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Kleve/Emmerich: Fußball verbindet die Familie Wurring

Fußball : Wie der Vater, so die beiden Söhne

Christian Wurring war einer der erfolgreichsten Angreifer der hiesigen Fußball-Szene. Für eine Partie stand er mit seinen beiden Söhnen, Miguel und Glenn, noch einmal auf dem Platz. Nun aber trennen sich ihre sportlichen Wege.

Es sei seit Jahren sein großer Traum gewesen, für eine Partie mit seinen Söhnen auf dem Rasen zu stehen, sagt Christian „Kiki“ Wurring. Sein Traum wurde Wirklichkeit. Rechtzeitig zum 50. Geburtstag lief er mit seinen Söhnen Glenn (22 Jahre) und Miguel (18) in der Fußball-Kreisliga B für Siegfried Materborn gegen Concordia Goch auf. Mit 8:4 gewannen die Schwarz-Gelben. „Das war eine wunderbare Erfahrung, die ich unbedingt im Leben gemacht haben wollte. Mit seinen Söhnen in einem Liga-Spiel auf dem Platz stehen – wer erlebt das schon? Da kriege ich bis heute noch Gänsehaut“, sagt Christian Wurring.

Er ist einer der schillerndsten Figuren des Fußball-Kreises Kleve/Geldern. Jahrelang galt der Angreifer als eiskalter Vollstrecker. In den 1990er-Jahren lief der gebürtige Emmericher für Viktoria Goch und den Sportclub Kleve in der Verbands- oder Landesliga auf. „Ich war der klassische Wühler vor dem Tor. Meine große Stärke war der Riecher“, sagt Christian Wurring, der damals immer mit Sportbrille spielte – sein Markenzeichen.

Er hätte einst für die Sportfreunde Hamborn 07 den Sprung in die Dritte Liga schaffen können. Wurring aber blieb am Niederrhein und fand seine sportliche Heimat bei Siegfried Materborn. Die Schwarz-Gelben führte er Anfang des Jahrtausends in die Fußball-Landesliga, bis heute ist er regelmäßig an der Materborner Allee anzutreffen. „Wenn man mich braucht, bin ich für den Verein da“, sagt der 50-Jährige.

In der vergangenen Saison brauchten die Materborner ihn dann. Die Personaldecke der Mannschaft von Trainer Ingo Pauls war dünn. „Da habe ich mich bereit erklärt, mich nochmal vorne reinzustellen. Es macht mich stolz, dass ich noch immer gefragt werde“, sagt Wurring. Doch nicht nur das. Seine Söhne hatten ein besonderes Geburtstagsgeschenk im Sinn. „Wir wollten einmal mit Papa zusammen in einem Liga-Spiel auflaufen. Der Trainer gab uns seine Zustimmung, wir haben sogar noch extra für das Spiel Trikots angefertigt“, sagt Glenn Wurring, der eigentlich für das zweite Team von Siegfried Materborn in der Kreisliga C kickt. Die Vorfreude des Trios auf die Begegnung mit Concordia Goch sei riesig gewesen.

Eine Woche vor dem Aufeinandertreffen aber geriet der Plan ins Wanken. Glenn Wurring zog sich einen Muskelfaserriss zu, der 22-Jährige drohte auszufallen. „So einfach konnte ich mich aber nicht geschlagen geben. Trotz der Verletzung wollte ich wenigstens für zwanzig Minuten dabei sein“, sagt er. So stand Vater Christian tatsächlich mit seinen Söhnen auf dem Platz. „Das war schon eine sehr emotionale Kiste für mich“, sagt Christian Wurring. Immer wieder hätten die Brüder ihren Vater in der Sturmspitze gesucht. Immerhin, so erklären sie, hätte dieser zwar Tempo-Nachteile. „Papa weiß aber immer noch sehr genau, wo das Tor steht. So leicht wird er in der Kreisliga B nicht aufgehalten. Er hat ein gutes Auge“, sagt Miguel Wurring. Und das stellte er auch unter Beweis: Nachdem Christian Wurring gleich mehrmals in aussichtsreicher Position vergeben hatte, traf er nach 63 Minuten zum 6:3 – nach einer Flanke von Sohn Miguel. Wenig später erhöhte der Junior wiederum auf 7:3.

„Das war alles wie im Traum“, sagt Christian Wurring, der einen weiteren Treffer vorbereitete. Eine Wiederholung des gemeinsamen Kicks aber scheint nun in weite Ferne gerückt. Nicht nur, weil Christian Wurring seine Fußballschuhe eigentlich an den Nagel gehängt hat. Miguel hat nämlich den Sprung zum Landesligisten SGE Bedburg-Hau geschafft.

Der 18-jährige Offensivakteur traf in der vergangenen Saison 17 Mal und legte 21 Tore auf. „Ich hatte in diesem Sommer das Gefühl, den nächsten Schritt für meine Entwicklung machen zu müssen“, sagt der Nachwuchsakteur. Sein Vater riet ihm zum Wechsel, diese Chance müsse er nutzen, so Miguel Wurring. „Der Junge ist spielerisch heute schon besser als ich früher. Er kann alle Positionen spielen, ist beidfüßig und technisch unglaublich stark. Außerdem beherrscht er den tödlichen Pass“, sagt Christian Wurring. Die ersten Wochen unter seinem neuen Übungsleiter Sebastian Kaul seien für Miguel Wurring hart, aber lehrreich gewesen. „Der Unterschied zwischen Kreisliga und Landesliga ist heftig. Aber bisher macht es großen Spaß mit der Mannschaft“, sagt der 18-Jährige.

Das sportliche Talent hat Christian Wurring also vererbt. Doch nicht nur das. Auch beruflich sind die Söhne auf den Spuren ihres Vaters unterwegs. Alle drei sind als Industriemechaniker bei Katjes in Emmerich beschäftigt – Miguel befindet sich allerdings noch in der Ausbildung.

Und auch die Leidenschaft für Borussia Dortmund gab Vater Wurring in die nächste Generation weiter. Seine Söhne standen vor der Corona-Krise regelmäßig gemeinsam auf der Südtribüne im Signal-Iduna-Park. „Die Jungs haben sich offenbar doch ein bisschen was bei mir abgeschaut“, sagt Christian Wurring.