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1. FC Kleve: Pokal Ahmet Taner muss Urlaub verschieben

Fußball : Pokalheld Ahmet Taner muss Urlaub verschieben

Der Torhüter führte den Oberligisten 1. FC Kleve mit seinen Paraden im Elfmeterschießen ins Pokalfinale. Nach Spielende startete er schon zur Türkei-Reise und wurde zurückgeholt. Jetzt fliegt er erst in der Nacht zu Sonntag.

Umut Akpinar, Trainer des Fußball-Oberligisten 1. FC Kleve, hatte seiner Mannschaft nach dem dramatischen 4:3-Erfolg nach Elfmeterschießen im Halbfinale des Niederrheinpokals gegen den 1. FC Bocholt „einige Radler“ versprochen. Bier wolle er seinem kickenden Personal nicht ausgeben, immerhin müsse man im Vorfeld des Endspiels gegen den Regionalligisten Rot-Weiss Essen am Samstag (14.45 Uhr, live in der ARD) Professionalität zeigen. „Ab Donnerstag liegt der Fokus nur auf Essen“, sagte Akpinar nach dem Schlusspfiff. Doch ehe die ersten Kronkorken gezogen wurden, war der Held des Abends bereits verschwunden: Kleves Torwart Ahmet Taner.

Er hatte den Final-Einzug des Fusionsklubs am Dienstagabend überhaupt erst möglich gemacht. Nach 120 torlosen Minuten musste die Entscheidung vom Punkt aus fallen. Der 1. FC Kleve startete gleich erfolgreich ins Nervenspiel Elfmeterschießen. Ahmet Taner wehrte den Schuss des Bocholters Shunya Hashimoto mit einer starken Parade ab. Die Klever Schützen präsentierten sich dahingegen eiskalt. Nedzad Dragovic, Mike Terfloth, Niklas Klein-Wiele und Luca Plum verwandelten routiniert. Beim fünften Versuch der Gäste schlug dann erneut die Stunde von Ahmet Taner. Bocholts Kapitän Tim Winking trat an, schloss wuchtig ab - Taner aber war zu schnell in der richtigen Ecke. Und der 1. FC Kleve steht erstmals im Finale des Niederrheinpokals.

„Ich wusste, dass ich einen Elfer herausholen würde. Dass es zwei geworden sind, macht mich umso stolzer. Das ist ein super Gefühl heute“, sagte der 28-jährige Ahmet Taner. Videomaterial von Bocholter Elfmeterschützen habe er sich im Vorfeld ausdrücklich nicht angesehen. Im Training hätten seine Kollegen ihm angeboten, das Elfmeterschießen zu üben. „Aber das wollte ich nicht. Es war mein Plan, möglichst lange zu warten, um zu erahnen, wohin die Bocholter schießen. Der Plan ist perfekt aufgegangen“, sagte Taner. Als Held des Tages sehe er sich allerdings nicht. Es sei die kämpferische Leistung der Mannschaft gewesen, die dem Favoriten aus Bocholt das überraschende Pokal-Aus bescherte. Ohnehin konnte sich Ahmet Taner nicht gebührend feiern lassen.

Im Vollsprint rannte der Deutsch-Türke nach Spielende in die Kabine. Während sich die Mannschaft noch im Kollektiv auf dem Rasen fotografieren ließ und zu ausgelassenen Jubelchören ansetzte, stand Taner bereits unter der Dusche. Wenige Minuten später eilte er zu seinem Auto. Der Grund: Der Schlussmann, seit dem Sommer 2017 im Trikot des 1. FC Kleve aktiv, wollte in den Urlaub fahren. Um 2.25 Uhr sollte sein Flug von Köln/Bonn aus in die Türkei führen, an die Agäisküste nach Izmir. „Der Urlaub war schon lange gebucht. Ich trinke zwar keinen Alkohol, aber natürlich würde ich jetzt auch gerne mit den Jungs feiern. Doch das geht heute nicht“, sagte Taner. So schien es, als würde er tatsächlich das Pokal-Endspiel gegen den Regionalligisten Rot-Weiss Essen verpassen. Eine Begegnung, von der Umut Akpinar sagt, dass sie „historisch“ für den Verein werde.

Zwei Finger nach oben: Trainer Umut Akpinar (rechts) gratuliert Torhüter Ahmet Taner zu seinen zwei gehaltenen Elfmetern. Foto: Markus van Offern (mvo)

Die Spieler und Verantwortlichen des 1. FC Kleve schienen überrascht zu sein. Christoph Thyssen, Vorsitzender des Fusionsklubs, fragte gar bei Ahmet Taner nach, ob es sich dabei um einen Scherz handele. Ersatztorwart Andre Barth, der ebenfalls erst nach Spielende erfuhr, wohl am Samstag zwischen den Pfosten zu stehen, bereitete sich mental allerdings schon auf das Spiel vor. „Ich kann diese Rolle annehmen, auch wenn ich zuletzt wenig Spielpraxis hatte. In meinem Alter kann ich viel über einen kühlen Kopf ausrichten“, sagte der 32-Jährige. Nervös sei er ob der überraschenden Aufgabe nämlich nicht. „Aufgeregt war ich, als mein Kleiner geboren wurde. Man darf ja auch nicht vergessen, dass ich richtig gute Leute um mich herum habe“, sagte Andre Barth. Zuletzt absolvierte er im Dezember 2019 ein Pflichtspiel für den Oberligisten 1. FC Kleve.

Für Übungsleiter Umut Akpinar kamen die Urlaubs-Pläne seines Schlussmanns nicht überraschend. Auf die Frage, ob Taner tatsächlich in den Urlaub fährt, reagierte er wenige Augenblicke nach der Partie dennoch deutlich: „Ahmet fährt nicht.“ Zu dem Zeitpunkt saß Taner jedoch schon im Auto gen Flughafen. So rief Akpinar seinen Torwart an. Auf Türkisch verständigten sich Trainer und Spieler. Das Ergebnis des zweiminütigen Gesprächs: Der Duisburger verschiebt seinen Urlaub.

„Ich habe mit Umut gesprochen. Er hat gesagt, dass ich im Finale da sein muss – und ich habe Bock darauf. Bei so einem Spiel kann ich es, gerade nach so einer Partie wie gegen Bocholt, nicht übers Herz bringen, meine Mannschaft im Stich zu lassen. Wir haben heute super gekämpft. Die Chance auf den Sieg gegen Essen werden wir uns nicht entgehen lassen“, sagte Ahmet Taner in Folge des Telefonats mit Umut Akpinar. So steht der Deutsch-Türke am Samstagnachmittag im Stadion an der Hafenstraße zwischen den Pfosten. Und nach dem Spiel geht’s wieder zum Flughafen – und dann wirklich in den Urlaub.