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Gocher Leichtathleten bei Jugendmeisterschaft

Leichtathletik : Viktoria-Trio bei den „Deutschen“

Mit Jule Gipmann, Jule Reintjes und Willem Lohoff starten drei Leichtathletik-Talente für Viktoria Goch.

Drei Jugendliche, drei Disziplinen und ein Traum: bei den Deutschen Jugend-Meisterschaften unter den besten zehn Leichtathleten landen. Ein kühner Traum aber ist das nicht. Jule Gipmann, Jule Reintjes und Willem Lohoff sind zwischen 16 und 17 Jahre alt und haben neben der Schule nur den Sport im Fokus. Vier bis fünf Mal pro Woche trainieren sie mit ihren Trainern Dirk Kopp und Alex Borgers im Hubert-Houben-Stadion in Goch. „Leichtathletik ist unsere Leidenschaft. Dafür geben wir alles“, sagt Jule Reintjes. Während sie sich dem Kugelstoßen verschrieben hat, folgt ihre Namensvetterin dem Diskuswurf. Willem ist begeisterter Läufer der 400-Meter-Strecke. Mit 50,82 Sekunden ist er hier Nordrhein-Meister.

Dass es sie bereits vor einigen Jahren zu diesen Sportarten geführt hat, war keine Selbstverständlichkeit. Sie alle scheinen Sportlichkeit in ihrer DNA zu haben, probierten allerdings zahlreiche Bereiche aus. Basketball, Tanzen, Bogenschießen, Fußball, Tennis, Schwimmen – nichts fesselte sie wirklich entscheidend. „Ich bin beispielsweise sehr froh, dass sich Willem für die Leichtathletik und damit gegen den Fußball entschieden hat. Die Mehrheit trifft diesen Entschluss andersherum“, sagt Kopp. Bei ihren Mitschülern seien ohnehin andere Sportarten im Trend. Die Leichtathletik führe eher ein Schattendasein. „Wir können das nicht nachvollziehen. Es gibt doch eigentlich kaum eine komplexere und vielfältigere Sportart als unsere“, meint Jule Gipmann. Ihre Wettkampfbestleistung im Diskuswurf sind 42,86 Meter. Damit gehört sie schon zu den Besten ihres Jahrgangs in Nordrhein-Westfalen, im Training wirft sie gar noch weiter. Doch Potential hat sie noch immer, weiß auch der seit Jahrzehnten in der Leichtathletik aktive Alex Borgers, der Kopp bei den Trainingseinheiten als „Wurftrainer“ unterstützt: „Jule kann und wird an ihren koordinativen Fähigkeiten noch arbeiten.“

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Die Athleten verlieren über ihre Trainer nur gute Worte; schließlich würden diese „alles“ für sie tun. Im Gegenzug aber lassen Kopp und Borgers die Trainingsgruppe, die vollzählig 20 Jugendliche umfasst, ordentlich schwitzen. Sind Jule und Jule beim Training, werden nach dem Aufwärmen erst sehr schwere Kugeln gestoßen, um dann an den normalen zu üben und mit einem Ausdauertraining abzuschließen. Dass sich die Freundinnen auf unterschiedliche Bereiche spezialisiert haben, spielt im Training kaum eine Rolle. Da die wichtigste Anforderung bei der Leichtathletik die Flexibilität sei und sie beide vom Mehrkampf kommen, müssen die Traininginhalte nicht immer differenziert zu werden. „Wir trainieren meistens zwei Stunden und auch wenn man es sich kaum vorstellen kann: Nach dem Training sind wir komplett verschwitzt“, sagt Jule Reintjes.

In den nächsten Monaten legen Kopp und Borgers bei den hochgewachsenen Mädchen einen Fokus auf Krafttraining. Willem dahingegen wird an seiner Ausdauer feilen, um dann bei den hiesigen Wettbewerben weiter abzuräumen. „Ein schwerer Infekt hat uns weit zurückgeworfen. Aber er kommt immer besser zurück“, erklärt Kopp. Die Bestleistung von Jule Reintjes im Kugelstoßen ist aktuell knapp 14,90 Meter. „Was mich an dieser Sportart so fasziniert, ist die direkte Rückkopplung, denn wer viel trainiert, wirft auch weiter. So einfach ist das“, sagt sie und übernimmt in ihrem jungen Alter gar schon Verantwortung für die Viktoria. Fünf- bis achtjährigen Kindern nämlich bringt sie ihren Sport näher. Wie vielfältig die Mädchen aufgestellt sind, zeigten sie beim Kalkarer Mehrkampftag, als sie jeweils die beiden ersten Plätze belegten. Jule Reintjes hatte an diesem Tag das Momentum auf ihrer Seite und konnte sich durchsetzen. Auch bei den vergangenen Deutschen oder den Nordrhein-Titelkämpfen waren die drei Trainingspartner vorne dabei.

In der nächsten Woche fahren die erfahrenen Trainer dann mit ihren Schützlingen zum Höhepunkt der Saison: der Deutschen Meisterschaft in Rostock. Dort sollen alle in die TOP-8 kommen. „Wenn die Nerven nicht versagen und die Tagesform stimmt, werden sie dieses Ziel auch schaffen“, sagt Borgers, der die Mädchen aber auf dem Teppich halten will. Auf den Olympischen Traum angesprochen werden die Jugendlichen zwar verlegen, Kopp aber macht klar: „Nichts ist unmöglich. Aber es gibt im internationalen Vergleich Kinder, die in dem Alter schon weiter sind. Dennoch können sie Großes schaffen.“ Eine Selbstverständlichkeit nehmen sie jedoch nach Rostock mit: Die Note „Sehr gut“ auf dem Zeugnis war für sie als Leistungssportler obligatorisch.