Fußball: Ex-Klever schießt RWE nach oben

Fußball : Ex-Klever schießt RWE nach oben

Im vergangenen Jahr spielte Benedikt Koep noch im Trikot des 1. FC Kleve. Nach der Insolvenz verließ der 23-jährige Emmericher den Niederrhein und wechselte zum Traditionsclub Rot-Weiss Essen. Dort ist der Angreifer nun zum torgefährlichen Leistungsträger geworden.

Als sich Stürmer Benedikt Koep in der 71. Minute zur Einwechslung bereit macht, stehen 12 701 Zuschauer im Stadion des Traditionsclubs Rot-Weiss Essen an der Hafenstraße bereits Kopf. Der Außenseiter RWE, Regionalliga West, führt mit 1:0 gegen Union Berlin, Fußball-Zweitligist. Acht Minuten später trifft Benedikt Koep zum 2:0. Zwar gleicht der Favorit noch zum 2:2 aus, doch RWE gewinnt am Ende mit 6:5 nach Elfmeterschießen. Die ganze Stadt feiert die Pokalsensation.

"So eine Atmosphäre habe ich noch nie erlebt — ein absolutes Highlight", schwärmt Koep. Acht Monate, nachdem der Emmericher den insolventen 1. FC Kleve verlassen musste, ist Koep einer der Pokalhelden von Essen.

Für den 23-Jährigen hat mit dem Wechsel zum Traditionsclub Rot-Weiss Essen ein richtiges Fußballer-Leben begonnen. "Alleine die ganzen Fans mit ihren Schals zu sehen, wenn ich zum Spiel fahre, ist einzigartig", sagt Koep. Für ihn ist in Essen fast alles neu — das Kapitel RWE begann für ihn nicht nur aus Fußballer-Sicht als Abenteuer. Das erste Mal weg von zu Hause, die erste eigene Wohnung, das erste Mal wirklich auf eigenen Beinen — und das in der Großstadt.

Ein großer Schritt, der aber notwendig war, wie Koeps Berater Tim Nebelung findet. "Wenn du Profi werden willst, musst du dich von Kleve trennen", sagte der Berater seinem Schützling, als sich der große Fußball nach dem Insolvenzantrag beim 1. FC vorerst aus der Schwanenstadt verabschiedete.

Der Emmericher trennte sich von Kleve — und wurde schon nach kurzer Zeit für die mutige Entscheidung belohnt. Schon wenige Monate nach dem Wechsel durfte Koep die erste Meisterschaft mit RWE feiern. Der 23-Jährige trug in 16 Spielen sechs Tore zum Aufstieg in die Regionalliga West bei.

In der neuen Liga legte Koep nun einen Traumstart hin. Zuerst das Joker-Tor im DFB-Pokal, dann ein Joker-Tor zum Ligaauftakt, am vergangenen Wochenende das erste Tor als Startelf-Mann. "Besser geht's nicht", sagt Koep. Auch Berater Tim Nebelung ist überaus zufrieden mit dem Werdegang seines Schützlings — wenn auch auf der eher ungewohnten Spielmacher-Position. Denn eigentlich ist Koep ein klassischer Mittelstürmer. "Ich wusste nicht, dass er die 10er-Position auch so gut ausfüllen kann", sagt Nebelung. Koep ist es recht. Solange er spielt, sei alles in Ordnung. Er fühlt sich im jungen Team wohl — auf der Euphoriewelle, die Essen erreicht hat, sowieso. "Ich habe mir für diese Saison richtig viel vorgenommen", sagt Koep.

Deshalb tut er im Moment nichts, außer seinen Traum zu leben und an sich zu arbeiten. Dafür stehen bei ihm Studiumspläne erst einmal hinten an. "Ich konzentriere mich zu 100 Prozent auf Fußball — ich merke, dass mich das nach vorne bringt", sagt er.

(RP/rl)
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