Sportkegeln: Das Haus Ida als Bundesliga-Arena

Sportkegeln : Das Haus Ida als Bundesliga-Arena

Die Klever Scheren-Sportkeglerinnen um Silke Thissen sind sensationell in die Bundesliga aufgestiegen. Das Team hat sich verstärkt.

Wer regelmäßig beim Kegelsport im Haus Ida vorbeischaut, der weiß: Hier geht es um mehr als den bloßen sportlichen Wettkampf. Im Fokus steht meist die gemeinsame Zeit, das Miteinander, es werden Freundschaften gepflegt. Dieser Tage ist die Stimmungslage an der Nimweger Straße jedoch verändert. „Natürlich sind wir ein wenig nervös“, sagt Silke Thissen. Der Grund für die Anspannung: Ihre Mannschaft steht nach der Meisterschaft in der NRW-Liga vor der Premieren-Spielzeit in der Bundesliga der Scherekegler. „Das ist für uns alle spannendes Neuland, doch wir freuen uns wahnsinnig“, sagt Thissen. So wird aktuell gleich zwei Mal in der Woche auf der Bahn trainiert, die Sinne scheinen für den Start in die Saison 2019/2020 geschärft. Die Sommerpause nutzten die Sportkeglerinnen, um das Aufgebot merklich zu verstärken. Schon im vergangenen Jahr gingen neben Thissen Sandra van Bebber, Stephanie Schlebusch und Birgit Wilkes für die SK Kleve an den Start. In der NRW-Liga genügten vier Spielerinnen pro Partie, nun sind sechs gefordert. „Da haben wir uns in der Region nach neuem Personal umgesehen. Doch das ist gar nicht so leicht. Immerhin ist unser Sport vor Ort nicht mehr allzu breit aufgestellt“, sagt Thissen.

Fündig wurde sie dennoch. So konnten die Schwanenstädterinnen Nancy Neuhaus für ihr Team gewinnen. Sie hatte zuvor eine Sportpause eingelegt und wechselte nun aus Dinslaken nach Kleve. „Schon vor zwei Jahren haben mich die Kleverinnen angesprochen, jetzt war der perfekte Moment gekommen. In Dinslaken konnte keine Frauenmannschaft mehr gestellt werden, daher habe ich mich umgesehen und hier ein sehr sympathisches Team gefunden“, sagt Neuhaus. Alina Nolte, die in ihrer Vita bereits mehrere Erfolge bei den Westdeutschen Meisterschaften notiert hat, trug zuvor das Dress des KV Gütersloh-Rheda.

„Ich hab´ richtig Bock auf die neue Herausforderung hier in Kleve“, sagt sie. Die dritte Neue ist Katrin Dahlhaus, die vor einigen Jahren bereits in Kleve kegelte, zwischenzeitlich aber pausierte. Komplettiert wird das Aufgebot von Petra Fritz (ESV Siegen), mit der Thissen bereits bei der Weltmeisterschaft im Scherekegeln startete. Ohnehin ist Fritz eine der großen Namen der Szene: 2016 wurde sie Deutsche Meisterin in Oberthal, bei der Weltmeisterschaft 2018 holte sie gar Silber im Team-Doppel-Mixed und sorgte für einen neuen Weltrekord.

„Man sollte den Aufwand nicht unterschützen, der da auf uns alle zukommt“, sagt Thissen. Schließlich würden sie und ihre Kolleginnen künftig durch das ganze Land touren. Die Kontrahenten lauten: Herne, Lünen, Remscheid, Wuppertal, Dilsburg, Oberthal und Wiseck. Für die Auswärtsbegegnungen chartern die Schwanenstädterinnen gar einen Kleinbus.

Unterstützung erhalten die Sportlerinnen von der Sparkasse Rhein-Maas: „Die Mannschaft ist das sportliche Aushängeschild – die am höchsten spielende Mannschaft – Kleves. Die Sparkasse hat schon immer nicht nur die populären Sportarten gefördert, sondern auch die Sportarten, die nicht im Fokus stehen“, sagt Vorstandsvorsitzender Michael Wolters. Das Ziel des frischgebackenen Bundesligisten scheint klar. „Wir wollen unbedingt den Klassenerhalt packen“, sagt Silke Thissen. Dafür aber müsse alles passen, schließlich sei das sportliche Niveau außerordentlich hoch.

Dass die Kleverinnen mithalten können, bewiesen sie bereits am ersten Spieltag. Zuletzt nämlich gastierten Thissen und Co. bei der Viktoria Herne. Gleich im ersten Block setzten die Klever Damen ein Ausrufezeichen. Sandra van Bebber erspielte 836 Holz, die schlussendlich die Tagesbestleistung bedeuteten. Birgit Wilkes zeigte eine durchwachsene Leistung, kämpfte sich aber noch auf 758 Holz heran. Die Gastgeber stellten 806 und 743 dagegen. Die Konsequenz: Kleve ging mit 45 Holz in Führung. Im Mittelblock zeigten zwei Neuzugänge, weshalb sie als Hoffnungsträgerinnen geholt worden waren. Nancy Neuhaus spielte stark auf und holte 800 Holz, Petra Fritz sogar 801 Holz. „Gegen 776 und 753 Holz roch das nach einer Sensation, immerhin führten wir nun mit 117 Holz. Trotz des Puffers gingen wir als Schlussbock allerdings leicht angespannt an den Start“, sagt Thissen.

Doch Thissen und Stephanie Schlebusch mit 779 beziehungsweise 788 Holz machten den Auswärtssieg perfekt. Das Ergebnis lautete: 0:3-Punkte, 4643:4762 Holz. „Drei Punkte bedeuten für uns den absoluten Traumstart in die großartige Mission Bundesliga“, sagt Thissen.

Mehr von RP ONLINE