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Christine Terweiden aus Goch ist Triathlon-Europameisterin

Ironman in Roth : Christine Terweiden ist Europameisterin

Die Triathletin des TV Goch sichert sich den Titel in der Altersklasse 40 bis 44 Jahre. Die Vorbereitung nicht optimal, weil lange nur eingeschränkt trainiert werden konnte.

Kaum Zuschauer, wenig Vorbereitung und viel Ungewissheit – der Ironman in Roth fand in diesem Jahr unter besonderen Corona-Bedingungen statt. Der Turnverein Goch war mit vier Triathleten bei den Senioren dabei. Michael Nieten, Ludger Heutgens, Birgit Wellmanns und Christine Terweiden vertraten die Klubfarben im bayrischen Mittelfranken. 3,8 Kilometer Schwimmen, 180 Kilometer Radfahren und 42,195 Kilometer Laufen standen auf dem Programm des Quartetts, das sich 2019 in Hamburg für den Wettbewerb qualifiziert hatte. Und für Christine Terweiden gab es Gold.

Die Stadt Roth war zum dritten Mal Schauplatz einer Europameisterschaft. Bereits 1987 und 2012 wurden die kontinentalen Titel dort vergeben. „Lange Zeit war in diesem Jahr für uns völlig unklar, ob der Wettbewerb überhaupt ausgetragen werden kann. Wir selbst konnten sieben Monate lang nicht schwimmen, außerdem kaum gemeinsam trainieren. Das war für mich ganz besonders schade, da ich normalerweise sehr gerne trainiere“, sagt Christine Terweiden. Ende Juni nahm sie bereits an der Challenge Kaiserwinkl-Walchsee (1,9 Kilometer Schwimmen, 90 Kilometer Radfahren und 21,1 Kilometer Laufen) im österreichischen Tirol teil – und landete mit einer Zeit von 5:09:41 Stunden auf einem respektablen elften Platz.

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In Roth wartete dann aber nicht die Mittel-, sondern die Ironman-distanz. „Jeder Triathlet hat das Ziel vor Augen, einmal über die Langdistanz in Roth zu starten. Wir waren unglaublich glücklich, als sicher war, dass die Veranstaltung stattfinden wird. Das zeigt, dass wir langsam zur Normalität zurückkehren“, sagt Terweiden. Und die Athleten aus der Weberstadt konnten beweisen, dass sich das einsame Training über Monate hinweg gelohnt hatte.

Zwar konnten im Vorfeld deutlich weniger Schwimmkilometer absolviert werden, dafür setzte das Quartett verstärkt auf Stabilisations-, Kraft-, Rad- und Lauftraining. „Das hat geholfen. Aber die Trainingszeiten im Wasser können so natürlich nicht ersetzt werden. Daher hatte ich im Vorfeld schon damit gerechnet, deutlich langsamer zu schwimmen als sonst. So kam es dann auch“, sagt Christine Terweiden. Und das, obwohl der TV Goch mit den Triathleten vergleichsweise früh wieder im Kombibad GochNess loslegen durfte.

Hintergrund war eine Sonderregelung, die der Klub mit der Badleitung getroffen hatte. So konnte ein Hygienekonzept erstellt werden, das es dem TV Goch schnellstmöglich nach Lockerung der Corona-Maßnahmen ermöglichte, wieder regelmäßigen Trainingsbetrieb im Bad aufzunehmen. Ob Christine Terweiden in Roth ins Rennen um die vorderen Plätze einsteigen könnte, war trotzdem völlig unklar.

„Man weiß ja nie, wer so vor Ort ist und wer in welcher Form anreist. Durch Corona ist das alles noch ein wenig unsicherer geworden. Außerdem wusste man unterwegs überhaupt nicht, auf welchem Platz man gerade liegt. Ansonsten ruft mein Freund mir das zwischendurch auf der Strecke zu“, sagt Terweiden, die seit mehr als zehn Jahren beim TV Goch aktiv ist und auch den Vereinsnachwuchs betreut. Da die Starter versetzt ins Rennen gegangen waren, um Menschenansammlungen tunlichst zu vermeiden, hatten die Sportler den Überblick übers Teilnehmerfeld gänzlich verloren.

Nach 10:45:59 Stunden lief Christine Terweiden entkräftet ins Ziel ein. Fürs Schwimmen hatte sie 1:15:54 Stunden benötigt, fürs Laufen 3:50:50 Stunden und fürs Radfahren 5:29:51 Stunden. „Ich hatte beim Zieleinlauf schon ein gutes Gefühl, ich war zufrieden“, sagt sie. Und tatsächlich: Vor Cecile Charrier (11:10:13) aus Frankreich und Julie Sandra Stolarikova (11:22:17) aus Tschechien setzte sich die Gocherin in der Altersklasse 40 bis 44 Jahre der Frauen durch. „Ich bin sehr stolz auf diesen Titel. Es war mein erster Sieg bei den Europameisterschaften“, sagt Christine Terweiden, die in der Vergangenheit bereits den Vize-Titel bei den Deutschen Meisterschaften errungen hatte.

Nun hoffen die Europameisterin und ihre Klubkollegen, dass endgültig wieder Normalität im Triathlon-Sport einkehrt. Schließlich hat es in diesem Jahr – mit der Ausnahme des Sparkassen-Triathlons in Wesel – keinen Wettbewerb in der Region gegeben. Auch der Niederrhein-Triathlon am Wisseler See in Kalkar und der GochNess-Triathlon in Kessel fielen der Pandemie zum Opfer. Zwischenzeitlich schafften virtuelle Wettbewerbe Abhilfe. „Hoffentlich geht es im nächsten Jahr dann wieder so richtig los“, sagt Christine Terweiden.