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Corona: Tennisvereine im Kreis Kleve fürchten um ihre Zukunft

Viel Ungewissheit für die Klubs : Tennisvereine haben Zukunftsängste

Viele Platzanlagen im Kreis Kleve sind längst aufbereitet. Doch wegen des Coronavirus darf nicht gespielt werden. Frühestens am 9. Juni soll die Medensaison anlaufen. Erste Klubs fürchten bereits einen Mitgliederschwund.

Für das Gros der Tennisspieler dreht sich der Sportbetrieb um die Sommersaison. Nur dann wird auf den Außenanlagen gespielt. So auch im Kreis Kleve. In diesen Wochen würden die Vertreter des weißen Sports die Hallen eigentlich verlassen. Doch in Corona-Zeiten ist alles anders. Die Tennishallen sind dicht, auf den Außenanlagen herrscht gleichermaßen gespenstische Tristesse.

„Als leidenschaftlicher Medenspieler fehlt mir gerade natürlich mächtig was“, sagt Carsten Brammen, Vorsitzender des TC Grün-Weiß Reichswalde. Die Medenspiele hat der Tennis-Verband Niederrhein (TVN) vorerst ausgesetzt, am 9. Juni könnten diese wieder anlaufen – frühestens. Den Vereinsverantwortlichen bereitet das Sorgen. Auch die meisten Tennislehrer, in der Regel als Selbstständige in den Klubs aktiv, plagen sich in diesen Tagen mit Existenzängsten herum. An ein Training ist aktuell nicht zu denken.

„Unsere Plätze sind fertig, auch die Netze sind schon drauf. Man könnte im Prinzip bei uns spielen. Nur sind die Plätze natürlich gesperrt“, sagt Gerd Thyssen, Vorsitzender des TC Rot-Weiß Goch. Er fürchte sich davor, dass Mitglieder die Vereinszugehörigkeit kündigen könnten, da aktuell kein Spielbetrieb möglich ist. „Dann könnte es für einige Vereine sehr eng werden“, sagt Thyssen. Immerhin laufen die fixen Kosten weiter, etwa für die Beschäftigung eines Platzwartes. Zudem sei sich Thyssen nicht sicher, ob in diesem Jahr überhaupt noch draußen gespielt werden könne. „Wir hoffen das natürlich alle, aber wer weiß es schon? Allerdings muss man auch sehen, dass es in unserem Sport zu nicht allzu viel direktem Kontakt kommt. Meistens steht man nur zu zweit, manchmal auch zu viert auf dem Platz“, sagt der Vereins-Chef.

Finanziell schmerzhaft sei die Situation auch deshalb, da der TC Rot-Weiß Goch seit dem vergangenen Jahr wieder ein bewirtschaftetes Klubhaus hat – eine Seltenheit im Kreisgebiet. „Für unseren Wirt ist diese Zeit natürlich schäbig“, sagt Thyssen.

Auch beim TC Grün-Weiß Geldern wären die Ascheplätze bereit für die Sommersaison. Einzig die Netze fehlen noch. „Die haben wir noch nicht angebracht, damit niemand auf die Idee kommt, trotz des Verbots zu spielen“, sagt Vereinsvorsitzender Günter Grofe. Dass in diesem Sommer womöglich gar nicht mehr gespielt werden könnte, hält er für unwahrscheinlich. Doch auch Grofe beschäftige sich mit der Frage, ob Mitglieder den Verein aufgrund der aktuellen Misere verlassen könnten. „Bisher ist allerdings niemand an unser herangetreten, der aufgrund dessen austreten will“, sagt er. Zudem sei man mit einer konstanten Mitgliederzahl von 400 seit Jahren solide aufgestellt – auch finanziell.

Zuversicht behält auch Marcel Waldmann in Zeiten der Corona-Krise. Der Jugendwart des TC 80 Sevelen geht davon aus, dass der Spielbetrieb nach den Osterferien womöglich langsam wieder anlaufen könnte. „Wenn, was das Virus betrifft, in den nächsten zwei Wochen keine Besserung eintritt, werden wir uns allerdings Gedanken machen“, sagt Waldmann.

Beim TC Grün-Weiß Reichswalde hätte der letzte Feinschliff bei der Aufbereitung der Anlage am Samstag vor zwei Wochen durch Eigeneinsatz der Mitglieder erfolgen sollen. Die Platzaktion wurde jedoch abgesagt. „Natürlich haben wir auch die Sorge, dass Mitglieder den Verein verlassen oder anteilige Rückerstattung des Beitrags fordern“, sagt Vorsitzender Carsten Brammen. Dennoch gehe er davon aus, dass die Mitglieder solidarisch seien. Und zwar unabhängig davon, wie lange der Spielbetrieb noch ruht. Gewissermaßen könne man mit Blick auf das Vereinshaus vergleichsweise sorglos sein. Immerhin müsse niemand von dessen Bewirtschaftung leben, um sie kümmern sich die Aktiven selbst.

Anders ist die Situation beim TC Rotweiss Emmerich. Dort führt Sophie Bossmann seit der vergangenen Saison das Klubheim. „Wir wollen gerne auf Jahre mit ihr zusammenarbeiten“, sagt Vereinsvorsitzender Gregor Langen. Doch aufgrund der Corona-Krise sei es aktuell kaum möglich, allzu weit in die Zukunft zu blicken. „Für viele Vereine kann es bald wegen der Corona-Krise schlecht aussehen“, sagt Langen. Schließlich seien die laufenden Kosten unverändert hoch.

„Ich kann nur an alle Mitglieder appellieren, nun nicht auf die Idee zu kommen, den Verein zu verlassen“, sagt er weiter. Langen selbst habe bereits die Idee entwickelt, als Ausgleich für die lange Unterbrechung des Spielbetriebs womöglich ein großes Fest für die Mitglieder auszurichten. „Ich gehe schon davon aus, dass der Spielbetrieb im Spätsommer wieder anlaufen kann“, sagt Langen.