Interview: Der Gocher Tennisspieler und Nierenpatient Markus Wesendonk

Interview: Markus Wesendonk : „Ich fühle: Das ist die Full-House-Niere“

Der Gocher stieg 2018 mit seinem Tennisteam auf, dann erhielt er die ersehnte Nieren-Transplantation.

Es ist Heiligabend, Markus Wesendonk schickt Weihnachtsgrüße und fügt an: „Die neue Niere läuft – mein vorgezogenes Weihnachtsgeschenk“. Seit 26 Jahren leidet Wesendonk an einer chronischen Nierenerkrankung, die ihn mehrmals in der Woche zum Blutreinigungsverfahren in der Spezialklinik zwang. Dennoch ist er Vollblut-Sportler und tourt als Dialyse-Tennisspieler über die ganze Welt. Wesendonk gewann gar schon EM-Gold. Nun erhielt der 54-Jährige seine dritte Niere.

Im Sommer erhofften Sie sich, bald endlich die „lebenslängliche“ Niere zu bekommen. Ist genau diese nun bei Ihnen transplantiert worden, Herr Wesendonk?

Ja, das kann man sagen. Das ist die Full-House-Niere, auf die ich so lange gewartet habe. Das Gewebe nimmt sie an, die Blutgruppe passt – ein tolles Organ. Die achtjährige Wartezeit war hart. Umso größer ist die Freude nun.

Wie kam es zu dieser dritten Nierenspende?

Ein 38-Jähriger aus Bochum hat sie explantiert bekommen. Zwar lerne ich ihn nicht kennen, doch mit einem Dankschreiben werde ich mich definitiv an ihn wenden. Da der junge Mann in Bochum wohnt, konnte die Niere schnell in die Klinik nach Köln-Merheim gebracht werden. Morgens informierte man mich darüber, mittags wurde ich auf die Operation vorbereitet, abends war die Niere in meinem Körper. Manchmal kommt das Glück eben sehr plötzlich.

Wie hat sich Ihr Alltag dadurch verändert?

Es ist natürlich eine große Erleichterung, nicht mehr drei Mal in der Woche zur Dialyse zu gehen. Ansonsten musste sich vor allem meine Blase an die Umstellung gewöhnen.

Inwiefern steht die Niere in Zusammenhang mit der Blase?

Die Nieren sind der Hauptumschlagplatz für die Entgiftung des Körpers. Schadstoffe werden aus dem Körper gefiltert und mit dem Urin ausgeschieden. Da allerdings Maschinen in den vergangenen Jahren die Funktion meiner Niere übernommen haben, war auch meine Blase „außer Betrieb“. So war ihr Volumen anfangs noch sehr klein und ich musste häufig zur Toilette. Das kommt aber mit der Zeit.

Gibt es etwas, auf dass Sie Acht geben müssen?

Es ist wichtig, dass ich jetzt nicht an einem Infekt erkranke. Daher sollte ich größere Menschenansammlungen vorerst meiden. Auch Zitrusfrüchte sind Tabu. Gleichzeitig muss ich viel Wasser trinken und Immunsuppressiva nehmen, damit das Organ von meinem Körper nicht doch abgelehnt wird. Die sportliche Betätigung darf man erst langsam wieder aufnehmen, knapp drei Monate nach der Transplantation. Spätestens im März will ich aber wieder auf dem Tennisplatz stehen.

Was erwarten Sie von dem Sportjahr 2019?

Es liegt bei mir auf der Hand, dass ich vor allem gesund bleiben will. Mit Blick auf meine Mannschaft hoffe ich auf den Klassenerhalt. Das wird als Aufsteiger herausfordernd genug.