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Eigengewächs Sezai Kezer hat beim 1. FC Kleve den Sprung geschafft

Fußball : Sezai Kezer hat sich seinen Traum erfüllt

Der 20-Jährige aus dem eigenen Nachwuchs avancierte beim Oberligisten 1. FC Kleve zu einem Leistungsträger, als er nach der Verletzung von Nils Hermsen seine Chance erhielt. Er steht jetzt mit seinen Vorbildern in einem Team.

Der Fußball-Oberligist 1. FC Kleve legt großen Wert auf seine Jugendarbeit. Unter der Führung von Dilek Özden und Detlev Remmers werden Nachwuchskicker am Bresserberg frühestmöglich leistungsorientiert betreut. Und dennoch: In den vergangenen Jahren schaffte nur selten ein Kicker aus der eigenen Jugend den Sprung in die erste Mannschaft des Klubs. Lukas Ehrhardt war einer von ihnen. Doch zum Stammspieler avancierte der heute 23-Jährige nicht, er spielt mittlerweile beim Fußball-Landesligisten SGE Bedburg-Hau. Für Sezai Kezer gilt das nicht. Er gehört seit dieser Saison fest zur Mannschaft von Trainer Umut Akpinar. „Für mich ist damit ein Traum in Erfüllung gegangen“, sagt der 20-Jährige.

Sezai Kezer ist ein waschechtes Eigengewächs des Fusionsklubs. Die ersten Schritte im Jugendfußball absolvierte er zu D-Junioren-Zeiten zwar im Trikot von Siegfried Materborn. Dort genoss Kezer, so sagt er, die Grundausbildung. Im Jahr darauf wagte er dann aber den Schritt zum 1. FC Kleve. Seit 2013 trainiert er so mindestens drei Mal pro Woche. „Beim 1  FC Kleve wird man sehr zielgerichtet auf die erste Mannschaft vorbereitet. Sie war schon immer mein großer Traum“, sagt Kezer. Besonders gereift sei er in der Saison 2017/2018, als er mit dem 1. FC in der A-Junioren-Niederrheinliga spielte. Damals verpasste das Team den Klassenverbleib nur knapp. Sezai Kezer war dabei unter Trainer Lukas Nakielski unangefochtener Stammspieler.

Zwischen Spieler und Übungsleiter entstand eine vertrauensvolle Bindung, die dem Nachwuchsakteur beim Sprung zu den Senioren helfen sollte. Immerhin übernahm Lukas Nakielski in der Spielzeit darauf die zweite Mannschaft des Bresserberg-Klubs. „Die Bezirksliga war für mich das perfekte Sprungbrett. Man darf das Niveau da nicht unterschätzen. Gerade wenn man frisch aus der Jugend kommt, lernt man dort die Wettkampfhärte kennen“, sagt Kezer. Unter Nakielski lief der Rechtsfuß in der Bezirksliga als Spielgestalter oder Angreifer in vorderster Front auf. Parallel dazu kickte er auch noch für die A-Junioren des 1. FC Kleve in der Leistungsklasse.

Und Sezai Kezer machte mit guten Leistungen auf sich aufmerksam. Umut Akpinar, Coach der ersten Mannschaft, entging dies nicht. Er lud Kezer zum Training des damaligen Landesligisten ein. „Ich durfte schon sehr früh die Abläufe in der Mannschaft kennenlernen. Das hilft extrem, wenn man die Jungs schon einmal kennt und außerdem weiß, wie anspruchsvoll Umut Akpinar im Training sein kann“, sagt Kezer.

Die ersten Minuten für die Erstvertretung folgten dennoch erst im Jahr darauf. Am 9. September 2018 war es so weit. Beim 1:0-Erfolg in Nettetal wurde Kezer in der 87. Minute eingewechselt. „Ich war damals unglaublich nervös. In solchen Momenten ist man eigentlich nur damit beschäftigt, bloß keinen Fehler zu machen“, sagt er. Doch zu kurz war die Einsatzzeit, um nachhaltig Eindruck zu hinterlassen. Im weiteren Verlauf der Saison brachte Akpinar den Nachwuchskicker immer wieder für wenige Minuten, der Durchbruch aber blieb Kezer vorerst verwehrt.

„Trotzdem hat Umut Akpinar von Anfang an viel mit mir gesprochen und mir klar gemacht, woran ich noch arbeiten muss. So hat er mir immer das Gefühl gegeben, irgendwann wichtig für die Mannschaft sein zu können“, sagt er. So sei es insbesondere die Ballbehandlung, an der Kezer noch habe feilen müssen. „Bei meiner Technik gibt es viel Luft nach oben.“

Im vergangenen Sommer dann absolvierte er über die volle Distanz die Sommervorbereitung unter Akpinar. Eine Stammplatz-Perspektive bot sich allerdings noch immer nicht. Der Gedanke, seinen Heimatverein zu verlassen, kam Kezer trotzdem nicht. „Ich hatte einige Angebote, auch aus der Landesliga. Aber der 1. FC Kleve ist meine Familie, ohne sie kann ich nicht. Daher wäre es für mich nie in Frage gekommen, den Verein zu verlassen“, sagt Kezer. Im Oktober vergangenen Jahres dann verletzte sich Linksverteidiger Nils Hermsen schwer an der Schulter. Umut Akpinar musste improvisieren, baute die Viererkette um und beorderte Sezai Kezer auf die Position von Nils Hermsen.

Eine Position, auf der das Eigengewächs bis dahin nie gespielt hatte. „Erst war ich überrascht, aber mittlerweile fühle ich mich in der Rolle richtig wohl“, sagt er. Schließlich würden seine Mitspieler ihm die Aufgabe auch erleichtern. So helfe Offensivakteur Pascal Hühner defensiv mit, von Innenverteidiger Nedzad Dragovic erhalte er zudem immer wieder klare Anweisungen. Auch Spielführer Fabio Forster lasse ihm viel Zuspruch zukommen. Mit Angreifer Levon Kürkciyan ist Sezai Kezer gar seit Jahren eng befreundet. „Sie führen mich auf dem Platz“, sagt Kezer.

Während er anfangs in der Rückwärtsbewegung noch Schwächen offenbarte, avancierte der 20-Jährige im Laufe der mittlerweile abgebrochenen Spielzeit zu einer echten Stammkraft. Offensiv setzt er immer wieder Ausrufezeichen, defensiv agierte er zuletzt fehlerfrei. „Ich bin endgültig angekommen“, sagt der Klever mit kurdischen Wurzeln.

Für Sezai Kezer, der eine Ausbildung zum Kaufmann im Einzelhandel absolviert, hätte im April eigentlich ein weiterer Traum in Erfüllung gehen sollen. Auf das Halbfinale des Niederrheinpokals gegen den 1. FC Bocholt freut er sich sehr. „Da kommen Erinnerungen an das Pokalspiel des 1. FC Kleve gegen Rot-Weiss Essen im Jahr 2017 hoch. Bei dem Spiel stand ich als Balljunge auf dem Platz und träumte davon, irgendwann vor einem solchen Publikum und mit Jungs wie Fabio Forster zu spielen“, sagt Kezer.

Damals besuchten mehr als 1000 Zuschauer das Bresserberg-Stadion, ähnlich viele Anhänger sind auch zum Pokal-Duell mit dem Ligarivalen aus Bocholt zu erwarten. Noch ist wegen der Corona-Pandemie unklar, wann der Pokalwettbewerb fortgesetzt werden kann. „Wenn es dann so weit sein sollte, wird das für mich auf jeden Fall ein Abend mit Gänsehaut“, sagt Sezai Kezer.