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Das Aus für die Fußball-Saison am Niederrhein rückt näher

Sport in der Corona-Krise : Warum das Aus für die Fußball-Saison immer näher rückt

Bei den Videokonferenzen der Landes- und Bezirksliga hat sich eine Mehrheit der Vereine dafür ausgesprochen, die Spielzeit zu beenden. Parallel nähert sich der Inzidenzwert in NRW der kritischen Marke von 100.

Der Wille ist zweifelsohne vorhanden. Doch so langsam fehlt der Glaube daran, dass der Fußball-Verband Niederrhein beim Thema Spielbetrieb für die Saison 2020/2021 umsetzen kann, was er plant.

Der FVN versicherte am Mittwochabend zwar bei den Videokonferenzen mit den Vereinen aus der Landes- und Bezirksliga erneut, dass er alles versuchen will, noch einen Spielbetrieb anzubieten. Das hatte er tags zuvor schon auch beim virtuellen Treffen mit den Oberliga-Klubs getan. Doch beim Blick auf die Entwicklung des Inzidenzwertes im Land fällt es immer schwerer, daran zu glauben, dass die Fußballer bald wieder in Mannschaftsstärke zurück auf den Platz können. Der Wert ist am Donnerstag auf 92 gestiegen und nähert sich damit scheinbar unaufhaltsam der kritischen Marke von 100. Die darf nicht überboten werden, damit ab dem 5. April wieder Übungseinheiten in größeren Gruppen stattfinden können. Wenn ein Training ab diesem Zeitpunkt nicht möglich ist, dann sind alle Träume der Funktionäre und Kicker, Anfang Mai wieder um Punkte spielen zu können, geplatzt.

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Die Skepsis, dass der Zeitplan nicht einzuhalten ist, war am Mittwochabend bei den Gesprächen mit den Landesligisten und Bezirksligisten nicht zu überhören. Holger Tripp, Vorsitzender des Fußballausschusses Kleve/Geldern sowie Staffelleiter der Landesliga Gruppe zwei und Bezirksliga Gruppe fünf, hat aus den Konferenzen mitgenommen, „dass es im Gegensatz zur Oberliga eine deutliche Mehrheit dafür gibt, die Saison zu beenden und zu annullieren“. Seiner Schätzung nach waren etwa zwei Drittel der Landesliga-Vereine und 70 Prozent der Bezirksliga-Klubs der Ansicht, dass es besser wäre, einen Schlussstrich zu ziehen.

Auch Tripp selbst blickt mittlerweile nicht mehr allzu zuversichtlich nach vorne, nachdem es noch vor gut zwei Wochen den Anschein hatte, als ob es eine Perspektive für den Amateurfußball geben würde. Die Ministerpräsidentenkonferenz hatte sich auf einen Stufenplan für Öffnungen im Lockdown geeinigt. Und der Inzidenzwert ließ noch die Hoffnung auf eine Rückkehr auf den Trainingsplatz am 5. April zu. „Mittlerweile bezweifle ich, dass dies realistisch ist. Die Corona-Zahlen explodieren. Dazu kommt die Impfstoff-Problematik. Ich gehe davon aus, dass wir Anfang April nicht auf die Plätze können“, sagt Tripp und fügt hinzu. „Viele Vereine wollen das auch nicht. Das wurde bei den Videokonferenzen am Mittwoch für mich deutlich.“

Tripp sieht den Punkt sehr nahe gerückt, an dem man entscheiden müsse, die Saison abzubrechen. „Ich glaube aber, dass diese Entscheidung nicht in unserer Hand liegen wird. Die Politik wird sie uns abnehmen“, sagt er. Denn nicht nur für ihn mehren sich die Zeichen, dass die Politik den Lockdown wieder verschärfen wird. Für Tripp ist es auch keine Alternative, die Saison vielleicht erst Ende Mai wieder anzupfeifen, wenn Spiele möglich sein sollten. „Denn es kann nicht im Sinne des Erfinders sein, in knapp fünf Wochen dann sieben oder acht Spieltage anzusetzen.“

Holger Tripp hat imponiert, dass auch einige Vereine, für deren Mannschaften es noch um Titel oder Aufstieg gehen könnte, sich bei der Videokonferenz für einen Saisonabbruch ausgesprochen haben. „Das ist für mich vorbildliches Fair Play. Diese Vereine wollen wie alle anderen Klubs auch zurück auf den Platz. Doch es muss auch Sinn machen – ohne die Sorge, vielleicht wegen eines Corona-Falls mit einem kompletten Team in Quarantäne zu müssen“, sagt Tripp.