Fußball: 90 Jahre - schwarz-gelbes Dinner für alle

Fußball : 90 Jahre - schwarz-gelbes Dinner für alle

Sportverein Rheinwacht Erfgen 1929 e.V. Till-Moyland feiert mit seinen 300 Mitgliedern am Samstag, 29. Juni, sein 90-jähriges Jubiläum.

Man schreibt das Jahr 1929. Die Weltbevölkerung ächzt und stöhnt unter der Weltwirtschaftskrise. Viele Menschen verlieren ihre Arbeit, Hab und Gut. Viele nehmen sich sogar das Leben. In diesen schlechten Zeiten gründeten 22 junge Männer aus Erfgen und Huisberden einen Fußballverein, dessen Name DJK Rheinwacht Huisberden lautete. Lehrer Wilhelm van Lier wurde 1. Vorsitzender, und zum Vereinslokal wählten sie die Gaststätte „Zum Erfgen“, die bis zum 30. Juni 2017 Anlaufstätte der Mitglieder war. Der Vereinswirt stellte dem Verein ein Grundstück ohne Pachtzins für die Errichtung eines Sportplatzes zur Verfügung.

Am Samstag wird nun groß in Erfgen gefeiert. Ganztägig gibt es Turniere und am Abend Jubiläumsfeier, Tanz und Musik (Info Festprogramm rechts).

1. Mannschaft von Rheinwacht Erfgen im Jubiläumsjahr 2019. Foto: Rheinwacht Erfgen

Das erste Spiel fand schon Ende Mai 1929 gegen Nordwacht Keeken in Keeken statt, das die Rheinwacht 2:4 verlor. Die erste Partie auf dem neuen Platz wurde 1930 gegen DJK Rheintreue Lüttingen ausgetragen. Zum neuen 1. Vorsitzenden wurde Heinrich Wingerath gewählt, und die 1. Mannschaft schaffte als Meister ungeschlagen den Aufstieg aus der B-Klasse in die A-Klasse. 1933 sorgten die politischen Verhältnisse für die Auflösung der DJK-Vereine, und es erfolgte die Namensänderung in Sportvereinigung Rheinwacht Erfgen. Eine Baubaracke der Eisenbahn Kleve diente ab 1934 als Platzhaus, und Leo Cronauer sowie Paul Henkel wurden als Trainer verpflichtet. 1940 erreichte Erfgen den 2.Platz, Meister Nütterden verzichtete auf den Aufstieg, so stieg das Team in die Bezirksliga auf.

Die Aufstiegsmannschaft im zweiten Vereinsjahr 1931. Foto: Rheinwacht Erfgen

Durch die Kriegswirren wurde der Spielbetrieb eingestellt. 1946 wurde der Klub der 1. Kreisklasse zugeordnet. Von 1946 - 1949 war Emil Biermann Vereinsvorsitzender, der dann von Theodor Kuhnen abgelöst wurde. Zwischen 1957 und 1961 bekleideten H. Janssen und Albert Tebest diesen Posten, ehe Kuhnen erneut den Vorsitz übernahm, der 1964 mit der goldenen Ehrennadel des Fußballverbandes ausgezeichnet wurde. Sportlich ging es immer von der 2. Kreisklasse in die 1. Kreisklasse hin und her. Das neue Platzhaus mit Wohnung wurde 1952 eingeweiht, was 1961 eine Erweiterung erfuhr. Das Besondere dieser Arbeiten war, dass alles in Eigenleistung bewerkstelligt wurde. 1962 übernahm Jakob Liffers als Trainer die Senioren, und es gab wieder eine Altherrenabteilung. Im Jahr 1967 stieg die Rheinwacht nach einem 4:3-Sieg nach Verlängerung in einem Entscheidungsspiel in Kevelaer gegen SV Wachtendonk in die 1. Kreisklasse auf, in der der Verein 32 Jahre mit unterschiedlichem Erfolg ununterbrochen kickte. 1969 wurde die in Eigenleistung errichtete Sporthalle ihrer Bestimmung übergeben.

Insgesamt war Theodor „Opa“ Kuhnen 17 Jahre 1. Vorsitzender und dankte 1971 zu Gunsten Rolf Doherr ab. 1974 wurde die 3. Seniorenmannschaft gemeldet und 1984 sogar eine 4. Mannschaft, die 13 Jahre am Spielbetrieb teilnahm. Im Rahmen des 50-jährigen Jubiläums konnte der 2. Rasenplatz eingeweiht werden.

1982 wählten die Rheinwacht-Mitglieder Theo Vermaasen zum Vereinsvorsitzenden. Seine erfolgreiche Regentschaft sollte 35 Jahre bis zu seinem plötzlichen Tod 2017 dauern. Derzeit wird die Rheinwacht von Steffen Mies geführt, der seit 2018 als 1. Vorsitzender fungiert.

Ab 1992 bis 1995 wurde in 7500 ehrenamtlich geleisteten Arbeitsstunden das Platz- und Wohnhaus erweitert. Die Fertigstellung erlebte das Ehrenmitglied Kuhnen nicht, da er im Mai 1994 verstarb. Mit Erich Biermann starb 1999 der letzte Vereinsmitbegründer. Die eingleisige Kreisliga A wurde eingeführt, und es erfolgte der Zwangsabstieg in die B-Liga. Ex-Spieler und Mitglied „Thiss“ Jansen vererbte 2007 nach seinem Tod dem Sportverein sein nicht unerhebliches Vermögen. 2009 wurde an der Sporthalle ein Anbau mit Terrasse errichtet, der zur Ausrichtung von Feierlichkeiten dienen soll.

In der erfolgreichen Jugendabteilung wuchs das bekannteste und prominenstete Talent der Rheinwacht heran: Luisa Wensing, die in der U-16 Damen -Nationalmannschaft Stammspielerin war, 2010 Europameisterin mit den U-17 DFB-Juniorinnen wurde, ebenso mit der U-19 und mit der Fritz-Walter-Medaille ausgezeichnet wurde. Ein Jahr später spielte sie in der Frauen-Nationalelf und wurde U-20 Vizeweltmeisterin. Sie wechselte vom FCR Duisburg zum VfL Wolfsburg und hatte viel Pech mit gravierenden Verletzungen. Momentan steht sie bei Werder Bremen unter Vertrag und absolvierte insgesamt 22 Länderspiele für die DFB-Elf.

Unter Coach Dragan Vasovic schaffte die 1. Mannschaft 2012 den Durchmarsch aus der B-Liga bis in die Bezirksliga. Danach ging es wieder runter, sogar auf Grund personeller Probleme in die C-Liga. 2016 stieg man erneut in die A-Liga auf, das Gastspiel dauerte nur eine Saison und zurzeit kickt die Rheinwacht in der B-Liga.

Keine 100 Einwohner besiedeln das Erfgen, doch der Verein kann zwei Senioren, zwei Altherren -und sechs Jugendmannschaften stellen. Mit dem VfR Warbeyen besteht seit geraumer Zeit im Jugendbereich eine erfolgreiche Zusammenarbeit. Die Erfgener sind stolz auf ihre vielen ehrenamtlichen Helfer, sei es als Trainer und als Arbeitskraft bei den vielen Baumaßnahmen, die hauptsächlich in Eigenleistung gestemmt wurden. Stellvertretend seien hier einige Mitglieder genannt: Theodor Kuhnen, Erich Biermann, Karl Boßmann, Anton „Tön“ Peters, Theo Vermaasen sowie Hans-Gerd „Pölle“ Hendricks, die teilweise viel zu früh verstarben.

Trotzdem werden die nicht erwähnten Ehrenamtler nicht vergessen. Franz van Schrick, der seit vielen Jahrzehnten die Jugendabteilung führt, wird neben etlichen anderen Vereinsmitgliedern während der Jubiläumsfeier für die ehrenamtliche Tätigkeit und Mitgliedschaft geehrt. Der Verein legt großen Wert auf die starke Eigenleistung der Mitglieder und Geschäftsführer Christof van Schrick lobt die Rheinwacht-Familie: „Besonders erfreulich in der heutigen Zeit ist, dass bei der Rheinwacht immer noch die Gemeinschaft im Vordergrund steht. Nur so lässt sich dieses enorme ehrenamtliche Engagement so vieler Mitglieder erklären, mit dem hier so viel geschaffen wurde“.

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