Prehn.

Von 50 Übungseinheiten in 18 Monaten bis zu 120 Reha-Sportstunden in 36 Monaten bekommen die Herzpatienten von ihren Ärzten verschrieben. „Es ist wichtig, dass Menschen verstehen, dass sie einen Anspruch auf medizinischen Rehabilitationssport nach einer Behandlung haben“, sagt Sigrid Reintjes.

Und nicht nur Herzpatienten trainieren an der Tichelstraße. Auch orthopädische Patienten, Menschen mit neurologischen Krankheiten, multipler Sklerose oder Lungenerkrankungen seien bereits wieder aktiv. „Soziale Wesen brauchen das Miteinander, soziale Wesen brauchen Sport. Daher ist es wichtig, dass Menschen hier wieder zueinander finden“, sagt Prehn.