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Fußball: Die Zwillinge Chloé und Zara Rickes spielen beim VfR Warbeyen

Fußball-Zwillinge beim VfR Warbeyen : Aushängeschilder der Talentschmiede

Chloé und Zara Rickes spielen in der zweiten Saison für das Frauen-Team in der Niederrheinliga. Für die sportliche Prägung sorgte ihr Vater Sven Rickes. Die 18-Jährigen träumen nun von der dritthöchsten Klasse.

Der Name Rickes ist untrennbar mit der Erfolgsgeschichte der Kämpferherzen verbunden. Gleich drei Mitglieder der Familie prägen das Talentförderzentrum für Mädchen- und Frauenfußball in Warbeyen maßgeblich. Vater Sven ist seit Jahren wichtiger Antreiber und Lautsprecher auf dem Weg zum Nachwuchsleistungszentrum, die 18-jährigen Töchter Chloé und Zara sind Aushängeschilder der Ta­lentschmiede. Mittlerweile ist das Duo im Seniorinnen-Fußball angekommen. Für den VfR Warbeyen spielen sie in der Niederrheinliga um den Aufstieg.

Dort werden sie erstmals nicht mehr von ihrem Vater trainiert. Bei den Frauen hat seit dem vergangenen Sommer Trainer Sandro Scuderi das Sagen. „Sandro und Papa sind sich aber in vielen Bereichen sehr ähnlich. Beide leben für den Fußball, sind mit vollem Herzen dabei und sehr perfektionistisch“, sagt Chloé Rickes.

Die Zwillinge haben in der aktuell aufgrund der Corona-Krise seit Mitte März unterbrochenen Saison noch kaum Spielminuten verpasst. Chloé agiert als Innenverteidigerin, während die eine Minute ältere Zara auf der linken Defensivseite kickt. Auf dieser Position wurde sie vor einigen Jahren gar für die Niederrhein-Auswahl beim U18-Länderpokal nominiert.

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Die besondere Verbindung zwischen Zwillingen, da sind sich die Rickes-Schwestern einig, bemerke man auch auf dem Fußballplatz. Immer dann, wenn der jeweils andere sich verletzt, einen Fehler macht oder ein Tor schießt, fühle man mit. „Ich weiß eben genau, was dann in Zara vorgeht – und andersherum“, sagt Chloé. Auch sportlich helfe das, immerhin könne man bei der Zwillingsschwester viel besser erahnen, welchen Spielzug sie anstrebt oder welchen Laufweg sie bestreitet.

Auch abseits des Duvenpoll-Sportplatzes verbringe man viel Zeit miteinander, etwa beim gemeinsamen Spielen an der Konsole. Und dennoch, da legen die Schwestern Wert drauf, müsse man auch getrennt von einander Unternehmungen machen. So hätten sie sich immer erfolgreich dagegen gewehrt, die gleiche Schulklasse zu besuchen. „Es braucht manchmal auch Abstand“, sagt Zara. Aktuell besuchen Chloé und Zara die gymnasiale Oberstufe der Gesamtschule am Forstgarten in Kleve.

Der größte gemeinsame Erfolg war bisher der Gewinn der Meisterschaft in der U-17-Niederrheinliga und der damit verbundene Aufstieg in die Regionalliga. Im Jahr 2018 gelang der überraschende Coup. Ein ähnliches Ziel haben sich die Rickes-Schwestern auch für ihre zweite Saison bei den Seniorinnen gesetzt. „Wir wollen aufsteigen und hätten uns das als Mannschaft auch verdient. Jetzt müssen wir aufgrund der Spielpause allerdings abwarten“, sagt Zara.

Zwar reicht es in der Tabelle aktuell nur für Platz drei. Doch der nur einen Punkt bessere Tabellenführer MSV Duisburg hat schon zwei Partien mehr ausgetragen als die Warbeyenerinnen. „In der Regionalliga und damit in der dritthöchsten Liga zu spielen, wäre schon ein Traum“, sagt Chloé. Trainer Sandro Scuderi gerät ins Schwärmen, wenn er über seine beiden Schützlinge spricht. „Zara und Chloé haben in der Mannschaft innerhalb von kurzer Zeit eine ganz wichtige Position eingenommen. Mädels wie sie sind die Zukunft des Vereins“, sagt der 40-Jährige.

Doch die Schwestern planen nicht nur ihre sportliche Zukunft, sondern auch jene nach der Schule. Zara träumt etwa von einem Auslandsjahr in den Vereinigten Staaten. Sie könne sich vorstellen, mittels eines Sportstipendiums dort ein Jahr an einem College zu absolvieren. Ein Traum, den sie mit ihren Mannschaftskolleginnen Anna und Sophie Schneider teilt. Chloé denke wiederum an eine Laufbahn als Polizistin oder Lehrerin, womöglich auch als Juristin. Gleichzeitig wollen sie an die Erfolgsgeschichte der Kämpferherzen beim VfR Warbeyen noch einige neue Kapitel dranhängen.

Schließlich würde der Mädchen- und Frauenfußball noch immer nicht von allen gleichermaßen akzeptiert werden. „Es ist leider so, dass wir es nach wie vor häufig mit Neid zu tun haben. Da fragt man sich schon, warum es uns trifft. Man muss aufpassen, das nicht zu nah an sich heranzulassen“, sagt Chloé Rickes.

Es gebe nämlich weiterhin viele Jungen und Männer, die Frauenfußball nicht für voll nehmen würden. Zudem entstünde Neid, da die Kämpferherzen seit Jahren erfolgreich arbeiten. „Aber wir Kämpferherzen sind eine geschlossene Einheit. Jeder ist für jeden da. Da lassen wir uns von solchen Kommentaren nicht verrückt machen“, sagt Zara Rickes.