1. NRW
  2. Städte
  3. Kleve
  4. Sport Kleve und Goch

Fußball: Chaos beim SV Hönnepel-Niedermörmter hält an.

Fußball : Sieben Spieler weg: SV Hö.-Nie. am Boden

Fußball-Landesliga: Beim SV Hö.-Nie. verkünden sieben Spieler, darunter Kapitän Damian Raczka, mit sofortiger Wirkung ihren Abgang. Herbert van Bebber wirft ihnen Wortbruch vor. Während der Mannschaftssitzung am Dienstagabend ging es hitzig zu.

Am Dienstag überschlugen sich beim abstiegsgefährdeten Landesligisten SV Hönnepel-Niedermörmter die Ereignisse. Sportchef Guido Lohmann und Teammanager Kato Sürün traten nach dreimonatiger Amtszeit zurück. In einer WhatsApp-Nachricht im Gruppenchat der Mannschaft, die der RP vorliegt, erklärte ein Spieler „im Namen der Mannschaft“: „Unter den Umständen, die aktuell herrschen, möchten wir nicht mehr unter dem Trainer arbeiten.“ 15 Spieler, so weiter, würden sich gegen Übungsleiter Thomas von Kuczkowski wenden und sich solidarisch mit dem Anfang Januar installierten Duo Sürun/Lohmann zeigen. Am Dienstagabend fand eine Mannschaftssitzung auf der Platzanlage statt. Über drei Stunden diskutierten Spieler, Vorstand und Trainerteam über die Zukunft des Aufgebots.

„Wir haben währenddessen vielleicht 20 oder 25 Minuten über mich als Trainer gesprochen. Danach ging es um andere Interna, über die ich mich nicht äußern werde“, sagt von Kuczkowski. „Es hat geheißen, 15 Spieler wären gegen mich. Die Sitzung hat aber gezeigt, dass das nicht stimmt. Und manchmal ist ein reinigendes Gewitter auch gut“, fügt er an. Wie die RP erfuhr, warfen Spieler dem Trainer vor allem Schwächen in der mannschaftsinternen Kommunikation vor. Es ist zu vernehmen, dass die Vereinsführung dem Team ein Ultimatum gestellt haben soll: Entweder sie bekennt sich mehrheitlich zum Coach, andernfalls würde sie zum 31. März vom Spielbetrieb abgemeldet werden.

  • Freunde und Fußball-Experten: Kato Sürün (l.)
    Fußball : Hö.-Nie.: von Kuczkowski Trainer
  • Auf Trainer Thomas von Kuczkowski warten
    Fußball : Chaos in Hönnepel: Sportliche Leitung weg
  • Guido Winkmann bei seinem Abschiedsspiel bei
    Schiri Guido Winkmann aus Kleve : „Thomas Müller hätte auch Schiedsrichter werden können“

Nun aber haben Spielführer Damian Raczka, Schlussmann Dominik Weigl und Verteidiger Daniel Vogel ihren sofortigen Rückzug verkündet. Dazu kommen Kevin Zola Katendi, Murat Kara, Mevlüt Furkan Celik und Samet Caliskan. Sie waren mehrheitlich im Winter von Guido Lohmann und Kato Sürün geholt worden. Während der Mannschaftssitzung, so Raczka, sei es „heiß hergegangen“. Unseren Informationen zu Folge habe ein Spieler dem Co-Trainer Andreas Bergmann gar körperliche Gewalt angedroht.

„Mit sofortiger Wirkung stehen wir dem Verein nicht mehr zur Verfügung. Es gibt Dinge, die wichtiger sind als Geld, beispielsweise Ehrlichkeit und Loyalität. Der Trainer hat unser Vertrauen missbraucht, mehr kann ich dazu nicht sagen“, erklärt Raczka weiter. Ihm nach seien Sürün und Lohmann sehr nah an der Mannschaft gewesen und hätten diese sich durchweg loyal verhalten. „Das sind Top-Leute“, sagt Raczka. Besonders am Herzen liege dem Ex-Kapitän die Mannschaft, der er unbedingt den Klassenerhalt wünsche.

Wie unsere Redaktion zudem aus verschiedenen Quellen hörte, würden viele der nun zurückgetretenen Akteure ihre „Aufwandsentschädigung“ von Guido Lohmann erhalten. Dieser soll darauf gepocht haben, dass die von ihm verpflichteten Akteure mehr Spielzeit bekommen. Lohmann aber widerspricht: „Ich zahle doch keine Spieler, das ist absolut falsch.“ Auch dass er sich in die Aufstellung eingemischt habe, entspreche nicht der Wahrheit. „Natürlich gebe ich meine Meinung wieder, aber die Entscheidungen trifft immer der Trainer, da er diese auch verantworten muss“, sagt Lohmann. Am vergangenen Sonntag, während des 1:1-Remis gegen BG Überruhr, habe der Trainer ihn gar gefragt, ob er sich in die personellen Entscheidungen mit seiner Expertise einbringen wolle.

Von Kuczkowski schildert dies anders: „Immer wieder wollte man sich in die Aufstellung einmischen. Ich lasse gerne andere Meinungen gelten. Mitunter aber wurde ich während des Spiels angeschrien, wen ich auszuwechseln habe. Man verspürt dann immer unterbewusst einen Druck, wenn man bestimmte Spieler nicht aufstellt.“ Schon seit einiger Zeit scheint nicht nur wegen der akuten Abstiegsgefahr Unruhe im Verein zu herrschen. In der Winterpause sei es zu Irritationen um die Etatplanung gekommen. Ex-Trainer Georg Mewes habe im Verein kurz vor seinem Wechsel nach Ratingen die Mitteilung verbreitet, dass das Budget zur kommenden Spielzeit um 60 Prozent gekürzt werden soll. Daraufhin seien einige Spieler nervös ob ihrer Zukunft an der Düffelsmühle geworden.

Sürün und Lohmann hätten dem Vorstand zum Wochenbeginn dargelegt, dass das Vertrauen der Spieler in das Trainerteam gestört sei. „Wir wollten von Kuczkowski nicht entlassen. Aber wir mussten dem Vorstand unsere Einschätzung über den Trainer wiedergeben. Die Chemie hat da nicht mehr gestimmt. Damit sollte sich der Vorstand beschäftigen und gegebenenfalls intervenieren“, sagt Lohmann. Erst im Sommer sei ein Wechsel an der Seitenlinie denkbar gewesen. Spekulationen, wonach Günter Abel (ehemals TSV Wa.-Wa.) bereits als Nachfolger bereitstand, entsprechen nach Informationen unserer Redaktion nicht der Wahrheit. Über den Rückzug der sportlichen Leitung erfuhr von Kuczkowski seinen Ausführungen nach erst durch deren Austritt aus der gemeinsamen Whatsapp-Gruppe.

Der Vorstand der Schwarz-Gelben stellte sich demonstrativ hinter seinen Trainer. Daraufhin teilte dieser Sürün und Lohmann mit, dass sie den Verein verlassen müssten, wenn sie diese Entscheidung nicht akzeptieren würden. Scharfe Kritik muss Herbert van Bebber einstecken, zweiter Vorsitzender des Vereins: „Ich will kein Öl ins Feuer gießen. Aber über die Aussagen von Herrn van Bebber bin ich sehr irritiert. Ich weiß nicht, wie er in der Öffentlichkeit Urteile fällen kann, ohne eine Trainingseinheit gesehen zu haben“, sagt Lohmann.

Dass offenbar sieben Akteure den Klub nun verlassen, bedauert van Bebber: „Das sind Leute, die nicht zu dem stehen, was sie unterschrieben haben. Wir lassen uns nicht erpressen.“ Am Donnerstagabend lädt von Kuczkowski zur ersten Trainingseinheit nach den Kalkarer Chaos-Tagen ein. Alle Spieler, die dann nicht erscheinen, so der Trainer, werden nicht mehr zum Kader des SV gehören. „Wir laufen niemandem hinterher“, sagt der 46-Jährige. Van Bebber nach werden in den kommenden Tagen weitere Gespräche mit den Spielern geführt werden. Zudem will er die angespannte Situation beruhigen: „Sonst starten wir im nächsten Jahr eben in der Bezirksliga.“ Aktuell sieht es danach ohnehin aus: Der SV Hö.-Nie. rangiert aktuell auf dem 16 Platz. Und der führt in die Bezirksliga.