Lokalsport: Bodenständig in Richtung Profi-Geschäft

Lokalsport : Bodenständig in Richtung Profi-Geschäft

Marcel Zalewski (28) aus Weeze gehört seit diesem Jahr zu den stolzen Besitzern der A-Lizenz für Fußball-Trainer. Mit harter Arbeit und viel Leidenschaft hat er eine Hürde genommen, die nur wenige Altersgenossen überspringen.

Als Marcel Zalewski im Sommer eine Urkunde in die Hand gedrückt bekam, überwogen Freude, Erleichterung und Stolz. Ein solches Dokument ist in der Regel eine simple Anerkennung für erbrachte Leistungen in Papierform. Doch Zalewskis Urkunde ist etwas Besonderes. Der bodenständige Weezer ist stolzer Besitzer der A-Lizenz für Fußball-Trainer - dahinter verbirgt sich der zweithöchste Trainerschein im deutschen Fußball. "Das ist ein wirklich schönes Gefühl. Da wird einem bewusst, dass sich die ganze investierte Arbeit gelohnt hat", sagt er.

Und die Besonderheit geht noch über die Urkunde hinaus. Denn viele Trainer unter 30 Jahren mit einer A-Lizenz gibt es nicht. Als Zalewski im Jahr 2008 an der Sporthochschule Köln ein Bachelor-Studium zum Sportwissenschaftler begann, reifte mit den Jahren auch die Idee, einen hohen Trainerschein zu machen. Und dafür musste der Weezer die Uni noch nicht einmal verlassen. "Neben dem herkömmlichen Studium bietet die Sporthochschule Kurse und Lehrgänge für verschiedene Trainerscheine an. Und da ich mich auf Fußball spezialisiert hatte, nahm ich mir vor, nebenbei die C-Lizenz zu erwerben", erzählt Zalewski. Obwohl der Weezer schon zuvor als Spieler in mehreren Vereinen aktiv war, wurde ihm erst im Studium und den Lehrgängen bewusst, wie Fußball wirklich funktioniert. "Ich war vorher eher ein Aufgabenspieler und habe das umgesetzt, was die Trainer verlangt haben." Mit der Zeit kam Zalewski auf den Geschmack und entschied sich, auch die nächsten Hürden zu nehmen. Und da er während seines Studiums die immer weiter steigenden Anforderungen bei weitem übertroffen hatte, gestand man dem 28-Jährigen zu, den B-Lizenz-Schein zu überspringen und sich direkt an der A-Lizenz zu versuchen. "Und wenn ich etwas in Angriff nehme, dann nur mit vollem Elan und mit 100 Prozent Einsatz."

Das zahlte sich aus. Anfang Mai war es dann soweit. Das zuvor Erlernte musste der Weezer während eines zweitägigen Lehrgangs im DFB-Stützpunkt Bad Honnef unter Beweis stellen. Dazu gehörten ein Theorieteil mit einer Analyse von Spielzügen, eine schriftliche Prüfung über das Flügelspiel sowie eine Praxiseinheit, in der Zalewski auf dem Grün zeigen sollte, wie er als Trainer agiert. "Die A-Lizenz-Prüfung besteht hauptsächlich aus wettkampfnahen, taktischen Elementen", erklärt er. Erste Praxisübungen konnte Zalewski zuvor schon als Trainer der C-Junioren des TSV Weeze machen, die er ab 2011 als Chefcoach betreute. Seit der Saison 2012/2013 trainiert er die Weezer A-Jugend. Sein Wissen wendete der Fußball-Begeisterte direkt erfolgreich an - nur knapp scheiterten die A-Junioren in der Vorsaison in der Relegation um den Aufstieg in die Niederrheinliga. Ohne Leidenschaft für den Sport wäre all das, was der Weezer bisher geschafft hat, nur schwer erreichbar gewesen.

"Ich bin von klein auf sportbegeistert. Das alles habe ich von meinem Vater mitbekommen, der meine Geschwister und mich früh an viele Sportarten herangeführt hat. Ich bin zwar letztendlich beim Fußball hängengeblieben, kann aber viele Inhalte anderer Sportarten in den alltäglichen Übungseinheiten anwenden", sagt der Trainer. "Mir ist es wichtig, immer über den Tellerrand zu schauen."

Besonders wichtig sei es, sich als Trainer eigene Fehler einzugestehen und den Spielern zwar als Autorität zu dienen, ihnen ihre Kreativität aber nicht zu nehmen. "Die Spieler selbst müssen auf dem Platz schnelle und eigene Entscheidungen treffen. Das ist ja die Faszination, die Fußball ausmacht. Die Sportart ist komplex und sehr situativ."

All das verbindet Zalewski zu einer Devise - die er übrigens von seinem Vater übernommen hat: "Fußball ist zwar sehr hierarchisch orientiert, allerdings sollte auch eine gewisse Demokratie existieren." Auch wenn Zalewski in den vergangenen Jahren viele Erfahrungen gemacht hat, sieht er sich immer noch in einem Lernprozess. Und auch er selbst sei dadurch gereift. "All das, was ich gelernt habe, hat mich auch als Person weitergebracht."

Wie weit die Trainerreise in Zukunft gehen soll, und vor allem wann diese gestartet wird, stehe noch in den Sternen. "Natürlich ist es mein Traum, im Profibereich zu arbeiten. Ich könnte mir aber auch vorstellen, irgendwann ein Amateurteam. Ich gehe locker an die Sache heran." Mit der A-Lizenz hat der Weezer die Möglichkeit, einen Regionalligisten zu trainieren oder bei höherklassigen Vereinen im Trainerstab mitzuwirken. Aber nur mit dem höchsten Trainerschein als Fußballlehrer wäre er berechtigt, einen Klub in der Dritten Liga oder in den beiden Bundesligen als Chefcoach zu trainieren. Das steht momentan jedoch überhaupt nicht auf der Zalewski-Agenda. Egal, was aus dem Weezer als Trainer wird, der Lernprozess geht immer weiter: "Selbst ein Toptrainer hat nie so wirklich ausgelernt."

(RP)
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