Fußball: Klut-Trainer Georg Mewes im Interview.

Fußball : „Meine Frau sagt – ‚du hast ’n Ball im Kopf!’“

Ein Trainer tritt ab, der aus einer anderen Zeit stammt. Um ein Spiel zu beurteilen, brauchte er keinen Laptop. Gut hinschauen reichte ihm.

Georg Mewes beendet seine Trainerlaufbahn. Seit 2010 coachte das Fußball-Urgestein mit dem markanten Schnäuzer die Spielvereinigung Hönnepel-Niedermörmter. Im Interview blickt der 69-Jährige auf vier Jahrzehnte als Trainer zurück.

Herr Mewes, nach knapp vierzig Jahren verabschieden Sie sich aus dem Trainergeschäft. Wo haben Sie überall gewirkt?

Georg Mewes Ich bin ganz unten angefangen, habe die A-Jugend bei RSV Klosterhardt trainiert, wo ich auch zuletzt als Spieler gewesen bin. Ein Jahr, dann sind wir direkt Meister geworden – das war Glückssache. Dann habe ich dort drei Jahre die 1. Mannschaft in der Bezirksliga trainiert, auch, um zu schauen, ob ich überhaupt Interesse daran habe. Das hat mir gefallen, und dann ging es weiter, hauptsächlich in der Verbandsliga. Bei Adler Osterfeld acht Jahre, dann Speldorf, SC Kleve 63, Union Solingen, TuRU Düsseldorf, SV Sonsbeck, Union Nettetal und dann beim GSV Moers, bis Hö.-Nie. mich geholt hat, wo ich dann auch fast zehn Jahre war. Da hat der Neururer in 20 Jahren sicher mehr Trainerstationen gehabt.

Warum hören Sie nun auf?

Mewes Ich hatte im vergangenen Jahr ein Organversagen und war längere Zeit krank. Da dachte ich mir irgendwann: Das ist zu gefährlich, bei Wind und Wetter am Platz zu stehen, hör’ mal lieber auf. Ich hatte dann auch so eine Phase, wo ich es alles einfach satt war – es lief nicht mehr so, wie ich mir das vorgestellt hatte. Dann habe ich mir gesagt: Ich höre als Trainer auf. Aber das Tief habe ich überwunden – ich bin wieder fit und die Ärzte sagen, ich solle bloß im sportlichen Bereich weitermachen. In meiner neuen Funktion als sportlicher Leiter bei Ratingen sitze ich ja bald auch nicht nur am Schreibtisch.

Welche Erinnerungen verbinden Sie mit ihrer letzten Trainerstation?

Mewes Die Zeit bei Hö.-Nie. war sehr angenehm, mit den ganzen Leuten, mit denen ich da in den Jahren zu tun hatte – da gab es niemals böse Worte. Sicher haben wir auch mal diskutiert, aber wie die mich da behandeln haben, das war schon à la bonne heure, muss man sagen. Sportlich haben wir auch für Furore gesorgt, obwohl den Verein ja überregional nicht viele kannten. Ein Highlight war sicher die Meisterschaft in der Oberliga. Aber auch der Klassenerhalt im vergangenen Jahr, nachdem wir im Winter erst elf Punkte hatten – das war keine einfache Zeit, aber wir haben es trotz widriger Umstände geschafft. Da war auch Co-Trainer Volker Hohmann gut dran beteiligt, das muss ich auch erwähnen.

Nach der Meisterschaft in der Oberliga hat Hö.-Nie. 2014 auf den Aufstieg verzichtet. Wie sehen Sie die Entscheidung heute?

Mewes Sportlich ist das natürlich schon bitter gewesen. Ich hätte das gerne gemacht – gegen Alemannia Aachen, Rot-Weiß Oberhausen und wie sie alle heißen gespielt. Schalke Amateure, Köln – das wäre schon ein Hammer gewesen. Alle Beteiligten hätten es gerne versucht, aber ich verstehe die Vorstandsentscheidung. Der Verzicht hat uns ja auch viel Lob eingebracht. Sportlich bedauerlich, aber für den Verein eine realistische Entscheidung. Für das Jahr danach muss man der Mannschaft auch ein Kompliment machen. Da haben alle gesagt, ihr geht kaputt, weil ihr nicht aufsteigen durftet, aber da sind wir nochmal Vierter geworden. Da hat man gesehen, dass die Mannschaft einen super Charakter hatte.

Welche Spieler sind Ihnen in besonderer Erinnerung geblieben?

Mewes Ich möchte da niemandem zu nahe treten, aber Andre Trienenjost und Benjamin Schüßler gehören sicher zu meinen Lieblingsspielern. Trienenjost haben wir damals aus der A-Jugend von Hamborn nach Hö.-Nie. geholt – den kannte keiner, und dann macht der 140 Tore in der Oberliga. Ein ganz angenehmer Typ. Genauso wie Schüßler, der wohl der beste Spieler war, den ich jemals trainiert habe, einfach überragend. Ich könnte weitere nennen, Christian Mikolajczak oder Marc Beckert etwa, alles tolle Spieler.

Hat sich in den 40 Jahren vieles verändert im Amateurbereich?

Mewes Die heutige Generation ist natürlich völlig anders. Früher waren die Jungs noch viel mehr mit dem Verein verbunden, weil die alle aus der Umgebung kamen. Dass die groß durch die Gegend gefahren sind, gab es damals nicht – die waren alle in fünf Minuten am Platz. Die haben sich noch mehr mit dem Verein identifiziert. Dass die Frau um zehn vor fünf schon abfahrbereit am Platz steht, gab es damals auch nicht. Die Frauen kamen frühestens um 19 Uhr, und dann waren wir meistens schon angeschossen. Heute sitzen die Mannschaften nicht mehr so zusammen, das ist überall so. Das Freizeitverhalten hat sich einfach geändert, und die Spieler müssen oft noch weite Strecken fahren.

Haben Sie außer Fußball noch andere Hobbys?

Mewes Ja, Fußball. Meine Frau sagt immer: „Du hast ‘n Ball im Kopf“ – und da hat sie auch recht mit. Was links und rechts davon ist, weiß ich gar nicht. Jeden Sonntag spiele ich auch noch selber in einer Hobbymannschaft – die sind alle schon älter, aber die kommen noch alle zumindest problemlos bis zum Spielfeld.

Bei Ratingen 04/19 werden Sie jetzt sportlicher Leiter…

Mewes Genau. Der Verein hat mich ordentlich mit Verantwortung ausgestattet, und ich freue mich auf die neue Aufgabe. Bevor es am 1. Januar los geht, möchte ich mich nochmal bei allen in Hö.-Nie. bedanken, auch bei den Fans, die mich immer fair behandelt und nie beschimpft haben – obwohl sie auch schon mal Grund dazu gehabt hätten. Die Mentalität bei dem Dorfverein SV Hö.-Nie. ist eine besondere. Danke an alle – ich komme immer wieder gerne.