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Fußball: Schiedsrichter aus Kreis Kleve/Geldern pfeifen nun Oberliga

Fußball : Nachwuchs-Schiedsrichter schaffen den Sprung in die Oberliga

Fußball: Ramón Falke (TSV Nieukerk) und Stefan van Wickeren (Fortuna Keppeln) pfeifen nun in der fünfthöchsten deutschen Spielklasse. Beide haben sich kontinuierlich hochgearbeitet.

Es sei eine schwache Schiedsrichter-Leistung gewesen, die Stefan van Wickeren als C-Jugendlicher dazu bewog, selbst Unparteiischer werden zu wollen. „Ich wollte es einfach besser machen als er“, sagt der heute 26-Jährige. Damals habe er wegen Meckerns die Gelbe Karte gesehen. „Da war ich wirklich fassungslos. Mittlerweile weiß ich natürlich, dass sie absolut berechtigt war“, sagt Stefan van Wickeren, der für Fortuna Keppeln die Fußball-Regeln hütet.

Zusammen mit seinem Kollegen Ramón Falke (TSV Nieukerk) schaffte er nun den Sprung in die Fußball-Oberliga. Seit einigen Wochen stehen beide Nachwuchs-Schiedsrichter in der fünfthöchsten deutschen Spielklasse auf dem Rasen.

Zum Hintergrund: In den vergangenen Jahren schlug der Fußballkreis Kleve-Geldern immer wieder Alarm, dass auch im Kreis der Schiri-Promis Guido Winkmann und Martin Thomsen zahlreiche Unparteiische fehlen würden. Unter der Leitung der neuen Vorsitzenden Sandra Jung hat sich die Lage mittlerweile allerdings entspannt. Zuletzt hätten sich wieder viele Heranwachsende für die Lehrgänge angemeldet.

Stefan van Wickeren pfeift gerne auch hitzige Begegnungen. Foto: ove/Oversteegen

Ramón Falke begann erst im April 2015 mit der Schiedsrichterei. Er sei selbst Fußballer gewesen, habe sich jedoch zunehmend für die Regelkunde interessiert – und eine entsprechende Laufbahn eingeschlagen. Auch er startete in der Kreisliga B, kämpfte sich allerdings kontinuierlich hoch. In der vergangenen Spielzeit war die Landesliga seine sportliche Heimat. Ramón Falke pfiff unter Beobachtung Partien in Düsseldorf, Duisburg oder Viersen.

„Dort habe ich mit meinen Leistungen offenbar überzeugen können“, sagt der 21-Jährige, der nun auch als Assistent in der B-Junioren-Bundesliga aktiv sein wird. „Ich will mich nun erst einmal in der Oberliga beweisen. Das ist mein mittelfristiges Ziel. Allerdings wäre es natürlich ein Traum, irgendwann nochmal in der Regionalliga als Schiedsrichter unterwegs zu sein“, sagt Ramón Falke. An den Sprung in die Senioren-Bundesliga wolle er noch nicht denken, höchstens an den in die A-Jugend-Bundesliga. „Das ist einfach realistischer“, sagt er.

Immer wieder klagten Schiedsrichter in den vergangenen Jahren über eine Verrohung der Sitten auf den deutschen Fußballplätzen. Für das Ruhrgebiet gelte das auch sicherlich, so van Wickeren. Im Kreis Kleve gehe es allerdings weitaus gesitteter zu. Und auch in der Fußball-Oberliga erwartet er keine Tumulte. „Die Jungs da sind fußballerisch allesamt sehr gut ausgebildet. In den höheren Klassen wissen die Spieler auch aufgrund ihrer Erfahrung ganz genau, was die Konsequenzen sind, wenn sie beispielsweise den Schiedsrichter bedrohen oder beleidigen“, sagt Stefan van Wickeren.

Und dennoch: Auch das Duo Falke und van Wickeren habe schon mehrfach Situationen erleben müssen, die auf dem Sportplatz nichts zu suchen hätten. „Wenn man in den letzten Minuten eines entscheidenden Spiels beispielsweise den Kapitän vom Platz stellen muss, weiß man, dass es laut werden kann. Aber wir machen da nur unseren Job“, sagt Ramón Falke. Klar ist schon jetzt: Den Job des Schiedsrichters werden sie künftig in Oberliga-Stadien ausüben. Die ersten Partien haben sie schon geleitet. Nur eine Arena ist für Stefan van Wickeren und Ramón Falke tabu. Da sie aus dem Fußballkreis Kleve-Geldern stammen, dürfen sie nicht im Bresserberg-Stadion des 1. FC Kleve pfeifen.