Lokalsport: Keeken: Die "Ente" zum Geburtstag

Lokalsport : Keeken: Die "Ente" zum Geburtstag

Die Nordwacht feierte ihr 85-jähriges Bestehen mit zwei ganz besonderen Gästen: "Bundesliga-Original" Willi Lippens und der langjährige WDR-Sportchef Dietmar Schott sorgten vor etwa 100 Gästen für beste Unterhaltung.

Für Rot-Weiss Essen hat er 186 Tore in 327 Ligaspielen geschossen, lief 70 Mal für die Borussen aus Dortmund auf. Er absolvierte ein Spiel für die niederländische Nationalmannschaft. Und trotzdem kennt wohl ganz Fußball-Deutschland Willi "Ente" Lippens vor allen Dingen für diesen einen Satz, der Geschichte schreiben sollte.

Es ist das Jahr 1965, eine Partie in der Regionalliga, Rot-Weiss Essen gegen Westfalia Herne. Lippens wird mehrfach gefoult, es reicht ihm. Er läuft zum Gegenspieler um sich zu revanchieren, der Schiedsrichter bemerkt das aber: "Herr Lippens, ich verwarne Ihnen." Der Stürmer hätte einfach weiterlaufen, die Sache auf sich berufen lassen können. Aber so ist er nicht, Willi Lippens. "Herr Schiedsrichter, ich danke Sie", antwortet die "Ente". Platzverweis — 14 Tage Sperre wegen respektlosen Verhaltens. Und eine der beliebtesten Anekdoten des deutschen Fußballs.

Bei weitem nicht die einzige, die das "Original" in petto hat. Dementsprechend munter wurde die Jubiläumsfeier des SV Nordwacht Keeken, der an diesem Wochenende seinen 85. Geburtstag beging. Lippens im Gespräch mit seinem alten Freund Dietmar Schott, selbst gestandene Größe im Fußball, das versprach ein Fußball-Talk voller Geschichten und Geschichte. Schließlich war Schott langjähriger Sportschef des Westdeutschen Rundfunks, moderierte im Radio über 2000 Sendungen. Die einleitenden Worte aber sprach Vereinsvorsitzender Rainer Albers. "In den vergangenen Jahren hat es in Keeken Höhen und Tiefen gegeben", sagte Albers. Heute sei man aber mit 600 Mitgliedern gut aufgestellt. "Die Nordwacht ist wie eine alte Dame. Du musst sie hegen und pflegen", so Albers.

Dann aber hieß es "Bühne frei" für Lippens und Schott. Kein Geheimnis ist die Liebe der "Ente" — der Beiname kommt übrigens von seiner charakteristischen Laufart — zu Rot-Weiss Essen. Bis heute ist Lippens Bundesliga-Rekordspieler für die Essener, wurde dort stets als Held gefeiert und hat heute noch sein Haus ganz in der Nähe des Stadions. Ebenfalls kein Geheimnis ist aber, dass er seine Wurzeln in der Schwanenstadt hat. "Je näher wir in Richtung Kleve kamen, desto mehr blühte er auf", berichtete Dietmar Schott. "An der Gocher Landstraße, heute die Nassauer Allee, bin ich geboren und aufgewachsen. Ich komme noch gerne her, das kann man nicht einfach wegwischen", sagte Lippens.

Auch die sportliche Karriere des Stürmers begann in Kleve — beim VfB. "Mein, Vater, der übrigens auch Willi hieß, war aber ein eisenharter Abwehrspieler beim VfL Hau. Der hat nie begriffen, warum ich technisch so begabt bin. Von ihm kann ich das nicht haben", erzählte Lippens. Sein Vater, Willi Lippens Senior, sei damals ganz und gar nicht begeistert davon gewesen, dass sein Sohnemann soviel Zeit auf dem Fußballplatz verbrachte. "Also hat ihm meine Mutter immer erzählt, ich sei zur Andacht gegangen", erinnerte sich der ehemalige Profi-Fußballer. Das ging so lange gut, bis mal jemand zu seinem Vater gesagt habe: "Willi, dein Junge läuft so komisch — aber der macht Dinge, das ist unglaublich."

Dann habe der Senior auch plötzlich auf dem Platz gestanden und sich mitfeiern lassen. Ein Spiel, das Jürgen Möllemann pfiff, die Hauer Kirmes während der Weltmeisterschaft 1954 und das Versprechen an die Mutter: "Eines Tages wirst du mich im Fernseher sehen." Lippens und Schott — ein unterhaltsamer Abend vor etwa 100 Gästen bei der Nordwacht Keeken.

(lukra)
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