Lokalsport: Aikido – ein Kampfsport ohne Verlierer

Lokalsport: Aikido – ein Kampfsport ohne Verlierer

Im Keiko-Dojo Niederrhein in Kehrum gibt Emiel Thon sein Wissen über japanische Kampfkünste weiter. Vor Kurzem wurde er für seine 35-jährige Trainingslaufbahn von hochrangigen Aikidoka zum vierten DAN graduiert.

Nicht viele Schauspieler übten so viel Einfluss auf ihr Publikum aus, wie Kampfkunst-Ikone Bruce Lee es getan hat. Der Amerikaner begeisterte auf der Leinwand als tödlicher Wirbelwind fliegender Arme und Beine millionenfach das Publikum, Lee wurde zum Vorbild vieler Jugendlicher der 70er Jahre. Die Kampfkunstschulen hatten — auch hierzulande — Hochkonjunktur.

Auch Emiel Thon wollte sein wie Lee und besuchte deshalb mit elf zum ersten Mal ein Karate-Dojo. Über Umwege entdeckte er die moderne japanische Kampfkunst Aikido für sich — eine Leidenschaft, die ihn bis heute nicht loslässt.

Der inzwischen 48-Jährige ist Sensei, sprich: Meister, des Keiko-Dojos Niederrhein. Vor kurzem wurde er von mehreren hochrangigen und international anerkannten Aikidoka zum vierten DAN graduiert, eine hohe Auszeichnung für seine 35-jährige Trainingslaufbahn. Für den gebürtigen Belgier besonders erfreulich, weil er erst seit diesem Rang auch aus japanischer Sicht kein Schüler mehr ist.

Thon kam vor 25 Jahren nach Deutschland. Zunächst führte in sein Weg in eine Rheinberger Kampfkunstschule. "Dort habe ich viel Erfahrung gesammelt, aber mit dem Training war ich nicht zufrieden. Ich habe oft gemeckert und war davon überzeugt, ich könnte es besser machen", erzählt der 48-Jährige. Die Gelegenheit dazu bekam er in Marienbaum. Dort legte er den Grundstein für seine inzwischen 15-jährige Laufbahn als Trainer. Heute gibt Thon, der inzwischen diverse Zusatzausbildungen beim Landessportbund absolviert hat, Unterricht an seiner eigenen Schule — eine 2004 in Kehrum erworbene und zum Dojo umgebaute Halle. Dort lehrt er etwa 50 Schüler im Alter von acht bis 57 Jahren in fernöstlichen Kampfkünsten.

Ein wichtiger Unterschied zu anderen Budo-Künsten wie Karate oder Judo ist, dass es im Aikido keinen Wettkampf gibt. Die Frage nach Sieg oder Niederlage stellt sich nicht, es zählt nur die Auseinandersetzung mit sich selbst. Deshalb ist die Kampfkunst auch überwiegend defensiv — Angriffstechniken werden nicht gelehrt. "Jeder Kampf, der nicht gekämpft wird, ist ein gewonnener Kampf", bringt Thon die Aikido-Philosophie auf den Punkt.

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Zum Training gehört neben der Techniklehre auch die Vermittlung von traditionellen Werten aus der Samurai-Ethik, denn die wichtigste Voraussetzung für Selbstschutz, so der Sensei, sei die Fähigkeit, zwischen Gut und Böse unterscheiden zu können. Geschult werden nicht nur Konzentration und Koordination, sondern auch der Charakter. Disziplin und Höflichkeit sind Voraussetzung, möchte man im Keiko-Dojo dazugehören.

Um diese Werte zu gewährleisten, hat der Sensei gewisse Regeln aufgestellt. Thon besteht beispielsweise darauf, dass keiner der Teilnehmer schon umgezogen zum Training erscheint. "So will ich sicherstellen, dass sich die Leute auch wirklich Zeit für Aikido nehmen", erklärt er, "das ist in unserer Gesellschaft längst keine Selbstverständlichkeit mehr."

Zudem wird von den Kampfkünstlern verlangt, bei jeder Übung mit einem "freien Geist" anzutreten. Sorgen und Nöte werden zusammen mit der Alltagskleidung gegen Judogi und Hakama — die traditionelle Aikido-Kleidung — eingetauscht und bleiben in der Kabine. Schuhe müssen sogar gleich nach Betreten des Dojos ausgezogen werden — ein Zeichen für den respektvollen Umgang untereinander: "Mit den Schuhen legen wir auch unser Ego ab", erläutert der 48-Jährige.

Die Graduierung zum fünften DAN habe Thon bisher nicht ins Auge gefasst. Schließlich ginge es im Aikido primär um das Training und nicht um das Ablegen von Prüfungen.

Stolz wäre er aber dennoch über eine weitere Auszeichnung, sagt der Sensei, der auch an dieser Stelle eine passende Redewendung parat hat. Zum ersten Mal an diesem Tag allerdings keine japanische, sondern eine kölsche: "Et kütt wie et kütt."

(miv)