Fußball: Das Traumtor der Torjäger steht in Hö.-Nie.

Fußball : Das Traumtor der Torjäger steht in Hö.-Nie.

Pünktlich zum Fußball-Saisonstart hat die RP die Torhöhen im Kreis Kleve gemessen – und erhielt erstaunliche Ergebnisse. Kaum ein Tor erreicht die geforderte Höhe von 2,44 Meter. Die meisten Kästen sind zu klein. Der Niederrheinligist SV Hönnepel/Niedermörmter bietet hingegen mit 2,50 Metern echte Traummaße für Vollstrecker.

Pünktlich zum Fußball-Saisonstart hat die RP die Torhöhen im Kreis Kleve gemessen — und erhielt erstaunliche Ergebnisse. Kaum ein Tor erreicht die geforderte Höhe von 2,44 Meter. Die meisten Kästen sind zu klein. Der Niederrheinligist SV Hönnepel/Niedermörmter bietet hingegen mit 2,50 Metern echte Traummaße für Vollstrecker.

Der Platzwart kann Stürmern das Leben schwer machen. Der Platzwart kommt ins Spiel, wenn der angreifende Fußballer alle gegnerischen Abwehrspieler abgeschüttelt und auch den Torwart im Grunde schon überlistet hat. Dann nämlich kommt es nicht selten auf die Torhöhe an. Ob ein Ball im Torwinkel landet, an die Latte knallt oder knapp über das Tor zischt, darüber entscheiden oft die berühmten Zentimeter. Und diese Zentimeter haben die Platzwarte unter Kontrolle, die für die Höhe der Tore verantwortlich sind.

Wir haben uns mit Maßband und Leiter auf den Weg gemacht und auf einer Rundtour durch Kleve und Geldern bei 19 Fußballtoren in der Region nachgemessen. Das Ergebnis: Die meisten Tore sind deutlich kleiner als die vom Weltfußballverband FIFA vorgegebenen 2,44 Meter (siehe Infokasten und Grafik). Die Stürmer des SSV Reichswalde, Kreisliga B, müssen beispielsweise auf ein 2,33 Meter hohes Tor zielen. Also, Talentscouts aufgepasst: Wer beim SSV regelmäßig in die Maschen trifft, dürfte für größere Aufgaben bestimmt sein. Gleiches gilt für B-Kreisligist Arminia Kapellen/Hamb, der sogar auf 2,32 Meter kleine Tore stürmt. Damit ist das Gehäuse auf dem Ascheplatz, das dem Vereinsheim näher ist, im Übrigen das kleinste bei der Stichprobe im Altkreis Geldern.

Das absolute Alptraumtor für die angreifende Zunft steht auf der Anlage des Neu-A-Kreisligisten Rheinwacht Erfgen. Dort messen wir in der Mitte des hinteren Tores 2,31 Meter, zur Norm fehlen also 13 Zentimeter. Das kleine Tor — der zwölfte Mann im Kampf um den Ligaverbleib? "Vielleicht — auf jeden Fall ärgere ich mich ab jetzt etwas mehr bei Lattentreffern", scherzt Trainer Dragan Vasovic, der aber weiß: "Ein Spiel hat zwei Halbzeiten, da kommen ja beide Teams mal dran." Melanie und Henrik Schümmer, die sich um den Platz kümmern, tippen, dass es am neuen Rollrasen liegt. "Der ist ja einige Zentimeter dick", sagen die Beiden.

Offenbar sorgen sie sich auch um die Stürmer mit Ladehemmung. Denn auf dem B-Platz steht ein Tor, das stellenweise an der 2,50-Meter-Marke kratzt. "Ja, das eine Tor ist größer", sagt Henrik Schümmer und lacht. Hier können sich die unglücklichen Torjäger ihren Frust von der Seele bolzen, bevor wieder aufs Minitor gespielt wird.

Immerhin ist das Minitor von Erfgen zwei Zentimeter höher als das von Germania Dattenfeld, gegen das vor vier Jahren der SV Straelen Protest einlegte. Der Minitor-Fall ging bis vor das Bundesgericht des Deutschen Fußball-Bundes. Die Spruchkammer hatte zunächst auf eine Wiederholung des Spiels zwischen Dattenfeld und dem SVS (4:0 für Germania) entschieden. Dattenfeld ging in Revision — erfolgreich.

Letztinstanzlich wurden die Tore bei Germania für rechtens erklärt: "Auch das DFB-Bundesgericht hat eine Verletzung der Fußball-Regel 1 festgestellt, wonach eine erhebliche Abweichung der Torhöhe vom vorgeschriebenen Maß vorlag. Dieser regelwidrige Platzaufbau kann nicht automatisch zu einer Umwertung oder Neuansetzung des Spiels führen. Zu verlangen ist der Nachweis eines konkreten Zusammenhangs des fehlerhaften Platzaufbaus mit dem Spielergebnis. Dieser konnte vom SV Straelen nicht geführt werden", hieß es damals.

Auch heute haben Vereine mit zu hohen oder zu niedrigen Toren nichts Schlimmes zu befürchten. "Das ist kein Grund für einen Spielausfall", sagt Holger Tripp, Vorsitzender des Kreisfußballausschusses Kleve-Geldern. Die Straelener selbst gehen mit gutem Beispiel voran: 2,42 Meter sind ein (fast) vorbildlicher Wert. Ein Wert, der schon im tiefen Herbst die Norm zu 100 Prozent erfüllen könnte. Denn für die zu klein geratenen Tore gibt es eine gute Nachricht: Sie werden im Laufe der Saison größer. Das klingt verrückt, ist aber einfach zu erklären. "Der Torraum wird im Laufe einer Saison stark beansprucht — im Dezember sieht es da anders aus als im August", erklärt Tripp.

Um diese umkämpfte Zone nach einer harten Saison wieder zu verarzten, gibt es — wie bei Rheinwacht Erfgen — Rollrasen. In Kellen beim BV DJK hat man es mit dem Rollrasen zu gut gemeint. Zwischen Pfosten (2,44m) und Mitte (2,34m) liegen zehn Zentimeter. Nirgendwo sonst empfiehlt sich ein Schuss in den Winkel so sehr wie beim Bezirksligisten. Beim Kreisliga-A-Absteiger SV Issum beträgt die Differenz zwischen Mitte der Latte und Pfosten noch sechs Zentimeter — dem Hügel auf der Torlinie sei Dank. Aber der wird sich ja, wie wir gelernt haben, auf dem Issumer Rasen noch senken.

Auch bei Bezirksligist Siegfried Materborn sollten Torjäger den rechten Winkel anvisieren. Der ist am vorderen Tor ganze fünf Zentimeter höher als der linke — ein Beispiel aus zahlreichen Tor-Kuriositäten in Kleve und Geldern. Das schönste Tor steht übrigens in Wemb. Auf dem neuesten Rasenplatz des Kreises sind die Tore exakt 2,44 Meter hoch. "Da hat sich der Aufwand ja gelohnt", freut sich Claus Denkler, Vorstandsmitglied der Germania, über den Neubau des Platzes, der zur Spielzeit 2010/11 abgeschlossen wurde.

Als wir beim bestplatzierten Team der vergangenen Saison, dem Niederrheinligisten SV Hönnepel/Niedermörmter, die Anlage betreten und unseren mittlerweile erprobten Blick auf das hintere Tor richten, setzt bei uns sofort der "Hier-stimmt-etwas-nicht-Blick" ein. Die 2,31 Meter aus Erfgen noch vor Augen, geht es am hinteren Tor die Leiter hoch — und wir liegen richtig: 2,50 Meter!

Hö.-Nie.-Trainer Georg Mewes ist selbst mit diesen XXL-Maßen noch unzufrieden. "Für meine Schützen können die Tore gar nicht groß genug sein — am besten wären vier Meter", sagt er und lacht. Noch am vergangenen Wochenende traf Hö.-Nie.'s Mittelfeldstratege Thomas Tennagels kurz vor der Pause zum 1:0 — ein Volleyschuss voll in den Winkel. Bei einem Minitor wie in Erfgen wäre daraus wohl eher ein Volleyschuss auf den Acker geworden — was gerade im ländlichen Hönnepel und Niedermörmter keine gute Idee wäre.

Vielleicht ist das XXL-Tor einfach eine Geste der Bequemlichkeit. Auf jeden Fall darf die Abkürzung des Niederrheinligisten SV Hö.-Nie. ab sofort auch mit SV "Höchstes Tor vom Niederrhein" übersetzt werden.

Umfrage Ärgern Sie sich noch heute über einen Lattentreffer ihres Vereins auf ein zu kleines Tor? Sie haben die Torhöhe eines unberücksichtigten Vereins gemessen? Dann schreiben Sie uns per E-Mail an die folgende Adresse: redaktion.kleve@rheinische-post.de

(RP/jt)
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