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Christian Wurring war ein Angreifer mit Torgarantie

Fußball-Größen im Kreis Kleve : Christian Wurring - ein Angreifer mit Torgarantie

Der 51-Jährige blickt auf eine erfolgreiche Laufbahn zurück. Er spielte unter anderem für den VfB Rheingold Emmerich, den Sportclub Kleve und Viktoria Goch. Sein Herzensverein ist Siegfried Materborn geworden.

Es gibt Fähigkeiten im Leben eines Fußballers, die man kaum erlernen kann. Sie sind einem Kicker in die Wiege gelegt – oder eben nicht. So verhält es sich auch mit dem Torinstinkt, meint zumindest Christian „Kiki“ Wurring. Jahrzehntelang war der heute 51-jährige Familienvater einer der erfolgreichsten Angreifer im Kreis Kleve. „Wenn der Ball in den Strafraum kam, war ich automatisch da. Das lag in meiner DNA“, sagt Wurring.

Seine fußballerische Laufbahn begann Wurring bei Eintracht Emmerich. In der B-Jugend wechselte er zum VfB Rheingold Emmerich, wo er auch den Sprung in die Senioren-Mannschaft schaffte. Im Jahr 1994 wechselte er die Rheinseite — und kickte fortan beim damaligen Landesligisten Sportclub Kleve. Am Bresserberg erlebte Wurring seine sportlichen Glanzzeiten. Kaum ein Wochenende verging, an dem die Rheinische Post nicht titelte: „Wurring schießt seine Elf zum Sieg“, „Kiki schlägt wieder zu“ oder „Wurring unaufhaltsam“. Der Angreifer schien auf dem Rasen mit Torgarantie unterwegs zu sein.

  • Hans-Jürgen Kraayvanger

RP-Archivfoto: thh
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„Ich hatte das Glück, dass ich vor dem Tor eigentlich nie nervös wurde, sondern einfach versenkte. Ich war der klassische Wühler vor dem Tor“, sagt Wurring. Und dennoch: Der immer wieder anvisierte Aufstieg in die Verbandsliga blieb Christian „Kiki“ Wurring mit den Blau-Weißen verwehrt. „Wir wollten oft in die Verbandsliga, haben es aber nie geschafft“, sagt er. Schließlich hätten wichtige Spieler den Verein, der 2000 mit dem VfB Lohengrin 03 Kleve zum heutigen Oberliga-Klub 1. FC Kleve fusionierte, immer wieder in entscheidenden Momenten verlassen.

Im Jahr 2000 habe die Chemie mit den Verantwortlichen des SC Kleve dann nicht mehr gestimmt. So wechselte er zu Viktoria Goch in die Fußball-Landesliga. Es folgten fünf erfolgreiche Jahre. Unter Trainer Toni Burghardt stieg er erst mit der Viktoria in die Verbandsliga auf. „Da hatten wir eine richtig gute Truppe beisammen“, erinnert sich der Stürmer mit der Brille. Zwar steuerte Wurring einige Tore zum Aufstieg bei. Über weite Strecken der Saison aber war er kein Stammspieler.

Deshalb folgte er den Lockrufen des SV Siegfried Materborn. Dort stellte sich Udo Kempkens gerade ein neues Team zusammen. „Schon in der Kreisliga B hatten wir eine Mannschaft, die locker in der Landesliga hätte mitspielen können“, sagt Wurring. Souverän wurden die Kreisligen B und A sowie die Bezirksliga durchschritten, jedes Jahr mit neuen Leuten. Christian Wurring blieb, arbeitete fürs Team und schoss am laufenden Band Tore. Mit feiner Technik brillierte er selten, dafür aber mit bemerkenswerter Disziplin und Fleiß. Wurring stellte sich immer in den Dienst der Mannschaft, von der er im Gegenzug genaue Flanken ins Zentrum erwartete. Durch einen Kraftakt erreichte er mit Materborn in den Relegationsspielen gegen Remscheid und Hilden 2005 sogar noch die Verbandsliga. Wurring aber wurde zunehmend die Rolle des Edeljokers zuteil. „Das schmeckte mir natürlich nicht besonders. Das war ich auch nicht gewohnt“, sagt er.

So beendete Christian Wurring 2006 seine Laufbahn als Fußballspieler – und wechselte in die Rolle des Übungsleiters. „Ich habe immer wahnsinnig gerne mit jungen Leuten, jungen Talenten zusammengearbeitet“, sagt Wurring, der erst den SV Materborn II, später den SV Bedburg-Hau als Trainer betreute. 2008 wurde er kurzzeitig Übungsleiter der Bezirksliga-Mannschaft von Siegfried Materborn – an der Seite von Helmut Jaspers. Immer wieder sprang Wurring für die Schwarz-Gelben auch noch als Spieler ein.

„Mit meiner Erfahrung und meiner Abgezocktheit konnte ich die abnehmende Schnelligkeit sehr gut kompensieren“, sagt er. Gleich mehrfach zeichnete er auch für die sportliche Entwicklung von Jugend-Mannschaften verantwortlich. „Wenn Siegfried Materborn mich braucht, dann bin ich da. Der Klub ist mein Herzensverein geworden“, sagt Wurring, der wie seine beiden Söhne beim Emmericher Süßwarenhersteller Katjes arbeitet.

Mittlerweile ist er nicht mehr in offizieller Funktion aktiv, stattdessen ist er unverändert Fan der Schwarz-Gelben. Und das in doppeltem Sinne: Nicht nur dem SV Siegfried Materborn, sondern auch der Borussia aus Dortmund drückt der Familienvater die Daumen. Seit dem Ende der aktiven Karriere hat Wurring auch genügend Zeit, in die illustre Sammlung von Zeitungsartikeln zu blättern, die die Lokalpresse über den Angreifer verfasst hat. „Meine Frau hat alle Artikel und Fotos über mich gesammelt. Da sind ganze Kisten zusammengekommen“, sagt er.

Außerdem ist Wurring ein wichtiger Ratgeber für seine Söhne Glenn (22 Jahre) und Miguel (18), die beide ebenfalls fußballerisch aktiv sind. Der Jüngste schaffte nun den Sprung vom B-Ligisten Siegfried Materborn zum Landesligisten SGE Bedburg-Hau. „Der Junge ist spielerisch heute schon besser als ich früher. Er kann alle Positionen spielen, ist beidfüßig und technisch unglaublich stark. Außerdem beherrscht er den tödlichen Pass“, sagt Christian Wurring über seinen Nachwuchs.

Der Vater habe seinem Sohn unbedingt dazu geraten, den Schritt zum Fusionsklub zu wagen. Eine solche Chance dürfe man sich nicht entgehen lassen. „Ich hatte vor Jahrzehnten ein richtig gutes Angebot von den Sportfreunden Hamborn. Dort hätte ich mich in der Dritten Liga beweisen können“, sagt Wurring. Doch der gebürtige Emmericher schlug das lukrative Angebot aus. Schließlich sei er ein heimatverbundener Mensch.

Seine Heimat fand er an der Materborner Allee. Wurring schließt nicht kategorisch aus, dass mit Siegfried Materborn künftig noch einmal der ganz große Wurf möglich wäre. „Man muss die Entwicklung abwarten. Aber da kommen in der Jugend mehrere vielversprechende Talente nach, die dafür sorgen können, dass Siegfried in einigen Jahren wieder höher spielt“, sagt er.