Kalkar: Die 12. Deutsche E-Dart-Meisterschaft fand im Wunderland statt

E-Darts in Kalkar : Eine Kneipensportart will salonfähig werden

Mehr als 800 E-Darter kämpften im Wunderland zwischen Bierkrügen und Zigarettenrauch um die 12. Deutsche Meisterschaft.

Wer sich am vergangenen Wochenende im Wunderland Kalkar der Hansehalle näherte, konnte den Eindruck gewinnen, es stünden zwei Veranstaltungen zur Auswahl. Die eine fand noch vor der Tür statt: Hunderte hatten sich dort mit Glimmstängel in der Hand versammelt. Das eigentliche Geschehen, das mehr als 800 E-Darter aus sechs Nationen an den unteren Niederrhein gelockt hatte, aber fand drinnen statt: Die zwölfte Deutsche Meisterschaft gastierte bereits im fünften Jahr im Kalkarer Freizeitzentrum. „Das ist das höchste spielerische Niveau hier. Ich bin mir sicher: Es laufen hier zehn Mann herum, die Phil Taylor von der Bühne prügeln würden“, sagt Steffen Siepmann, genannt „Sippi“. Zum Hintergrund: Phil Taylor ist mit sechzehn Weltmeistertiteln der erfolgreichste Spieler in der Geschichte seines Sports. Zu den besten Deutschlands gehört wiederum Siepmann, der seit einigen Jahren auf der internationalen Profitour mitmischt.

Über drei Tage hinweg erstreckte sich die Veranstaltung, die den neutralen Zuschauer zuvorderst mit einer offenen Frage zurückließ: Ist das schon Sport oder noch Kneipenbelustigung? „Ja und nein. Meistens ist die Kneipe unsere Sportstätte, also sind wir auf ewig mit ihr verbunden“, sagt Dietmar Reichard, Präsident des Deutschen Dart Sport Verbands (DDSV). Ihm zu Folge aber komme es auf die richtige Einstellung an: „Wer etwas reißen will, muss sehr konzentriert sein. Auch das präzise Stehen, teilweise ja auf einem Bein, kann sehr anstrengend sein“, sagt Reichard. Man müsse den Sport unbedingt ernst nehmen. Das bestätige auch die bloße Größe des Wettbewerbs von Deutschlands Besten Dartern: Mehr als 800 Teilnehmer bestritten in Einzel-, Doppel- und Mannschaftswettbewerben mehrere tausend Partien, knapp ein Viertel der Sportler stammten vom Niederrhein. Die Erfolgreichsten wurden mit einem Preisgeld in Höhe von mehreren hundert Euro belohnt. Geworfen wurde auf automatischzählende Dartmaschinen.

Pfeil um Pfeil in Richtung Dartscheibe: Noch immer ist die Trendsportart eine waschechte Männerdomäne. Foto: Markus van Offern (mvo)

Reichard selbst hatte sich ursprünglich dem Tischtennissport verschrieben. „Wir haben damals auch in einem Kneipensaal gespielt. Ist Tischtennis dann nicht auch eine Kneipensportart?“, fragt der Verbandspräsident. In der Wirtschaft sei die Dartscheibe nahe gewesen, schnell sei er von dieser in den Bann gezogen worden. „Es ist der Mix aus Leistung auf den Punkt und dem Spaß drumherum, der unseren Sport ausmacht“, sagt Reichard. Ähnlich sieht es auch Martina Rösch: „Unsere Sportart ist auf dem Vormarsch.“ Sie ist Bundesschriftführerin und die gute Seele des DDSV. Früher hätte man Turniere mit einigen Dutzend Teilnehmern ausgerichtet, doch Dart schwappte in den vergangenen Jahrzehnten als eine waschechte Trendsportart aus den Vereinigten Staaten nach Westeuropa über. „Wir haben einen starken Einbruch erlebt, als 2013 das Rauchverbot in Kneipen durchgesetzt wurde“, sagt sie weiter. Von diesem Tief aber habe man sich längst erholt. Und mittlerweile, erklärt Rösch weiter, lege man Wert auf Etikette: „Früher spielte man in Achselshirt mit Whiskey in der Hand. Heute achten wir darauf, dass die Darter sich angemessen kleiden.“ Und dennoch gilt dabei offenbar: Je bunter das Trikot, desto besser. Wichtig scheint den mehrheitlich männlichen Dartern auch der Name auf dem Rücken, meist zwar nicht der richtige, dafür aber kreative wie „Bumbum“, „Hunter“ oder „Pommes“. Zum Zapfhahn greifen die Sportler bereits um elf Uhr in der Früh, auch die Fritteuse läuft schon warm, ehe die Sonne ihre volle Strahlkraft entfacht hat. „Das ist wie eine große Familie hier. Mit den meisten versteht man sich blind, wir ticken gleich“, sagt Rösch. Bier, deftiges Essen und kollektives Qualmen gehören bei dieser Familie dazu, meint sie. „Wir spielen während der „Deutschen“ täglich bis etwa zehn Uhr abends. Dann wird gefeiert, und zwar richtig“, sagt Rösch. Während des Wettbewerbs aber sei Alkohol tabu, zumindest in jener Halle, in der mit Pfeilen geworfen wird. Allzu ernst scheinen diese Vorschrift nicht alle Sportler zu nehmen. Die dunkle Hansehalle wurde für ein Wochenende in einen Dunst von Bierduft und Rauch­schwa­den gehüllt. Eine besondere Atmosphäre für körperliche Ertüchtigung.