Fußball: 1. FC mit irrer Aufholjagd am Uhlenkrug

Fußball : 1. FC mit irrer Aufholjagd am Uhlenkrug

Oberligist 1. FC Kleve gewinnt zum Finale der Hinrunde dramatisch beim Liga-"Dino" Schwarz-Weiß Essen. Innenverteidiger Sebastian van Brakel krönt nach 96 Minuten die Aufholjagd. Zuvor erhitzen sich die Gemüter beider Lager mächtig.

Euphorisch stürmten die Kicker, Verantwortlichen und Anhänger des Oberligisten 1. FC Kleve um 16.08 Uhr den Rasen im Essener Stadion am Uhlenkrug. Die Rot-Blauen hatten gegen Schwarz-Weiss beeindruckende Moral bewiesen und einen 0:2-Rückstand gedreht. „Vielleicht liegt das an dir Ralf, dass wir immer gegen euch in der letzten Minute ein Tor machen“, sagte FC-Trainer Umut Akpinar bei der anschließenden Pressekonferenz in Richtung seines Kollegen Ralf vom Dorp. Zum Hintergrund: Im vergangenen Jahr, als vom Dorp noch Übungsleiter beim SC Velbert an der Seitenlinie stand, hatte Mike Terfloth in der fünften Minuten der Nachspielzeit für den 2:2-Ausgleich gesorgt. Nun war es van Brakel, der nach 96 Zeigerumdrehungen den Schlusspunkt einer hitzigen Begegnung setzte. „Aufgrund der Mentalität, nach 0:2 zurückzukommen, ist der Sieg nicht unverdient“, Akpinar.

Die Gastgeber präsentierten sich anfangs gefährlicher, nach sechs Minuten tauchte Essens Athanasios Tsourakis frei vor Kleves Schlussmann Ahmet Taner auf, der aber gewann das direkte Duell. Wenig später hatten die Klever Glück, als ETB-Kicker Robin Fechner nach einem Eckball an die Latte köpfte. Die Schwanenstädter sahen sich im Vorwärtsgang mit zwei eng gestaffelten Viererketten der Essener konfrontiert, die jedweden offensiven Tiefgang verhinderten. Kleves Angreifer Levon Kürkciyan (35.) schoss aus Drehung allerdings nur knapp am Pfosten vorbei. So schritten die Mannschaften mit einem 0:0-Remis gen Kabine. 

Nach dem Seitenwechsel aber sorgten die Gastgeber für den Doppelschlag: In Minute 55 kombinierten sich Tsourakis und Malek Fakhro blitzschnell in den Klever Strafraum, aus wenigen Metern schoss Fakhro unhaltbar zum 1:0 ein. Die Klever wirkten niedergeschlagen, Essen nutzte das eiskalt aus. Niklas Klein-Wiele verlor im Mittelfeld leichtfertig den Ball, mit einem Steilpass wurde Tsourakis gen FC-Strafraum geschickt. Der Grieche lief frei auf Taner zu und überlistete ihn geschickt. Der Linienrichter hatte übersehen, dass Tsourakis deutlich zu früh gestartet war; die Abseitsregel hätte greifen müssen.

Doch postwendend leitete Spielführer Fabio Forster eine Aufholjagd ein, die in die jüngere Geschichte des Fusionsklubs eingehen wird. Eine Ecke von Pascal Hühner münzte er per Kopf zum Anschlusstreffer um. 61 Minuten waren da gespielt. In der Folge wurde es hektische am altehrwürdigen Uhlenkrug. Beide Trainer echauffierten sich über das Wirken der Unparteiischen. So sah Akpinar die Gelbe Karte. Immer mehr Zweikämpfe führten die Kicker an den Grenzen der Sportlichkeit, einige Fans lieferten sich auf der Tribüne unflätige Wortgefechte.

Sportlich drückten die Essener auf die Entscheidung, Ferhat Mumcu (65.) verpasste nur knapp, gegen Fakhro (70.) klärte Sebastian van Brakel auf der Linie. Ahmet Taner hielt wenig später einen Freistoß von Mumcu überragend. Doch während die Essener Chancenwucher betrieben, zeigte sich Levon Kürkciyan eiskalt. Der Armenier lief auf ETB-Schlussmann Kai Gröger zu und tunnelte diesen zum Ausgleich.

Mit der Klever Rückkehr ins Spiel schien Essens Malek Fakhro überhaupt nicht einverstanden: Er grätschte Kleves Sezai Kezer von hinten um und sah daher in der Nachspielzeit folgerichtig die Rote Karte. „Ich muss meinen Stürmer da in Schutz nehmen. Der wird permanent in jedem Spiel von hinten bearbeitet und spielt ein Foul und sieht dafür die Rote Karte“, sagte vom Dorp. Die letzten Augenblicke der Partie kickten die Rot-Blauen also in Überzahl. Und das mit Erfolg: Aus einem unübersichtlichen Treiben im Essener Strafraum heraus schob Sebastian van Brakel den Ball nach 96 Minuten zum 3:2 über die Linie.

Es folgte Ekstase auf Klever, bittere Enttäuschung auf Essener Seite. „Ich erzähle jedes Mal, dass wir unsere Torchancen nicht nutzen. Das Positive ist, dass wir die Chancen herausspielen. Das Negative ist, dass wir daraus nichts machen“, sagte vom Dorp weiter. Durch den Sieg schieben sich die Klever auf Tabellenplatz elf vor. „Wir nehmen den Sieg heute gerne mit. Natürlich haben wir viele Dinger an ETB abgegeben, weil wir ins Risiko gegangen sind. Da muss man heute ein bisschen Glück und einen guten Torwart haben“, sagte Akpinar.