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Lokalsport: Für Kellen keine Halle frei - aber für Siegfried

Lokalsport : Für Kellen keine Halle frei - aber für Siegfried

Das Futsal-Team der Hochschule verließ den BV/DJK, weil der Verein bei der Stadt keine zusätzliche Hallenzeit besorgen konnte. Nach dem Wechsel zu Materborn konnte die Verwaltung plötzlich helfen.

Sie haben Spaß, sind erfolgreich und wollen noch besser werden: die Futsal-Mannschaft der Hochschule Rhein-Waal. Futsal hieß früher Hallenfußball. Mittlerweile ist das Spiel unter dem Dach sogar vom Weltverband Fifa anerkannt.

Die Studenten waren bis vor einigen Wochen Mitglied beim BV/DJK Kellen und trainierten in der Sporthalle des Konrad-Adenauer-Gymnasiums (KAG). Auf dem Weg hin zu noch mehr spielerischer Qualität, das Team ist mittlerweile in der zweithöchsten Spielklasse angekommen, bat man den Vorstand des Vereins, für eine weitere Hallenzeit zu sorgen. Gerd-Udo Neuenfeldt, Vorsitzender des BV/DJK Kellen, kümmerte sich darum. Vorstandsmitglied Frank Ehrhardt sandte per Mail eine Anfrage an den Fachbereich Sport der Stadt. In der erklärt er, dass mit einer Hallenzeit kein zielgerichtetes Training möglich ist und bat um einen weiteren Abend entweder in der KAG-Halle oder auch im Freiherr-vom-Stein-Gymnasium. Die Mail hatte Erhardt am 1. Mai, um 9.45 Uhr, abgeschickt. Da am Tag der Arbeit die Wahrscheinlichkeit groß ist, dass auch die städtischen Bediensteten der Arbeiterbewegung nicht im Büro gedenken, dürfte der Sachbearbeiter die Nachricht am 2. Mai erstmals erblickt haben. Am selben Tag erhielt Ehrhardt um 9.45 Uhr eine Antwort. In einem Dreizeiler wird die Anfrage abgelehnt. Der Beschäftigte hatte von Dienstbeginn bis zum Antwortschreiben die Hallenpläne nach möglichen Hallenzeiten - wie er schreibt - "durchforstet". Leider könne er keine weiteren Hallenzeiten anbieten. Zum Abschluss noch eine Empfehlung: Für die Turnhalle am Berufskolleg nannte er Ansprechpartner, denn über die habe er keine Verfügungsgewalt.

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Einen Monat später hatte der BV/DJK Kellen keine Futsal-Mannschaft mehr. Knapp 20 Spieler meldeten sich beim Ballspielverein ab und wechselten zum SV Siegfried Materborn. Grund für den neuen Club. "Wir hatten Gespräche mit beiden Vereinen, Siegfried konnte uns die benötigte zusätzliche Hallenzeit besorgen. Deshalb haben wir uns dort auch angemeldet", sagt der Coach des Teams, Andrej Kornelsen. Denn urplötzlich gab es doch eine leere Turnhalle, die von dem Futsal-Team genutzt werden konnte. Jeden Montag kann jetzt zusätzlich trainiert werden.

Die Verwaltung erklärt dazu, dass zu dem Zeitpunkt, an dem der BV/DJK Kellen angefragt hatte, keine freien Hallenzeiten verfügbar gewesen seien. Diese konnte erst vergeben werden, nachdem ein Verein eine Trainingsabend nicht mehr benötigte. Glückliche Umstände seien dies gewesen.

Die Abmeldung beim BV/DJK erfolgte, weil Siegfried die Hallenzeiten besorgen konnte. "Hochgradig unfair, den frei gewordenen Termin einem anderen Verein zu geben. Unsere Anfrage lag doch bei der Stadt auf dem Schreibtisch", ärgert sich Gerd-Udo Neuenfeldt. Doch nicht nur darüber. Dem BV/DJK wurde zusätzlich noch die alte Hallenzeit entzogen, weil man keine Futsal-Mannschaft mehr hatte. "Wir hatten in unserem Verein Mitglieder, die auch gern Hallenfußball gespielt hätten und wollten eine neue Mannschaft aufbauen. Das ist ein Eingriff in unser Vereinsleben", sagt der Vorsitzende. Der Bitte an die Verwaltung, die Hallenzeit weiterhin nutzen zu dürfen, wurde abgelhent. Als Grund für die Aberkennung führte der Verwaltungsmitarbeiter eine Vorschrift auf: "...Ich verweise auf § 1 Abs. 1 der Nutzungsordnung für Klever Turnhallen, wonach ein Anspruch auf die Gewährung einer bestimmten Hallenzeit nicht besteht." Der Kellener Club hat für die Vorgehensweise der Stadt kein Verständnis. Bewertet diese als vereinsschädigend. Nach Ansicht von Gerd-Udo Neuenfeldt hat die Verwaltung dafür gesorgt, dass sich die Spieler der Hochschule abgemeldet haben. Dabei stellt der BV/DJK Kellen den Studenten für Sportarten wie Bogenschießen, Cricket und Rugby seine Anlage zur Verfügung. Auch nutzt eine große Zahl von Studenten zweimal wöchentlich die Kunstrasen-Kleinfeldanlage, um dort Fußball zu spielen. Eine eigene Halle hat der Verein nicht, aber die braucht er jetzt auch nicht mehr.

(jan)