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Die Fußball-Vereine im Kreis Kleve während der Corona-Krise

Fußball : Fußball-Vereine im „luftleeren Raum“

Für die Klubs im Kreis Kleve ist die Corona-Krise eine besondere Herausforderung – egal, in welcher Liga sie spielen. Es gibt keine Planungssicherheit. Dazu kommt: Viele der laufenden Kosten fallen weiter an, während Einnahmen fehlen.

Wenn die Verantwortlichen der Fußball-Vereine der Region dieser Tage über die Corona-Krise sprechen, fallen immer die gleichen Worte. Man befände sich im „luftleeren Raum“, „in totaler Tristesse“, „im Dunkeln“. Seit mehr als vier Wochen ruht der Spielbetrieb. Zeit genug, für die Periode nach der Pandemie zu planen, könnte man meinen. Nur wie die ausschaut, scheint völlig ungewiss zu sein. „Es gibt eigentlich keine Planungssicherheit“, sagt etwa Christoph Thyssen, Vorsitzender des Oberligisten 1. FC Kleve. Ursprünglich sollte der Ball bis zum 19. April ruhen. In der vergangenen Woche erklärte Peter Frymuth, Präsident des Fußballverbands Niederrhein, dass dieser Termin nicht zu halten sei.

In Zusammenarbeit mit den Regional- und Landesverbänden hat der DFB ein Paket geschnürt, das zumindest Perspektiven aufzeigen sollte. Mit Hilfe sogenannter Übergangsregelungen kann die aktuelle Saison über den 30. Juni hinaus verlängert werden. Zudem könnte die kommende Spielzeit auch später beginnen oder „nötigenfalls sogar entfallen“, wie Frymuth auf der Internetpräsenz des Verbands erklärte.

Dennoch sehen sich die Klubs mit großen Herausforderungen konfrontiert – insbesondere finanzieller Natur. Viele Verantwortliche fürchten, in den kommenden Monaten Geldgeber zu verlieren. „Wir werden wirklich alles tun, um die Sponsoren bei der Stange zu halten“, sagt Peter Streutgens, Sportlicher Leiter des Bezirksliga-Spitzenreiters TSV Wachtendonk-Wankum.

Der 1. FC Kleve hat mit seinen Sponsoren langfristige Verträge abgeschlossen, gekündigt werden könne, so Christoph Thyssen, nur am Jahresende. Dennoch müsse man in der Corona-Krise auch Verständnis für Ausnahmesituationen zeigen. So meldete sich bereits ein Gastronomie-Betrieb beim FC-Vorstand, der die Zusammenarbeit mit dem Klub vorerst auf Eis legen wolle. Immerhin bleiben diesem seit Wochen jedwede Einnahmen aus. „Das akzeptieren wir dann auch, wir werden niemanden in die Insolvenz treiben. Ich kann verstehen, wenn manche Unternehmer aktuell andere Prioritäten haben“, sagt Thyssen.

 FC-Präsident Christoph Thyssen (rechts) plant ohne Zuschauergelder.
FC-Präsident Christoph Thyssen (rechts) plant ohne Zuschauergelder. Foto: Evers, Gottfried (eve)

Auch beim Landesligisten SGE Bedburg-Hau ist man froh, langfristige Übereinkünfte mit den Sponsoren geschlossen zu haben. „Dennoch kann ich jeden verstehen, der sein Geld erst einmal im eigenen Haus behält“, sagt Vorsitzender Björn Mende. Doch nicht nur, dass die Klubs potentiell auf Sponsorengelder verzichten müssen. Seit Wochen bleiben auch Zuschauereinnahmen aus. „Zu unseren Heimspielen kommen im Durchschnitt 100 bis 200 Besucher. Das ist im Landesliga-Vergleich schon sehr ordentlich“, sagt Mende. „Dazu kommen für uns die Einnahmen aus dem Getränke-Verkauf. Gleichzeitig muss man aber sehen, dass wir nun pro Spieltag 180 Euro fürs Schiedsrichter-Gespann sparen.“

Auch dem 1. FC Kleve gehen durch die ausgefallenen Heimspiele einige Gelder verloren. Thyssen zu Folge erwirtschafte man im Durchschnitt 2000 Euro pro Begegnung vor heimischem Publikum. Dass die Spiele der zweiten Mannschaft in der Bezirksliga nicht stattfinden können, falle nicht allzu stark ins Gewicht. „Das ist meistens ohnehin eher ein Nullsummenspiel“, sagt Thyssen.

 Jürgen Kamps, Vorsitzender von Alemannia Pfalzdorf, ist in Sorge um seinen Vereinswirt.
Jürgen Kamps, Vorsitzender von Alemannia Pfalzdorf, ist in Sorge um seinen Vereinswirt. Foto: Stade, Klaus-Dieter (kds)

Inka Grings, Trainerin des Oberliga-Primus SV Straelen, weist darauf hin, dass die Dimensionen der Zuschauer-Einnahmen in der fünfthöchsten deutschen Spielklasse nicht überbewertet werden dürften. Zum Hintergrund: Nur selten fanden sich in dieser Saison deutlich mehr als 200 Fußballinteressierte im Stadion an der Römerstraße ein. „Dennoch bin ich mir der Tatsache bewusst, dass es deutliche Einbuße im Bereich des Merchandisings und des Publikums gibt“, sagt Grings.

Schwierig sei die aktuelle Situation auch deshalb, weil der SVS noch nicht sicher wisse, in welcher Liga er in der Saison 2020/2021 spielt. Sportlich war die Grings-Elf bis zum Corona-Lockdown auf bestem Wege zur Meisterschaft in der Oberliga. 19 Punkte beträgt der Vorsprung auf den ersten Verfolger 1. FC Monheim. „Eine Annullierung der Saison steht für mich nicht zur Debatte“, sagt sie. So sei man in diesen Wochen damit beschäftigt, an einem Regionalliga-Kader zu basteln.

Dass man potentielle Neuzugänge aktuell nicht beobachten könne, sei der zweifachen Europameisterin zu Folge kein großes Hindernis. „Viele der Spieler, die man holen will, kennt man ja bereits. Außerdem schaue ich viel auf einer Internet-Plattform, auf der man sich Spielszenen vieler Ligen, auch aus dem Ausland, ansehen kann“, sagt Inka Grings. Das Grundgerüst des Kaders stünde ohnehin bereits, an zwei bis drei Stellschrauben wolle man jedoch noch ansetzen.

Dass dem SV Straelen der Aufstieg noch genommen werden könnte, hält auch Peter Streutgens für ausgeschlossen. Er steckt mit dem TSV Wa.-Wa. in einer ähnlichen Situation. Die von Frank Goldau trainierte Mannschaft hat an der Tabellenspitze der Bezirksliga 15 Punkte Vorsprung vor dem ersten Verfolger. „Der Nicht-Aufstieg wäre der Super-GAU. Aber davon gehen wir nun erst einmal nicht aus“, sagt Streutgens. Ohnehin wolle man den Gang in die höhere Spielklasse fast vollständig mit dem bisherigen Kader antreten. „Unsere Mannschaft ist gleichermaßen tauglich für die Landesliga und Bezirksliga“, so der 53-Jährige.

Eine weitere Saison wolle man aber nicht in der Bezirksliga spielen, immerhin würden Viktoria Goch und der VfL Tönisberg personell mächtig aufrüsten. Der Aufstieg dürfte für die Rot-Schwarzen in der kommenden Spielzeit unwahrscheinlicher sein. Bitter sei die Lage für den Vereinswirt des TSV. Der Betreiber des griechischen Restaurants verdiene seit Wochen keinen Cent.

Gleiches gilt auch für den VfB Alemannia Pfalzdorf. Der dortige Wirt halte sich aktuell mit Hilfe staatlicher Rettungsprogramme über Wasser. „Doch auch wir als Verein haben laufende Kosten, zum Beispiel für die Instandhaltung der Platzanlage“, sagt Vorsitzender Jürgen Kamps. Auch könne man nicht ausschließen, dass Mitglieder sich abmelden – immerhin kann der Sportplatz nicht benutzt werden. „Da müssen wir jetzt einfach hoffen, dass das Kapitel Corona bald vorbei ist“, sagt Kamps. Die Übungsleiter würden in diesen Wochen nicht bezahlt werden müssen. Immerhin erhalten diese eine Aufwandsentschädigung. Und wo kein Aufwand, da keine Entschädigung.

Ähnlich verfährt auch der SV Asperden. Vorsitzender Patrick Pitzner verweist darauf, dass die Spieler der ersten Mannschaft in der Kreisliga C natürlich kein Geld bekommen würden. Dennoch würden die Einnahmen aus dem Verkauf im Platzhaus, etwa von Getränken, fehlen. „Aber das werden wir verkraften“, sagt Pitzner.

Gebannt dürften viele Vereinsfunktionäre am heutigen Donnerstagabend die Antworten von FVN-Präsident Peter Frymuth und Wolfgang Jades, Vorsitzender des Verbands-Fußballausschusses, verfolgen. Sie wollen sich ab 17 Uhr online auf der Facebook-Seite des Verbandes den Fragen der Klubs zur Corona-Krise stellen.