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Dem Fußball am Niederrhein läuft in der Corona-Krise die Zeit davon

Sport in der Corona-Krise : Dem Fußball läuft die Zeit davon

An der Basis schwindet der Glaube daran, dass die Saison im Verband Niederrhein beendet werden kann. Wenig Hoffnung macht beim Thema auch der am Montag veröffentliche Beschluss der Sportministerkonferenz der Länder.

Der Fußball-Verband Niederrhein (FVN) hat sich nach Monaten des Schweigens endlich mal wieder zum Thema Sport in der Corona-Pandemie zu Wort gemeldet. Wer großartige Neuigkeiten zum Spielbetrieb im auf der Homepage des Verbandes veröffentlichen Interview, das FVN-Pressesprecher Hendrik Lerch mit dem Präsidenten Peter Frymuth geführt hat, erwartet hatte, wurde enttäuscht. „Es zeichnet sich ab, dass zunächst die Hinrunde fortgesetzt werden soll“, sagte Frymuth. Dabei ist es denjenigen, die sich mit der Materie befassen, ohnehin klar, dass es jetzt nur noch darum gehen kann, auf die Anzahl von 50 Prozent der Spiele in den jeweiligen Klassen zu kommen, damit eine sportliche Wertung möglich ist.

Frymuth sagte zudem: „Die Verantwortlichen für den Spielbetrieb im Fußball-Verband Niederrhein haben sich in den vergangenen Wochen und Monaten mit Prognosen zum Spielbetrieb zurückgehalten, da die Verfügungslage keine Grundlagen dafür gaben. Trotzdem werden Überlegungen sowohl für den Spielbetrieb auf Kreisebene wie auch für die Spielklassen auf Verbandsebene angestellt, um auf Entwicklungen vorbereitet zu sein, um dann auch mit den Vereinen gezielt in den Austausch gehen zu können.“

Fakt ist dabei allerdings, dass dem Fußball die Zeit davonläuft und an der Basis der Glaube daran, dass die Saison noch fortgesetzt werden kann, schwindet. Und selbst wenn es als kleiner Erfolg auf dem Weg zurück zur Normalität im Sport bezeichnet werden kann, dass Aktivitäten auf Sportanlagen im Freien wieder erlaubt sind, wenn höchstens zwei Personen zusammen trainieren, so bringt das den Fußball nicht entscheidend weiter. Der Oberligist 1. FC Kleve zum Beispiel hat beschlossen, seine Sportanlage vorerst nicht zu öffnen. „Die Rede ist davon, dass die neue Regel für den Individualsport gilt. Und dazu zählt der Fußball für mich nicht. Deshalb werden wir die Entwicklung auch bei den Inzidenzwerten erst einmal abwarten, ehe wir unsere Anlage öffnen“, sagt Christoph Thyssen, Vorsitzender des 1. FC Kleve.

Auch beim Landesligisten SGE Bedburg-Hau wird es vorerst nicht zurück auf den Platz gehen. Der Verein erhielt am Dienstag von der Gemeinde die Nachricht, dass er seine Anlage nur dann öffnen dürfe, wenn er dafür Sorge trage, dass die Regeln eingehalten werden. „Das können wir als Verein mit ehrenamtlich arbeitenden Kräften außer­halb des Trainingsbetriebs nicht leisten. Deshalb bleibt die Anlage geschlossen“, sagt SGE-Vorsitzender Björn Mende.

Er ist ebenso wie Christoph Thyssen vom 1. FC Kleve nicht allzu optimistisch, dass die Saison noch fortgesetzt werden kann. „Ich plädiere zwar nicht dafür, die Spielzeit schon jetzt abzubrechen. Aber es ist für mich zwingend notwendig, sich darüber Gedanken zu machen, dass nicht mehr gespielt werden kann und die Saison dann annulliert werden muss“, sagt Björn Mende. Schließlich sei es ja nicht damit getan, einfach wieder Fußball zu spielen, wenn es irgendwann wieder Grünes Licht für Wettkampfsport mit Kontakt gibt. „Dann müssten von den Vereinen wahrscheinlich wieder sehr aufwändige Hygienekonzepte aufgestellt werden, die nicht leicht umzusetzen sind. Zudem könnte es ja auch sein, dass nicht alle Kommunen flächendeckend ihre Anlagen wieder öffnen. Dann hätte man einen Flickenteppich, der eine Fortsetzung der Saison erschweren würde“, so der SGE-Vorsitzende.

Wobei es in den Landes- und Bezirksligen sowie in den Kreisligen im Kreis Kleve/Geldern noch möglich wäre, auf die Hälfte der Spiele zu kommen, wenn es erst im Mai wieder um Punkte gehen könnte. Der Problemfall ist bekanntlich die Oberliga mit ihren 23 Teams. Hier haben sich die Vereine dafür ausgesprochen, den Versuch zu starten, die Saison nach einer drei- bis vierwöchigen Vorbereitung ab dem 11. April fortzusetzen. Die Chancen scheinen mittlerweile gering zu sein, dass dieser Plan in die Tat umgesetzt werden kann.

Wenig Hoffnung macht dabei auch der am Montag veröffentliche Beschluss der Sportministerkonferenz der Länder zum „stufenweisen Wiedereinstieg in den Sport“. Dort ist erst als sechster und letzter Schritt „die Rückkehr zum Wettkampfbetrieb und Sportveranstaltungen mit sukzessiver Zulassung von Zuschauern“ vorgesehen. Ein Zeitfenster, wann die einzelnen Schritte umgesetzt werden könnten, wird indes nicht genannt. Aber klar ist: Die Zeit wird knapp für den Amateurfußball am Niederrhein.