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Fußball-Größen im Kreis Kleve: Wolfgang Berns und sein größter Coup

Fußball-Größen im Kreis Kleve : Wolfgang Berns und sein größter Coup

Der 59-jährige spielte zu seinen besten Zeiten als Libero beim SC Kleve, Siegfried Materborn und beim VfB Kleve. In seinem letzten Spiel als Trainer schaffte er mit dem SV Donsbrüggen den Aufstieg.

Wolfgang Berns, Jahrgang 1961, startete seine Fußball-Laufbahn an der Königsallee. Mit sieben Jahren lief er in der E-Jugend des SC Kleve 63 auf. Er übersprang später komplett die B-Jugend, kickte sofort als Libero in der A-Jugend, mit der er zweimal Kreismeister wurde und 1978 den Aufstieg in die Niederrheinliga schaffte. Beim damaligen deutschen A-Jugend-Meister MSV Duisburg gewann der SC zum Saisonauftakt mit 1:0, was nachmittags auf dem Bresserberg gebührend gefeiert wurde.

Zur Saison 1979/80 wurde Berns vorzeitig zum Senior erklärt. Trainer Horst Kucharz, der zwei Jahre den Sportclub in der Landesliga coachte, setzte ihn gleich in der ersten Mannschaft ein. „Am Samstag kam die Spielerlaubnis, sonntags stand ich in der Startelf“, erinnert sich Berns. Die Spielzeit unter Trainer Franz Schubert verlief dann für Berns nicht so erfolgreich. Deshalb entschloss er sich, seinen Stammverein in Richtung Siegfried Materborn zu verlassen, dem 1982 der Landesliga-Aufstieg gelang. Dieser Transfer ging nicht geräuschlos über die Bühne, da die Blauen den Kicker ungern ziehen ließen. „Kleinkrieg unter Klever Vereinen“, titelten die Zeitungen damals. „Aber ich hatte Norbert Lange, den ich menschlich sehr schätze, mein Wort gegeben“, sagt Berns rückblickend.

Unter Trainer Lange erhielt er seinen angestrebten Stammplatz im Defensivbereich. Berns war als Vorstopper, Libero oder als defensiver Mittelfeldspieler flexibel einsetzbar. „Das waren zwei schöne Jahre in Materborn. Die erste Saison war absolut top, der Abstieg im zweiten Jahr war nicht nötig“, so der 59-Jährige.

Wolfgang Berns im Trikot des SC Kleve, bei dem alles begann. Foto: Markus van Offern (mvo)

Nach dem Abstecher zu Siegfried Materborn kehrte Berns zum SC Kleve zurück, der in der Zwischenzeit in der Verbandsliga spielte. Aber unter dem niederländischen Coach Ab Aalberts pendelte er zwischen Spielfeld und Reservebank. Dann übernahm ab der Saison 1985/86 Friedel Strauch das Zepter auf der SC-Trainerbank. Und mit ihm begann für Berns „seine sportlich absolut beste Zeit“. Er spielte vier Jahre Libero in der Verbandsliga. In der Spielzeit 1987/88 wurde der SC Vizemeister hinter Wermelskirchen 09.

Wolfgang Berns folgte 1989 wieder dem Ruf seines ehemaligen Trainers Norbert Lange und heuerte beim Lokalrivalen VfB Kleve 03 an. Nach der ersten Saison, die erfolgreich verlief, verletzte er sich schwer am rechten Knie. Er ließ sich nicht operieren und kurierte die Verletzung auf Anraten des Kölner Professors Schneider langfristig aus.

Wolfgang Berns (Mitte) war ein kompromissloser Abwehrspieler. Eine Rote Karte sah er trotzdem nie. Foto: Markus van Offern (mvo)

In der Rückrunde der Saison 1991/92 fungierte er als Interimscoach beim damaligen A-Ligisten Eintracht Schneppenbaum. Im Anschluss folgte das vierjährige Engagement als Spielertrainer beim A-Ligisten SV Rindern. „Das waren vier schöne Jahre in Rindern. Im ersten Jahr wurden wir Vizemeister“, erinnert sich Berns. Er wechselte zum SV Donsbrüggen und feierte am 17. Mai 1998 mit dem 4:1-Sieg vor 800 Zuschauern gegen Concordia Goch seinen größten Coup. Berns schaffte in seiner letzten Partie als Trainer den Aufstieg in die Bezirksliga. „Wolfgang Berns verlor den Ruf des ewigen Verlierers“, schrieben die Zeitungen damals nach dem Triumph.

„Die Fußballerzeit möchte ich nicht missen. Ich habe viele Menschen kennengelernt und soziale Kontakte geknüpft. Und die Trai­ne­rzeit hat mich geprägt“, sagt Berns. Seine Spielweise mit 1,88 Meter Größe und 88 Kilogramm Kampfgewicht war sehr körperbetont. Er ging keinen Zweikampf aus dem Weg. „Ich habe weder mich noch andere geschont. Kampf und Dynamik gehören zum Fußball“, sagt Wolfgang Berns, der im Seniorenbereich keine Rote Karte gesehen hat, dafür aber jede Menge Gelbe Karten.

Per Kopf und mit direkt verwandelten Freistößen erzielte er etliche Tore. Sein unangenehmster Gegenspieler war Olaf Bodden, der frühere Bundesliga-Profi von 1860 München, der zu Verbandsliga-Zeiten bei Viktoria Goch spielte. „Wir haben uns nichts geschenkt“, sagt Berns. Von seinen Mitspielern, den SC-Legenden wie Jürgen Schmitz, Manni Priewe und Achim Tenhaft, hat er profitiert. In Materborn waren Werner Welbers, Harald Brands sowie Werner Beckmann seine Teamkollegen.

Bei seinen Trainer-Stationen coachte er so bekannte Akteure wie Thomas Storch und Jupp Leygraf in Rindern sowie Marco Brosch, Georg Lamers und Udo Hübbers in Donsbrüggen. „Als Übungsleiter habe ich einiges von meinen früheren Trainern übernommen. Aber trotzdem habe ich meinen eigenen Stil sowie eigene Ideen entwickelt. Für mich war auch die menschliche Komponente bedeutsam“, sagt Berns, der in Kleve wohnt, verheiratet ist und zwei Kinder hat. Er ist bei der Stadt Goch als Abteilungsleiter im Ordnungsamt beschäftigt. Seine Hobbys sind Rennradfahren und Walken, seine große Leidenschaft das Wandern auf Mallorca.