Fußball : 2:3 nach 2:0 – Klever FC verpasst Coup

Oberliga Niederrhein: VfB Homberg – 1. FC Kleve 3:2 (0:1). Bis zur 87. Minute zeigen die Rot-Blauen ihre beste Saisonleistung. Dann kippt die Stimmung und Homberg gewinnt in letzter Sekunde. Tim Haal sieht Gelb-Rot.

Kleve/Duisburg Der Begriff „Emotion“ wird im Alltagsverkehr inflationär bemüht. Er umfasst eine Vielzahl von Zuständen psychischer Erregung: Ärger, Euphorie, Überraschung, Traurigkeit. Diese Bandbreite der Gefühle erlebten auch all jene, die am Samstagnachmittag im Homberger PCC-Stadion Oberliga-Fußball observierten. Der Aufsteiger aus Kleve überzeugte durchweg, ehe der Klassenprimus Homberg zu einer Aufholjagd ansetzte, die ihm mit dem Schlusspfiff den dreifachen Punkterfolg bescherte. „Ich hätte eine Niederlage akzeptiert. Aber man kann nur jedem Gegner raten, sich gegen uns nicht zu früh des Sieges sicher zu sein. In diesem Jahr ist meine Mannschaft zu allem im Stande“, sagte Stefan Janßen, Trainer des VfB Homberg.

Aber der Reihe nach. „Wir waren gekommen, um zu gewinnen. Das haben wir direkt gezeigt“, sagte Übungsleiter Umut Akpinar. Die Teams tasteten sich anfangs ab und lauerten auf Fehler. Den ersten Warnschuss gab Kleves Pascal Hühner nach 22 Minuten ab, sein abgefälschter Versuch aber flog über die Latte. Gegen eine gut organisierte Hintermannschaft gelang dem VfB wenig, ein Freistoß zirkelte scharf in den Strafraum von Ahmet Taner, alle hochgewachsenen Schwarz-Gelben aber flogen vorbei. Eine halbe Stunde war da gespielt.

Ein Konter aus dem Lehrbuch brachte das Spielgerät wiederum über Fabio Forster und Niklas Klein-Wiele zu Levon Kürkciyan, der aus spitzem Winkel VfB-Schlussmann Philipp Gutkowski anschoss. Die anschließende Ecke verlief erfolgreicher: Forster nahm die Hereingabe mit der Brust an und schloss aus der Drehung in die rechte Torecke ab. So ging der FC führend in die Kabine. Nach dem Seitenwechsel wurde das Spielgeschehen gleich lebhafter, schließlich hatte die Janßen-Elf eine beeindruckende Serie zu verteidigen: 498 Tage lang waren sie vor heimischem Publikum ungeschlagen.

Hombergs Patrick Dertwinkel marschierte nach 52 Minuten trickreich durch die Klever Reihen, sein Schuss aber flog knapp neben das Gehäuse. Einen Kopfball des Mittelfeldakteurs aus wenigen Metern parierte Taner glänzend. Die Gäste registrierten die Bemühungen der Rheinstädter und reagierten. Klein-Wiele versuchte es aussichtsreich mit dem Kopf (55.), Kürkciyan mit einem Schuss von der Strafraumkante (57.), Sebastian van Brakel nach einer Ecke mit dem Vollspann (60. Minute). Auf der anderen Seite erwischte Stürmer Dennis Wibbe den Pfosten.

Empfindlich getroffen wurde der VfB, als die Gäste abermals ihre Konterstärke demonstrierten. Hühner transportierte den Ball im Vollsprint nach vorne, Kürkciyan übernahm, stürmte auf Gutkowski zu und spitzelte das Spielgerät am Schlussmann vorbei. So schien die Partie entschieden. „Kleve war taktisch sehr diszipliniert, sie haben uns wenig Raum gelassen. Aber dann folgte eine unglaubliche Energieleistung meiner Mannschaft“, sagte Janßen.

Diese wurde eingeleitet von Torjäger Danny Rankl, der aus kurzer Distanz das 1:2 köpfte. Im Stadion erklang nach 87 Minuten das Lied „Jetzt geht´s los – hier spielt die Musik“; eine weise Prophezeiung. Per Flachschuss aus der zweiten Reihe nämlich glich Ferdi Acar kurz danach aus. So kochte die Stimmung über, 600 Duisburger Zuschauer peitschten ihre Kicker zur Sensation nach vorne. Nachdem Kleves Tim Haal wegen wiederholten Foulspiels des Feldes verwiesen wurde, finalisierte Felix Clever mit einem strammen Schuss zum 3:2-Siegtreffer. Dem Unparteiischen Michael Menden genügte die emotionale Achterbahnfahrt, er pfiff die Partie gleich ab. Mit nacktem Oberkörper feierte Clever sich, seine Kollegen und die Fans am Zaun vor der Haupttribüne. „Heute hatten wir sicherlich auch das Glück des Tabellenführers. Ich hoffe, dass jetzt ganz Duisburg weiß, was wir hier zu bieten haben“, sagte Janßen mit den Freudentränen kämpfend. „Das fühlt sich heute ganz bitter an, aber morgen muss es weiter gehen. Ich mache meiner Mannschaft ein großes Kompliment. Sie hat super gespielt und gezeigt, wie sie sich entwickelt hat“, sagte Akpinar.

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