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Fußball-Schiedsrichter Kreis Kleve-Geldern

Fußball : Regelhüter dringend gesucht

Der Fußballkreis Kleve-Geldern hat nur noch knapp über 140 Schiedsrichter, darunter kaum mehr Jugendliche. Wenig Spesen und Ärger an der Seitenlinie sind die Ursachen. Nun wird ein neuer Lehrgang angeboten.

Es gehört zum Bild eines jeden Meisterschaftsspiels, egal ob in der Kreisliga oder der Bundesliga: Wenn die 22 Fußballspieler das Feld betreten, werden sie obligatorisch vom Schiedsrichtergespann begleitet. So selbstverständlich aber ist das gar nicht. Schon seit vielen Jahren klagen die deutschen Fußballverbände über fehlende Unparteiische; während die Anzahl der Partien wächst, sinkt die Auswahl an Schiris. Mit dem Problem sieht sich in zunehmender Weise auch die Fußballszene im Kreis Kleve konfrontiert: „Den Fußballspielern muss klar sein, dass ein Spiel nicht stattfinden kann, wenn es keinen Schiedsrichter gibt. Daher müssen wir uns alle dafür einsetzen, dass sich wieder mehr für dieses Hobby interessieren“, sagt der Vorsitzende des Kreisschiedsrichterausschuss Kleve-Geldern, Holger Hahn. In der Kreisliga C der Herren, der Frauen-Kreisliga und in den Leistungsklassen der Junioren sei es gar schon vorgekommen, dass man keinen Referee mehr hat finden können.

So gibt es nämlich nur noch 140 Schiedsrichter in der Region, davon sind nur zehn unter 18 Jahre. Dabei sind Vereine abhängig von ihrer Anzahl gemeldeter Mannschaften und deren Spielklasse dazu angehalten, solche zu stellen. Pro Senioren- und Jugendmannschaft braucht es einen Schiedsrichter, bei einem Klub mit Oberliga-Vertretung gar zwei. Vereine, die dem nicht nachkommen, werden mit einer Strafe von mehreren hundert Euro belegt. Effektiv aber änderte die Regelung in den vergangenen Jahren wenig. So musste ein Klub aus dem Südkreis zuletzt gar 1400 Euro zahlen, da sieben Schiedsrichter fehlten. Die Gründe für den Mangel sind vielfältig: „Es wollen immer weniger Menschen die Verantwortung tragen, da man durchgängig in der Kritik steht und diese manchmal auch zu weit geht“, sagt Hahn. Auch Gewalt im Fußball sei ein Problem: „Glücklicherweise ist das hier noch nicht akut. Aber Nachrichten darüber schrecken eben auch ab“, fügt Hahn an. Statistisch gebe es auch einen klaren Zusammenhang zwischen der Gewaltbereitschaft in einem Verein und dem Anteil von Menschen mit Migrationshintergrund. „Damit schlagen sich viele Verbände im Ruhgebiet herum“, meint Hahn.

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Dabei gab der DFB kürzlich eine eigentlich deutliche Statistik heraus: So wurde herausgestellt, dass in der vergangenen Saison 99,51 Prozent der Begegnungen störungs- und gewaltfrei über die Bühne gingen. 0,05 Prozent der Spiele mussten abgebrochen werden, bei 0,31 Prozent kam es zur Gewalthandlung, bei wiederum 0,21 zu einer Diskriminierung. Die Zahlen entsprechen denen aus dem Vorjahr, doch der Vizepräsident des DFB, Rainer Koch, sagt: „Die Erfahrung zeigt uns aber auch, dass wir zwar auf einem guten Weg sind, aber alle Beteiligten noch Hausaufgaben zu erledigen haben. So machen etwa einige Schiedsrichter bis heute keine Angaben zu Diskriminierung und Gewalt.“ Auf Online-Spielberichten müssten die Unparteiischen dies jedoch vermerken.

Eine weitere Hürde ist die überschaubare Bezahlung. Für ein Kreisligaspiel erhält man 17 Euro, in der Bezirksliga 25 Euro, der Landesliga 30 Euro. Wer beispielsweise am Bresserberg Oberliga-Fußball pfeift, streicht 50 Euro ein. Nicht hinzugerechnet sind dabei Fahrtkosten. Klar ist aber: Benötigt man inklusive der Vor- und Nachbereitung drei bis vier Stunden für eine Partie, erhält man bei einem Verdienst von 17 Euro bei Weitem nicht den Mindestlohn. „Das ist natürlich nur ein Hobby. Aber es stimmt, wir müssen versuchen, diese Spesen zu erhöhen. Die Tendenz geht da auch in die richtige Richtung“, sagt Hahn. Außerdem seien die Aufstiegsaussichten prächtig. Bei guten Leistungen könne man schnell in eine höhere Spielklasse aufsteigen, auch bei Fehlern werde man nicht alleine oder fallen gelassen. Mit dem Schiedsrichterausweis kann man des Weiteren zahlreiche Bundesligaspiele kostenlos besuchen.

Daher richtet der Verband nun einen Appell an die Vereine: „Die Verantwortung, neue Leute zu gewinnen, liegt bei den Klubs. Sie müssen informieren und motivieren. Ansonsten fehlen uns bald zu viele.“ Jeder, der älter als 14 Jahre ist, kann sich beim Ausschuss melden. Besonders viel Potential sieht Hahn auch bei den Frauen, die bisher nur wenig Interesse am Schiri-Dasein zeigen. Für alle Interessierten bietet der Verband am kommenden Samstag ab 9 Uhr einen Lehrgang an. Kontaktdaten sind bei den hiesigen Vereinen zu finden. Drei weitere Termine werden folgen, am Ende der Reihe stünde eine Prüfung bevor. Danach tragen Fortbildungsmaßnahmen zur Ausbildung bei. „Wir setzen zudem auch auf gesellige Aktivitäten, sodass wir Schiris eine Gemeinschaft bilden, die niemanden hängen lasst“, sagt Holger Hahn.