Sport und Corona : Coronavirus: Vereine haben Verständnis für die Entscheidung der Verbände

Viele Klubs stellen auch den Trainingsbetrieb erst einmal ein. „Alles andere wäre verantwortungslos“, sagt Klaus Seipold von WRW Kleve.

Eigentlich könnte WRW Kleve ja einen Haken an die Tischtennis-Saison 2019/2020 machen, die jetzt erst einmal unterbrochen wird. Schließlich hat der Verein sein großes Ziel bereits erreicht. Die erste Damen-Mannschaft steht seit dem vergangenen Sonntag als Meister in der Regionalliga und Aufsteiger in die Dritte Bundesliga fest. Aber ein wenig treibt die Verantwortlichen dann doch die Sorge um, dass die Saison vom Verband vielleicht annulliert werden könnte, wenn in absehbarer Zeit nicht mehr aufgeschlagen werden kann – und der Aufstieg somit hinfällig wäre. „Das wäre der allerschlimmste Fall, der für uns eintreffen könnte. Doch wir wollen einmal hoffen, dass es nicht so weit kommt“, sagt Klaus Seipold, Teammanager der WRW-Damen.

Er hält die Entscheidung der Verbände, den Sportbetrieb jetzt ruhen zu lassen und damit einen Teil dazu beizutragen, dass sich das Coronavirus nicht so schnell ausbreiten kann, für richtig. „Das war das Einzige, was man in der derzeitigen Situation machen konnte. Der Sport hat schließlich auch eine gesamtgesellschaftliche Verantwortung. Und man darf nicht vergessen, dass wir uns im Tischtennis selbst in der Regionalliga noch im Amateurbereich bewegen“, sagt Seipold. WRW Kleve hat beschlossen, auch den Trainingsbetrieb bis auf Weiteres einzustellen. „Alles andere wäre verantwortungslos, wenn man bedenkt, dass bei uns zum Beispiel in der Regel bis zu 40 Kinder am Nachwuchstraining teilnehmen. Und sie können sich ja schließlich nicht nach jedem Ballwechsel die Hände desinfizieren“, so Klaus Seipold.

Klaus Seipold (WRW): „Der Sport hat auch eine gesamtgesellschaftliche Verantwortung.“ Foto: Markus van Offern (mvo)

Auch die höherklassigen Fußball-Teams der Region setzen erst einmal mit dem Training aus. Beim 1. FC Kleve wurde der Übungsbetrieb ab sofort für alle Mannschaften eingestellt. In den nächsten Tagen soll darüber beraten werden, wie es nicht nur bei den Fußballern des Klubs weitergeht. Vorstandsmitglied Hans Noy begrüßt die Entscheidung des Verbandes, den Fußball erst einmal zu stoppen. „Denn man muss sich einmal davon lösen, zu glauben, dass unser Sport der Nabel der Welt ist. Es werden durch das Virus ganz andere Probleme auf uns zukommen als die, ob eine Fußball-Saison nun beendet werden kann oder nicht“, sagt Noy.

Die Landesligisten SGE Bedburg-Hau und SV Hönnepel-Niedermörmter trainieren vorerst auch nicht. „Ich vertraue der Meinung der Experten, dass es besser ist, jetzt mit dem Sport auszusetzen. Wir werden von Woche zu Woche entscheiden, wann es wieder Sinn macht, ins Training einzusteigen“, sagte SGE-Coach Sebastian Kaul. Klaus Schützek, Trainer der SV Hö.-Nie., verzichtet mit seiner Mannschaft erst einmal bis zum 24. März auf die Übungseinheiten. „Es ist richtig, den Spielbetrieb vorerst ruhen zu lassen“, sagt Schützek. Er würde mit seinem Personal vor herausfordernden Wochen stehen, wenn die Saison denn zu Ende gespielt werden sollte. Schließlich ist der Viertletzte ohnehin schon mit drei Nachholspielen in Rückstand.

Bezirksligist Viktoria Goch legt zunächst eine einwöchige Trainingspause ein. „Dann sehen wir weiter. Wir werden von Woche zu Woche entscheiden, wie wir vorgehen“, sagt Coach Daniel Beine. Er bezeichnet die Entscheidung des Verbandes ebenfalls als richtig, alle Partien abzusetzen. „Wir würden natürlich alle gerne weiter Fußball spielen. Doch das Risiko ist einfach zu groß. Deshalb muss man Vernunft walten lassen.“

Daniel Beine (Viktoria Goch): „Das Risiko ist einfach zu groß. Deshalb muss man Vernunft walten lassen.“ Foto: Markus van Offern (mvo)

Während die Fußballer noch die Hoffnung haben, dass die Saison irgendwann fortgesetzt werden kann, stellen sich die Volleyballer darauf ein, dass die Spielzeit für sie gelaufen sein könnte. Zwar hat der Westdeutsche Volleyball-Verband den Spielbetrieb erst einmal nur auf Weiteres ausgesetzt. „Doch in der Zweiten und Dritten Bundesliga wurde die Saison schon für beendet erklärt. Deshalb gehe ich nicht davon aus, dass in den Klassen darunter noch einmal gespielt wird“, sagte Stephan Reinders, Kapitän des Verbandsligisten SV Bedburg-Hau. Die große Frage ist für ihn nun, wie in der Auf- und Abstiegsfrage entschieden wird. Zumal es für ihn und seine Teamkollegen in den letzten drei Saisonspielen noch darum gegangen wäre, die Abstiegsrelegation zu vermeiden.

Auch die Basketballer haben Verständnis für die Entscheidung ihres Verbandes. „Das ist vernünftig angesichts der Unsicherheit, die vorherrscht“, sagt Ralf Daute, Trainer des Herren-Landesligisten VfL Merkur Kleve. Er hofft noch, dass die Saison beendet wird, auch wenn derzeit nicht trainiert werden kann. „Wenn man in diesem Jahr auf die Pokalwettbewerbe auf Kreisebene verzichtet, die sich in der Regel an die Meisterschaftsspiele anschließen, wäre das zeitlich noch möglich.“

Heiner Eling, Spielertrainer des TV Goch, der in der Landesliga kurz vor dem Titelgewinn steht, hält es für richtig, die Saison zum jetzigen Zeitpunkt zu stoppen. „Ich bin ein begeisterter Basketballer. Aber ich habe alles Verständnis dafür, dass in der momentanen Situation auf alles verzichtet wird, was nicht unbedingt nötig ist“, sagt Eling. Die Basketball-Abteilung des TV Goch wird den Trainingsbetrieb ebenfalls ruhen lassen, bis entschieden ist, wie es weitergeht.