Beim 28. Klever Citylauf gingen 915 Sportler an den Start

Leichtathletik : Citylauf: Sportvolksfest zieht 915 Athleten an

Bei der 28. Auflage des Klever Citylaufs gewinnt Rachid Soufi nach 32:50 Minuten über die zehn Kilometer. Der Tunesier im Dress des TSV Bayer Leverkusen sorgt bei Veranstalter und Leichtathletiklegende Gerd Mölders allerdings für mächtig Irritation.

Bei kaum einen Volkslauf der Region gehen Zuschauer und Sportler eine so enge Verbindung ein wie beim Citylauf. „Das Ambiente ist atemberaubend, wenn man von den hunderten Zuschauern am Seitenrand getragen wird und immer mit einem Auge auf die Schwanenburg schielt“, sagt Leichtathletik-Legende und Mitveranstalter Gerd Mölders. Und tatsächlich: In den engen Gassen rund um den Elsa-Brunnen drängen sich die Zuschauer dicht an dicht. Die 28. Auflage der Sportveranstaltung in der Klever Innenstadt bestätigte die Teilnehmerzahlen der vergangenen Jahre: 915 Athleten gingen an den Start. „Darauf können wir stolz sein“, sagt Mölders weiter.

Im Vorfeld des Citylaufs hatten er und seine Kollegen des LV Marathon angekündigt, einen Lauf für „jedermann“ ausrichten zu wollen. Auch das scheint gelungen: Vom Spitzensportler bis zum Laufsportanfänger quälte sich jeder die Große Straße hoch. Spannend dabei: die ganz unterschiedliche Ausrüstung der Sportler. Viele Teilnehmer starteten mit Kopfhörern im Ohr, andere mit Smartphones in der Hosentasche, mit kurzen Sport- oder langen Jeanshosen. Auch Teilnehmer mit Hüten, auf Sandalen und mit Wasserflaschen in der Hand wurden gesichtet. Als Hauptlauf hatte der LV Marathon den Zehn-Kilometer-Lauf beworben, 71 Teilnehmer gingen bei diesem an den Start. Schon auf den ersten Metern aber stand der Sieger fest: Der Tunesier Rachid Soufi eilte seiner Konkurrenz gleich davon und lief durchweg mit komfortablem Vorsprung vorneweg. Nach 32:50 Minuten rannte er ins Ziel ein. Ihm folgten Uwe Jonkmanns vom TSV Weeze (34:47) und Alexandra Krämer vom TVRA Remscheid Sued (37:51). „Der Lauf war für mich ganz gut. Eine Steigung wie hier ist immer schwierig zu laufen, aber ich konnte damit gut umgehen“, sagt der für den TSV Bayer Leverkusen startende Soufi. Allerdings, so erklärte er im Gespräch mit unserer Redaktion, hätte er noch deutlich schneller sein können. Gar eine Zeit von unter 30 Minuten sei möglich gewesen. „Ich habe gefragt, ob ich für einen neuen Streckenrekord extra Preisgeld bekommen kann. Das war aber nicht möglich“, sagt der 29-jährige Soufi. Die Konsequenz: Seine Ambition auf den ersten Platz blieb, die auf den Streckenrekord aber verflog.

Gerd Mölders bestätigt, dass er eine solche Anfrage bekommen habe. Diese aber sorgt bei ihm für Kopfschütteln: „Wie man auf eine solche Idee kommt, kann ich nicht nachvollziehen. Wie zahlen doch niemanden dafür, dass er hier einen Streckenrekord läuft. Er hatte uns auch gefragt, ob er das Startgeld denn zahlen müsse. Da haben wir gesagt: ´Ja aber natürlich´.“ Soufi solle sich Mölders zu Folge glücklich über das Preisgeld von 100 Euro schätzen. „Seine Zeit über die zehn Kilometer bin ich früher locker getrabt“, sagt der Olympiastarter von 1986. Doch Soufi hatte eine weitere Chance, sich zu präsentieren. Kurz nach seinem Sieg über die zehn Kilometer peilte er nämlich auch den Erfolg über 5000 Meter an. „Klar, ich will gewinnen“, sagte er im Vorfeld.

Daraus aber wurde nichts: Vom Start an kristallisierte sich ein Zweikampf zwischen ihm und dem Lokalmatador Luca Fröhling vom LV Marathon ab. Der Klever hielt Soufi jedoch über die gesamte Distanz auf Abstand und gewann den Lauf nach 15:00 Minuten. „Das war ein nahezu perfekter Lauf. Natürlich hatte ich vorher Rachid Soufis Zeit über die zehn Kilometer gesehen und dachte: ´Scheiße, das wird eng´. Aber wenn man die zehn Kilometer gelaufen ist, kann man einfach nicht mehr so fit sein“, sagt Fröhlich. Zudem habe ihm der Heimvorteil genutzt. „Ich kenne hier eben jeden Zentimeter und jede Kurve, das kann den Unterschied machen“, erklärt Fröhlich. Soufi lief nach 15:55 Minuten als Zweiter ins Ziel ein, Dritter wurde Armin Beus vom TriFUN Kleve mit einer Zeit von 16:10 Minuten. Schnellste Frau war Kerstin van Embden (18:49) vom Bunert Running Team Kleve.Ein weiterer emotionaler Höhepunkt war der Bambinilauf der jüngsten Nachwuchsathleten. Sie starteten auf Höhe der Marktstraße und legten 400 Meter gen Elsabrunnen zurück. „Das reist einfach mit, wenn man sieht, wie Mama, Papa, Opa, Oma und Geschwister die Kleinsten anfeuern“, sagt Moderator Laurenz Thissen. Die Nervösesten liefen zwar bei Mama und Papa an der Hand in Richtung Ziel. Und dennoch: Der Applaus des Publikums war ihnen sicher. Der Schnellste im Ziel war Max van Nahmen (1:18) vom SV Sonsbeck, gefolgt von Liano Mazuk (1:25) sowie Henry Baran (1:26) vom VfL Merkur Kleve.

Leverkusens Leichtathlet Rachid Soufi (im roten Trikot) lief über die Zehn-Kilometer-Strecke allen davon. Schlussendlich hatte er fast zwei Minuten Vorsprung. Foto: Evers, Gottfried (eve)

Die Teilnehmerzahlen, das Ambiente, die sportlichen Leistungen – alles passte. Und dennoch sorgte ein Thema für mächtig Gesprächsstoff:  ein möglicher Umzug des Citylaufs nach „unten“ und damit weg von der Klever Einkaufsmeile. „Die Händler treiben uns hier immer mehr raus. Für mich ist das ein Ding der Unmöglichkeit. Sie beschweren sich, dass sie so große Umsatzeinbuße hätten, da sie ihre Geschäfte wegen des Laufs früher schließen müssten“, sagt Mölders. Die Händler würden vorschlagen, den Lauf auch terminlich zu verschieben. Ihnen nach, so erklärt es Mölders, solle der Citylauf künftig sonntags stattfinden. „So geht das nicht. Erstens ist der Samstagstermin fest im Verbandskalender eingeplant, zudem findet sonntags das Radrennen am Tönnissen-Center statt“, sagt die Leichtathletik-Legende. Für ihn stünden die Vorschläge nicht zur Debatte. Schließlich würden ihn immer wieder begeisterte Klever darauf ansprechen, wie schön der Citylauf mitten in der Innenstadt sei. „Der Citylauf ist hier oben an der Schwanenburg perfekt“, sagt Luca Fröhlich.

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