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Beim VfL Merkur Kleve ist wieder Leben auf der Anlage

Besuch beim VfL Merkur Kleve : Beim VfL ist wieder Leben auf der Anlage

Nach langer Corona-Pause sind beim VfL Merkur Kleve die Footballer, Leichtathleten und Tennisspieler wieder aktiv. Jetzt hatte der Verein die Gruppe „Tour de Natur“ an der Flutstraße zu Gast. Der Besuch freute VfL-Chef Helmut Tripp.

Die Männer und Frauen der Naturschutzbewegung „Tour de Natur“ fallen auf, so viel steht fest. Und das nicht nur wegen ihrer Fahnen an den Fahrrädern, die auf den Kampf gegen Autobahnen oder Atomkraft aufmerksam machen. Die Radsportler sind barfuß unterwegs, essen vegan und entscheiden immer basisdemokratisch – sogar über das Fotomotiv für diese Redaktion. „Wir leben eine Utopie. Wir sind eine große Gruppe ohne Chef, ohne Hierarchien“, sagt Wolfgang Schuch.

Er ist einer der Veranstalter der aktuellen Radtour, die von Münster bis nach Jüchen führt. Der Start war am 24. Juli, die rund 100 Teilnehmer fordern „Vorfahrt für Klimaschutz!“ auf ihrem Weg ins rheinische Braunkohlerevier. Es ist bereits die 30. Tour in der Historie der grünen Öko-Bewegung. Entstanden ist die Initiative 1991 aus dem Widerstand gegen die Thüringer-Wald-Autobahn, die nichtsdestotrotz gebaut worden ist. Seitdem geht es immer in den Sommerferien mit dem Rad durch die Republik, nur im Corona-Jahr 2020 pausierten die Aktiven.

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Durch ihre Touren wollen sie landesweit auf nachhaltige Verkehrspolitik, den Atom- und Kohleausstieg, grüne Landwirtschaft und die Energiewende aufmerksam machen. Das Thema Autobahnen treibt Wolfgang Schuch, der von allen nur „Wolli“ genannt wird, weil Nachnamen eigenen Angaben zu Folge nicht von Relevanz seien, aber noch immer um. „Eine Autobahn im ländlichen Raum schafft keine Arbeitsplätze, eher im Gegenteil. Studien belegen das. Dieser Fakt muss endlich verstanden werden“, sagt der überzeugte Anarchist.

Unterwegs übernachten die Radfahrer meist in Turnhallen oder in Zelten. So fragten sie vor Monaten auch bei Helmut Tripp an, dem Vorsitzenden des VfL Merkur Kleve. „Ich habe sofort zugesagt. Es ist doch klasse, wenn nach den Corona-Monaten wieder Leben auf der Anlage ist. Außerdem ist die Gruppe sportlich aktiv, also passt das doch“, sagt er. Ohnehin geht es langsam wieder bunter zu an der Flutstraße. Auf der Anlage wird wieder American Football gespielt, auch die Tennissportler und Leichtathleten haben losgelegt.

„Wir haben es allen Übungsleitern freigestellt, ob sie schon in den Sommerferien aktiv werden wollen. Viele bieten bereits Stunden an“, sagt Helmut Tripp. Anfragen von Auswärtigen stünde man immer offen gegenüber, vor einigen Jahren hatten auch die Pfadfinder ein Gastspiel beim VfL Merkur. „Ich kann die Inhalte der Tour de Natur verstehen. Auch wir als Verein legen großen Wert auf soziale Aspekte. Bei uns wird niemand fallen- und niemand alleingelassen. Daher passt dieser Aufenthalt gut“, sagt Helmut Tripp.

Im Rahmen des zweitägigen Intermezzos in der Kreisstadt machte die Tour de Natur Ausflüge in die nähere Umgebung, zuvorderst in Wälder, auch über die niederländische Grenze. Die Organisation funktioniert arbeitsteilig. Jeder muss im Rahmen seiner Möglichkeiten beim veganen Kochen, Putzen und Aufräumen mitanpacken. „Es gibt immer jemanden, der es macht. Und wenn etwas nicht gemacht wird, dann scheint es auch nicht so wichtig zu sein“, sagt Wolfgang Schuch.

Er sei stolz darauf, dass verschiedene Generationen an den Touren teilnehmen, kleine Kinder und Senioren. „Wir haben viele dabei, die schon seit 20 Jahren mitmachen. Eine Frau ist beispielsweise in den 90er-Jahren zum ersten Mal mitgefahren. Auch ihre Tochter ist nun dabei, die Ende 20 ist und auch schon wieder ihr Kind mitgebracht hat“, sagt Schuch, der in Hessen als Radverkehrsplaner für die Landesverwaltung tätig ist und seit Jahren in einem alternativen Wohnprojekt in Marburg lebt. Auch die Finanzierung der Radtouren ist bemerkenswert: Die Kosten werden aufgeteilt, jeder zahlt nur so viel, wie er will. „Es gibt vielleicht Einzelne, die nur einen günstigen Urlaub wollen – aber was macht das schon?“ sagt Wolfgang Schuch, der seine Kinder mitgenommen hat.

Am Mittwochabend aber hatte es ein wenig gekracht unter den Mitgliedern. Die Gruppe diskutierte stundenlang darüber, ob es mit Blick auf die hohen Inzidenzen im Nachbarland vertretbar ist, einen Ausflug gen Nimwegen zu machen. „Da kann es auch schon einmal laut zugehen, aber das gehört dazu“, sagt Wolfgang Schuch. Das Ergebnis der Debatte: All jene, die in die Studentenstadt fahren wollten, mussten ihre Reise unabhängig von der Tour de Natur fortführen. So hart kann Basisdemokratie sein.