Fußball : „„Klever CDU tritt Ehrenamt mit Füßen“

55 Mitglieder erschienen zur Jahreshauptversammlung des 1. FC Kleve. Die Stadt fordert weiterhin vom Klub 158.000 Euro aus der Rückübertragung eines Vereinsgrundstücks. Es könnte zum Rechtsstreit kommen.

Dem 1. FC Kleve geht es sportlich und finanziell so gut wie seit vielen Jahren nicht mehr. So hätte Optimismus und Selbstzufriedenheit den Ton der diesjährigen Jahreshauptversammlung im Kolpinghaus bestimmen können: die Mitgliederzahlen aller Abteilungen sind konstant, das sportliche Aushängeschild des Klubs, die erste Seniorenmannschaft, ist in der Oberliga angekommen und die Jugendarbeit genießt unverändert einen ausgezeichneten Ruf in der Region. Sorgenfalten zeichneten erst dann das Gesicht des Vorsitzenden Christoph Thyssen, als jene Tagesordnungspunkte behandelt wurden, die den Bresserberg-Klub seit vielen Jahren in Atem halten: die Entwicklung des Sportzentrums Bresserberg auf der einen, finanzielle Forderungen der Stadt Kleve auf der anderen Seite.

Die schier unendlichen Diskussionen über die Entwicklung des Sportzentrums Bresserberg bringen wenig Neues: Die Vereine VfL Merkur Kleve und der 1. FC Kleve fordern, diese Angelegenheit nicht bloß auf den Turnhallenbau zu reduzieren, Gespräche mit allen im Klever Rat vertretenen Parteien erbrachten zumindest einen gemeinsamen Termin der beiden Vereine mit der Verwaltung und den Vertretern der im Rat der Stadt Kleve ansässigen Parteien. Das gemeinsame Gespräch verließen Christoph Thyssen und Helmut Tripp (1. Vorsitzender VfL Merkur) zwar mit einem guten Gefühl, die offenen Klever und insbesondere die CDU-Fraktion aber hätten in der Folge nicht an den Verabredungen festgehalten. Dennoch wollen die Sportvereine weiterhin einen lösungsorientierten Dialog mit allen Beteiligten führen. Die Enttäuschung über den Status Quo aber kann auch Thyssen nicht verbergen: „Hier wird das Ehrenamt mit Füßen getreten. Mitunter kann ich nur mit dem Kopf schütteln.“ Mittlerweile lege insbesondere die CDU den Fokus der Debatte zum Unverständnis der Rot-Blauen auf den Schulsport, nicht auf die Aktivitäten der hiesigen Vereine: „Man erklärt, der Schulsport sei die Basis des Vereinssports. Da muss ich mich doch sehr wundern, wenn ich die zahlreichen aktiven Kindergartenkinder in den hiesigen Sportvereinen sehe“, sagt Thyssen. Insgesamt 671 Mitglieder sind in den vier Abteilungen des FC organisiert. Das entspricht einem leichten Rückgang von knapp zwanzig Sportlern im Vergleich zum vergangenen Jahr.

Noch akuter als die Posse um das Sportzentrum Bresserberg aber sind finanzielle Forderungen der Stadt Kleve in Höhe von 158.000 Euro. Das ehemalige Gelände des Vereins zwischen Merowinger- und Stadionstraße, wo der VfB 03 Kleve einst seinen Rasenplatz, sein Vereinsheim und die Umkleidekabinen hatte, und auf dem heute die Klimaschutzsiedlung steht, war 2014 nach Ende des Insolvenzverfahrens an die Stadt übertragen worden. Danach hat diese die Grundschulden in Höhe von 158.000 Euro abgelöst, um das auf dem Grundstück befindliche Gebäude abreißen und mit dem Bau der Klimaschutzsiedlung beginnen zu können. Geld, für das die Stadt Kleve schon seit Jahren einen Aufwendungsersatzanspruch sieht. „Das Grundstück wurde, wie im Notarvertrag vereinbart, unentgeltlich übertragen. Einen Aufwendungsersatzanspruch der Stadt sehe ich, wie auch seinerzeit der Insolvenzverwalter und viele Rechtsvertreter, nicht.“, sagt Thyssen. Der Vorstand bat seine Mitglieder nun um ein Votum für den weiteren Umgang in der Causa. Einstimmig beschlossen diese, nicht länger auf die Einrede der Verjährung der Forderung zu verzichten und damit ein Mahnbescheid der Stadt sowie einen möglichen Rechtsstreit nicht zu scheuen. „Wir schleppen seit Jahren einen schweren Rucksack mit uns herum. Wir hätten jetzt gerne ein Kilo weniger in diesem“, sagt der zweite Vorsitzende Lukas Verlage. Klar ist: der Verein wird die veranschlagte Summe nicht aufbringen können, eine Insolvenz würde drohen, sollte man den Betrag tatsächlich begleichen

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