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RP-Serie Ausprobiert: Balanceakt auf dem Pferderücken

RP-Serie Ausprobiert : Balanceakt auf dem Pferderücken

Zum Voltigieren braucht es mehr als ein ausgeglichenes Pferd und einen elastischen Trainingsanzug. RP-Mitarbeiter Jan Dobrick trainiert beim Verein für Voltigiersport Kleve und versucht seine Nerven in den Griff zu kriegen - mit Erfolg.

Halbwegs sattelfest bin ich eigentlich. Gibt beim Voltigieren aber keinen Sattel. Einen Gurt mit zwei Handgriffen und zwei Fußschlaufen für Turnübungen, den gibt es.

Aber solange ein simpler Schneidersitz nicht als akrobatische Übung durchgeht, bin ich aufgeschmissen. Dschingis Khan hat sein mongolisches Weltreich vom Rücken eines Pferdes aus erobert. Ich sitze auf dem Wallach und bin froh, wenn ich unfallfrei im Kreis reiten kann.

Wie ich auf das Pferd gekommen bin? Rückblende: Zum Voltigieren braucht es mehr als ein ausgeglichenes Pferd und einen elastischen Trainingsanzug. Handstand, Liegestütze, Sit-ups - zählt alles zum Aufwärmprogramm des Vereins für Voltigiersport (VVS) Kleve. Habe ich erst auch nicht geglaubt, mich dann geweigert. Jetzt liege ich bäuchlings im Hallensand des Falkenhofs in Reichswalde und quäle mich für den großen Auftritt.

Mit der Akrobatik starten wir auf einem Trainingsbock. "Um das Tier zu entlasten", erklärt Jugendwartin Nadine Evers. "Erst wenn die Übungen sitzen, geht's aufs Pferd." Die 30-Jährige betreut das siebenköpfige Junior-Team des VVS Kleve als Trainerin und Longenführerin. Der braune Wallach heißt "Beau", ist acht Jahre alt, Stockmaß 1,75 Meter, Holländer. "Das Pferd merkt sofort, wenn du nervös bist", verrät mir Rebecca Verlage, "also reiß dich zusammen".

 Jan Dobrick turnt auf dem Pferderücken, Ina Linssen sichert ab.
Jan Dobrick turnt auf dem Pferderücken, Ina Linssen sichert ab. Foto: Evers, Gottfried (eve)
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Die 17-Jährige muss es wissen: Deutsche Meisterschaften, Rheinische Meisterschaften, internationale Turniere. Rebecca Verlage war mit ihrem Team überall dabei. Ihr Team, das sind Charlott und Emma Klaßen, Lea Hendricks, Ina Linssen, Lorena Roelofsen, Vivien Kraemer, Longenführerin Nadine Evers - und Beau, den ich schon gefüttert habe. Dachte, das macht ihn müde und satt. Hat ihn aber nur zusätzlich motiviert.

Der Warmblüter gibt schon an der Longe Vollgas, während ich per Trampolin gegen, neben und schließlich auf den Trainingsbock springe. Ursprünglich war der Plan: Geschmeidig wie Winnetou aufsteigen, freundlich winken, elegant absteigen. Ich tauche dann doch senkrecht mit dem Kopf zuerst ab. Die Übungen sitzen noch nicht, trotzdem muss ich aufs Pferd. Brauche die Räuberleiter. Endlich oben. Erst die Nerven in den Griff kriegen, dann eine Balanceübung. Knien? Sicher nicht. Stehen? Auf keinen Fall. Weinen? Lieber heimlich.

Rebecca läuft neben Beau her und zieht sich hoch. Dann stützt sie mich. Ich richte mich auf, knallroter Kopf, weiche Knie. Panik bricht aus. Eigentlich unnötig: Das Pferd würde es nicht mal stören, wenn wir Stepptanzen würden. Quieke vor Angst, dann drücke ich die Knie durch. Ich stehe auf einem Pferd. Es schwankt, aber es funktioniert. "Schnell ein Foto, macht ein Foto, macht ein Foto." Bin plötzlich bereit, die Welt zu erobern. Im Stehen, im Schneidersitz, egal. Am liebsten so schnell wie möglich, denn ich weiß nicht, wie lange ich mich noch oben halten kann . . .

(RP)