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Fußball: Kleve erst nach 120 Minuten geschlagen

Fußball : Kleve erst nach 120 Minuten geschlagen

Fußball-Niederrheinpokal: Das Team von Trainer Umut Akpinar unterlag Rot-Weiss Essen mit 1:3 (1:1, 1:1).

In erkennbarer Vorfreude auf das Pokalmatch zwischen dem Fußball-Landesligisten 1. FC Kleve und dem Regionalligisten Rot-Weiss Essen setzte FC-Mittelfeldspieler Niklas Klein-Wiele auf Instagram den Post ab: "17.42 Uhr - Vorbereitung läuft".

Schiedsrichter Jonathan Becker hatte zwischendurch einiges zu tun, um die erhitzten Gemüter wieder zu beruhigen. Foto: van Offern Markus

Wie gut sich die Rot-Blauen auf den zwei Klasse höher spielenden Gegner eingestellt hatten, wurde zwei Stunden später deutlich. FC-Trainer Umut Akpinar hatte seine Startformation gegenüber dem Ligaspiel in Sterkrade auf drei Positionen verändert. Neben Levon Kürkciyan bot er im Angriff mit Pascal Hühner einen weiteren schnellen Offensivspieler auf, auf der rechten Abwehrposition vertraute er Lukas Ehrhardt, und zwischen den Pfosten stand Andre Barth für Raven Olschweski. Alles das änderte aber nur unwesentlich etwas an der bisher in der Liga praktizierten taktischen Ausrichtung.

Lange benötigten die im traditionellen Rot und Blau spielenden Klever nicht, um ins Spiel zu finden. Mit viel Herzblut agierten sie gegen den Ball, standen sehr gut in der Ordnung und verschoben geschickt gegen den ballführenden Angreifer. So waren die Essener häufig gezwungen, hinten herum zu spielen, weil die Anspielstationen vorne zugestellt waren. Dennoch lag die optische Überlegenheit auf Seiten der Essener, aus der sich allerdings bis zum Seitenwechsel eine äußerst überschaubare Anzahl an zwingenden Torchancen entwickelte.

In der 19. Spielminute standen die Klever Anhänger Kopf. Fabio Forster setzte sich im Dribbling auf engem Raum gegen zwei Essener durch, schickte anschließend Niklas Klein-Wiele auf die Reise. Der spielte sich mit einem tollen Solo durch die Essener Abwehr und nutzte die erste Schussmöglichkeit, um das Spielgerät mit dem rechten Fuß von der Strafraumgrenze aus flach im äußersten linken Toreck zu platzieren. Die Klever Spieler bejubelten ihren Torschützen so enthusiastisch, dass Klein-Wiele und Tim Haal Verletzungen davontrugen, die unterschiedlich lange behandelt werden mussten. Während dieser Zeit ging für einen Moment die Ordnung im Klever Abwehrzentrum verloren. Das Durcheinander nutzte Kamil Bednarski auf Zuspiel von Marcel Platzek zum 1:1-Ausgleich (24.).

Aus Klever Sicht ging es mit diesem Ergebnis verdientermaßen in die Pause. Auch danach blieb Kleve mutig, lief häufig den ballführenden Gegner schon an dessen Strafraum an. Und zeigte sich auch sonst hellwach. So beispielsweise Tim Haal in der 47. Minute, als er von der Mittellinie aus den Ball auf das Essener Tor hob und die Querlatte traf. Kurz darauf schepperte das Torgestänge auf der anderen Seite. Absender des Kopfballs gegen die Latte war der Essener Timo Becker. Lukas Ehrhardt bereinigte anschließend die Situation. Das Spiel nahm weiter Fahrt auf. Gute Einschussmöglichkeiten hüben wie drüben. Auf Klever Seite zweimal aus der Distanz Mike Terfloth, der sich nach der Pause stark in den Vordergrund spielte, sowie Klein-Wiele mit einem Drehschuss aus 25 Metern. Das Ziel wurde jedes Mal nur knapp verfehlt.

Gegen Ende der regulären Spielzeit legte der Regionalligist an Gefährlichkeit zu. Sieben Minuten vor Schluss sauste ein Kopfball von RWE-Kapitän Benjamin Baier am Klever Kasten vorbei. Kurz darauf war es abermals Baier, dessen Aktion durch Sebastian van Brakel mit einem sensationellen Kopfballtorpedo von der Linie befördert wurde. In der Nachspielzeit zeichnete sich Kleves Keeper Barth aus, der einen Distanzschuss von Baier mit einer tollen Reaktion zur Ecke lenkte.

Nach 90+4 Minuten verdiente sich der 1. FC Kleve unter dem Applaus seiner Anhänger, die einen unterhaltsamen und spannenden Fußballabend im Bresserberg-Stadion erlebten, einen Nachschlag von zweimal 15 Minuten. Dort machte der Gast von der Hafenstraße da weiter, wo er in der Schlussphase der regulären Spielzeit aufgehört hatte. Doch jetzt beließen es die Gäste nicht bei erstklassigen Torchancen, sondern brachten die Bälle auch im Klever Gehäuse unter. In der dritten Minute der Nachspielzeit hieß der Torschütze Honscheu Ngankam, der eine Flanke von Platzek aus drei Metern Entfernung zum 1:2 über die Torlinie drückte. Und kurz vor Schluss der ersten Halbzeit der Verlängerung war schließlich Platzek zur Stelle, der die Vorarbeit von Bednarski zum 1:3-Endstand nutzte.

Die Klever Anhänger unter den 1100 Zuschauern verabschiedeten ihre Mannschaft mit Applaus in den Abend. Stolz auf die Leistung seiner Mannschaft war auch FC-Trainer Akpinar. "Das war überragend, auch in der Verlängerung haben die Jungs noch dagegen gehalten", sagte der 40-Jährige, "wir haben unser Spiel durchgebracht. Schade, dass durch die Verletzungen nach unserem Führungstor bei meiner Mannschaft die Ordnung verloren ging."

(RP)