Fußball : Das Lokalderby elektrisiert

Fußball-Oberliga: SV Straelen – 1. FC Kleve (So., 15 Uhr). Die Rot-Blauen haben vier Mal in Serie gewonnen und fahren mit einem Fanbus.

Der 1. FC Kleve hat in der vergangenen Woche ein mächtiges Ausrufezeichen gesetzt: 2:1 besiegten die Bresserberg-Kicker den Aufstiegsaspiranten der Spielvereinigung Essen-Schonnebeck. Mit dem vierten Sieg in Serie befreiten sich die Rot-Blauen nicht nur von der Tristesse der untersten Tabellenregion, sondern zeigten sich auch sportlich von jedweden Sorgen befreit. „Wir haben in den zweiten 45 Minuten spielerisch richtig überzeugt und eine starke Leistung gezeigt“, sagte Akpinar nach Schlusspfiff der Begegnung. Mittlerweile befinden sich die Klever mit vierzehn Punkten auf Tabellenplatz elf. Nun aber wartet ein noch deutlich stärkerer Gegner auf die Klever: der Lokalrivale SV Straelen. Die Blumenstädter sind Tabellenführer und haben bereits einen komfortablen Vier-Punkte-Vorsprung auf den ersten Verfolger des 1. FC Monheim aufbauen können. „Man braucht nur die Tabelle anzusehen, um zu wissen, was für ein starker Gegner der SV Straelen ist“, sagt Kleves Trainer Umut Akpinar.

„Für mich ist das Spiel gegen Kleve eines wie alle anderen auch. Aber ich registriere natürlich im Umfeld, wie sehr sich die Leute darauf freuen. Ich bin mir sicher, dass unsere Fans für eine tolle Stimmung sorgen werden, das kann der Mannschaft nur helfen“, sagt SVS-Trainerin Inka Grings. Ihre Mission in dieser Spielzeit: der direkte Wiederaufstieg in die vierthöchste deutsche Spielklasse. Bis dato hat der Regionalliga-Absteiger erst eine Saisonniederlage hinnehmen müssen, zuletzt setze es einen 4:1-Sieg gegen Germania Ratingen sowie einen 4:2-Erfolg beim Ligakonkurrenten VfB Hilden. „Wir haben das letzte Spiel genau analysiert und unsere Fehler aufgearbeitet. Die Mannschaft hat in dieser Woche sehr gut trainiert, da habe ich einen ausgezeichneten Eindruck“, sagt Inka Grings im Gespräch mit unserer Redaktion weiter.

Die 40-Jährige nahm zuletzt eine ganz besondere Rolle an der Römerstraße ein: Sie war es, die immer wieder dazu ansetzte, die Euphorie zu bremsen. Stattdessen mahnte sie Unzulänglichkeiten und Disziplinlosigkeiten ihrer Kicker an. Aus Mannschaftskreisen ist vernehmbar, dass sie in den vergangenen Monaten intern deutlich an Führungsstärke gewonnen hat. Die Grün-Gelben folgen ihr und gehen auf dem Feld für die Übungsleiterin an die sportlichen Grenzen. Die Folge: Bis dato hat sich noch keine Oberliga-Mannschaft aufgetan, die sich anschickt, dem SV Straelen auf dem Weg zum Aufstieg wirklich nachhaltig gefährlich werden zu können – auch nicht der 1. FC Monheim. Schließlich lassen auch die Rheinstädter, die dem SVS die einzige Saisonniederlage zugefügt haben, immer mal wieder überraschend Punkte liegen. „Das Spiel gegen den 1. FC Kleve muss man erstmal gewinnen. Sie sind ein sehr unangenehmer Gegner, der es uns schwer machen wird. Wir müssen wirklich alles abrufen“, sagt Grings. Sie habe zuletzt zwei Klever Partien genau analysiert, eines davon war das Aufeinandertreffen mit Essen-Schonnebeck. „Wie Kleve das 1:0 herausgespielt hat, war schon richtig klasse“, sagt Grings.

Der Rückblick: Nach 32 Zeigerumdrehungen war FC-Spielführer Fabio Forster zwanzig Meter vor dem Tor zu Fall gebracht worden. Dies nutzte Mittelfeldmotor Niklas Klein-Wiele für einen Geniestreich: Schonnebecks Schlussmann Philipp Sprenger war noch dabei, die Mauer zu stellen, als Klein-Wiele blitzschnell flach ins linke Eck traf. „Ich freue mich sehr auf das Lokalderby“, sagt Grings nun. Die Vorfreude teilt sie sich mit dem Kontrahenten aus Kleve, dessen Fanszene eigens für die Begegnung einen Sonderbus organisiert hat. Schon im vergangenen Jahr hatten sie einen solchen für die Auswärtsbegegnung in Bocholt gechartert, nun wiederholt sich das Szenario. „Wir freuen uns auf jedes Spiel, aber klar ist: Meine Jungs freuen sich ganz besonders auf das Derby, das wird klasse. Und dennoch: Auch hier werden nur drei Punkte zu vergeben sein“, sagt Akpinar im Gespräch mit unserer Redaktion.

Inka Grings hat gut lachen: Nicht nur, dass sie in die Hall of Fame aufgenommen wurde, mit ihrem SVS steht sie auch an der Tabellenspitze. Foto: dpa/Bernd Thissen

Personell ist der SV Straelen gut aufgestellt. So verfügt Inka Grings tatsächlich über alle Spieler, die Sportchef Stephan Houben in ihren Kader eingebaut hat. FC-Trainer Umut Akpinar dürfte dahingegen der langfristige Ausfall von Angreifer Andre Trienenjost Sorgen bereiten. Er muss eine schwerwiegende Meniskus-Verletzung auskurieren. Gegen die Spielvereinigung Schonnebeck startete Levon Kürkciyan für ihn in vorderster Front und zeigte eine starke Partie. Mit ihm lief offensiv Niklas Klein-Wiele auf. Dazu kommt: Zuletzt musste FC-Schlussmann Ahmet Taner ob einer Oberschenkelblessur vorzeitig für Ersatzmann Andre Barth ausgewechselt werden. Ob er am Sonntag wieder fit ist, scheint noch offen. „Wir müssen jetzt das Abschlusstraining abwarten“, sagt Akpinar. Taner gilt seit Monaten als sicherer Rückhalt. Ins Mannschaftstraining zurückgekehrt ist dahingegen Angreifer Sebastian Santana, der verletzungsbedingt bisher noch ohne Einsatzminute im Klever Dress ist. Der Langzeitverletzte Abdullo Saidov und muss passen. Ansonsten dürfte das Grundgerüst der FC-Elf, das zuletzt eine bemerkenswerte Siegesserie hingelegt hatte, wie gewohnt auflaufen.