Fußball : Ein Klever in Polen

Der Leiter des Klever WDR-Büros und ehemaliger RP-Mitarbeiter Ludger Kazmierczak ist bei der Fußball-EM im Einsatz. In Warschau kümmert er sich um das polnische Team und berichtet zudem von Fan-Meilen, Niederländern und aus heißen Bars.

Er kennt sich aus: Zweieinhalb Jahre war der Klever Ludger Kazmierczak Leiter des WDR-Hörfunkstudios in Warschau, bevor er ins Klever Büro zurückkehrte. Für die Fußball-Europameisterschaft wollte der Sender nicht auf die Kenntnisse des ausgewiesenen Polen-Experten verzichten. Der 43-jährige Radioreporter berichtet bis zum Finale von dem Turnier. RP-Redakteur Peter Janssen sprach mit dem Klever.

Morgen sind Sie bereits seit zwei Wochen in Polen. Wer hat denn da beim WDR die EM-Daten durcheinander geworfen?

Ludger Kazmierczak Niemand. Bei so einem Turnier gibt es einiges vor dem Anpfiff zu tun. Zudem ist es notwendig, auch im Vorfeld eines solchen Ergebnisses, schon Beiträge zu produzieren.

Sie waren einige Jahre in Warschau, wie groß ist die Vorfreude der Polen auf die EM?

Kazmierczak Die Euphorie wächst. Im polnischen Fernsehen werden die Ankünfte der Mannschaften live gezeigt. Aus der Serie: Jetzt betritt Cristiano Ronaldo polnischen Boden. Das öffentliche Training der deutschen Mannschaft wird live übertragen. Bei der Übungseinheit der Niederländer sind 25 000 Zuschauer ins Stadion gekommen. Zudem haben die Polen entdeckt, dass man sich Fähnchen in den Nationalfarben ans Auto stecken kann. Das ist hier derzeit der Renner. Wenn ein Vater mit seinem Sohn in der Öffentlichkeit herumläuft, so stecken beide im Nationaltrikot. Die Vorfreude ist enorm, derzeit ist Polen eine blühende Landschaft.

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Im Vorfeld gab es Hinweise, dass einem harten Kern polnischer Fußballfans neben einem Hang zum Alkohol und schlampigen Tattoos auch eine extrem lockere Faust zugeschrieben wird. Schon Probleme gehabt?

Kazmierczak Bislang noch nicht. Die Hooligan-Szene verhält sich derzeit ruhig, was auch daran liegen kann, dass es noch keine größeren Gelegenheiten gab, um auf sich aufmerksam zu machen. So werden etwa die Public Viewing-Veranstaltungsorte erst noch eröffnet. Zudem dürfte ich bei einem Hinweis auf meinen Nachnamen auch nicht erster Ansprechpartner für diese Gruppierung sein und so aus der Sache sauber rauskommen.

Wie kann es sein, dass die Vorrundenspiele der deutschen Nationalmannschaft einige Tage vor der EM noch nicht ausverkauft sind?

Kazmierczak Das liegt daran, dass diese in der Ukraine stattfinden. Und dort versuchen nicht wenige Geschäftsleute, die sich für besonders clever halten, das Geschäft ihres Lebens zu machen. Völlig überteuerte Hotelzimmer werden dort angeboten, bis zu 1000 Euro für ein Zimmer mit Toilette auf dem Gang. Selten war das Wort "Abzocke" so treffend verwendet wie hier. In Warschau ist das anders. Im Marriott Hotel etwa, 4 bis 5 Sterne, gibt's noch Zimmer für 120 Euro.

Was sind Ihre nächsten Einsätze bei der EM?

Kazmierczak Heute wird die Fanmeile am Kulturpalast in Warschau eröffnet. 100 000 Fans passen dort hinein. Ich bin bei den Spielen der Polen im Stadion als Reporter im Einsatz. Kommentieren wird das Eröffnungsspiel für den Hörfunk Armin Lehmann.

Die öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten sollen mit mehr als 250 Mitarbeitern in Polen vertreten sein. Reichlich Personal für ein paar Fußballspiele?

Kazmierczak Die EM gehört mit der Fußball-WM und den Olympischen Spielen zu den herausragenden Sportereignissen. Das zeigt sich auch hier im Pressezentrum, das schon vor der Eröffnung nahezu überfüllt ist. Wenn ich in unserem Hotel den Aufzug betrete, stehen dort regelmäßig Kollegen von Al Jazeera drin. Die haben live vom Hoteldach gesendet. Selbst in Arabien ist die EM offenbar von Bedeutung. Oder die üben schon für die WM 2022, die in Katar stattfinden soll.

Was machen Sie, wenn am Samstag Deutschland gegen Portugal in Lwiw spielt?

Kazmierczak Das kann ich mir nicht ansehen. Zuvor treffen die Niederlande auf Dänemark und da werde ich aus einer Bar in Warschau berichten, die fest in der Hand von Holländern ist. Da gibt's dann viel Gegröle in orange, Heineken vom Fass, Bitterballen und hoffentlich ein schmutziges 1:0 für Dänemark.

(RP/rl)