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Kapitän Fabio Forster zum Abschneiden des 1. FC Kleve und zum Lockdown

Fußball : Fabio Forster: „Der Verband sollte einen Plan B haben“

Der Kapitän des Oberligisten 1. FC Kleve spricht über den erneuten Lockdown, das bisherige Abschneiden seiner Mannschaft und die Probleme, die Saison in der Klasse zu beenden.

Fabio Forster ist seit Jahren eines der sportlichen Aushängeschilder des Fußball-Oberligisten 1. FC Kleve. Der 29-jährige Mittelfeldakteur spielt bereits die zehnte Saison für die Senioren des Fusionsklubs. Zwischenzeitlich kickte Forster jeweils eine Spielzeit lang für die SV Hönnepel-Niedermörmter (2011/2012) und den SC Düsseldorf-West (2016/2017). Im Gespräch mit der Rheinischen Post sagt der Kapitän des 1. FC Kleve, was er während des erneuten Lockdowns im Amateursport macht und spricht über das bisherige Abschneiden seiner Mannschaft in der fünfthöchsten Klasse sowie einen möglichen weiteren Verlauf der Saison.

Herr Forster, was macht ein Oberliga-Spieler während des Lockdowns?

Fabio Forster Durch den ersten Lockdown im Frühjahr ist das für uns ja schon beinahe Routine geworden. Wir haben damals Erfahrung damit gemacht, wie wir unser Niveau über die ganze Zeit bei hundert Prozent halten, auch wenn keine Spiele für uns anstehen. Immerhin kann es ja möglicherweise recht zeitnah schon wieder losgehen. Das Trainer-Team entwickelt für diese Phase auch nun wieder gute Trainingspläne.

Wie schauen diese Trainingspläne aus?

Forster Noch immer macht jeder von uns drei bis vier Einheiten in der Woche. Viele davon kann man in der Wohnung absolvieren, für die Laufeinheiten aber muss man nach draußen. In der Wohnung mache ich beispielsweise Stabilisierungs-Übungen oder Burpees, eine Mischung aus Kniebeuge, Liegestütz und Strecksprung mit Händen hinter dem Kopf. So bleibt man fit.

Juckt es denn schon wieder in den Beinen?

Forster Ich habe auf jeden Fall wieder total viel Lust loszulegen. Zu Beginn des Lockdowns war man noch froh, Dinge erledigen zu können, für die man sonst nur wenig Zeit hat. Spätestens nach einer Woche aber will man unbedingt wieder den Ball am Fuß haben und die Mannschaft wiedersehen.

Können Sie sich überhaupt noch vorstellen, dass die Saison wie geplant zu Ende gespielt werden kann? Allein auf den 1. FC Kleve warten in der Meisterschaft noch 34 Partien.

Forster Da im Dezember auch keine Spiele stattfinden, kann ich mir das nur schwer vorstellen. Ich wüsste nicht, wie wir 34 Partien bis Ende Juni über die Bühne bringen sollen. Zumal wir in der Oberliga mit 23 Mannschaften in einer besonderen Situation sind. Meines Wissens nach gibt es im Amateurfußball keine Liga mit so vielen Teams. Der Fußball-Verband Niederrhein sollte unbedingt einen Plan B in der Tasche haben, wovon ich aber auch ausgehe.

Nutzen Sie die freie Zeit auch, um selbst Fußball zu schauen?

Forster Aber sicher. Ich gucke sowieso in meiner Freizeit extrem viel Sport. Zuletzt gab es ja häufiger auch Kritik an der Deutschen Nationalmannschaft oder der Nations League als Wettbewerb. Ich teile diese Kritik nicht. Meine Leidenschaft für die Jogi-Elf ist ungebrochen. Ich schalte also gerne ein.

Wie attraktiv finden Sie Begegnungen ohne Zuschauer?

Forster Natürlich fehlt etwas, wenn keine Zuschauer im Stadion sind. Gerade in Kleve haben wir ja regelmäßig zwischen 300 und 400 Zuschauer vor Ort. Das vermisse ich. Ich vermisse es auch, selbst wieder auf der Tribüne zu stehen. Allerdings lenkt das den Blick auch auf taktische Dinge. Ich finde es beispielsweise spannend, zu beobachten, wie sich während der Spiele Ausrichtungen verändern.

Wie blicken Sie auf den bisherigen Saisonverlauf zurück?

Forster Wir haben in den ersten Spielen gesehen, dass wir uns positiv weiterentwickelt haben. Seit Jahren haben wir in der Mannschaft einen festen Stamm, um den herum punktuell Verstärkungen getätigt werden. Auch in diesem Sommer haben die Verantwortlichen gute Arbeit gemacht, indem sie echte Verstärkungen für die Breite und die Spitze des Kaders geholt haben. Wir als Mannschaft haben wiederum unseren Job gemacht, indem wir die Jungs schnell integriert haben.

Der 1. FC Kleve steht nach zehn Spielen auf Tabellenplatz fünf. Wäre es an der Zeit, das Saisonziel Klassenerhalt nach oben zu korrigieren?

Forster Nein, das wäre zu früh. Der aktuelle Tabellenplatz spricht erst einmal für uns. Und wir wollen auf keinen Fall in der Tabelle abrutschen. Erst einmal aber bleibt es das Ziel, nichts mit dem Abstieg zu tun haben zu wollen. Wenn diese Hürde genommen ist, können wir uns möglicherweise über neue Ziele unterhalten. Wir haben zuletzt aber auch bei der 2:4-Niederlage gegen Sterkrade-Nord gemerkt, dass wir noch an uns arbeiten müssen. Ein Sieg wäre da möglich gewesen, doch uns fehlte die Cleverness.

Wie bleibt die Mannschaft auch während des Lockdowns noch in Kontakt?

Forster Wir tauschen uns innerhalb des Teams schon regelmäßig darüber aus, wer wann und wie viel trainiert hat. Dafür sind wir über WhatsApp oder telefonisch miteinander in Kontakt. Außerdem steht weiterhin die Überlegung im Raum, sich mit der Mannschaft zu einer Online-Trainingseinheit zusammenzufinden. Der Kontakt wird also weiterhin gepflegt. Noch lieber würden wir uns aber zeitnah wieder auf dem Platz sehen.

Sind Sie mit der Verlängerung des sportlichen Lockdowns einverstanden?

Forster Ich kann die Entscheidung der Politik absolut nachvollziehen. Grundsätzlich kann man natürlich darüber diskutieren, ob alle gesellschaftlichen Bereiche ähnlich behandelt werden müssen. Wenn man das jedoch macht, gibt es andere Zweige wie die Gastronomie oder die Kultur, die durch die Corona-Maßnahmen noch heftiger getroffen wurden. Letztendlich hoffe ich einfach auf einen halbwegs positiven Jahresabschluss mit niedrigeren Infektionszahlen auf allen Ebenen. Dann wäre der Grundstein für einen besseren Start ins neue Jahr gelegt.