Kleve: Speicher mit Guckkästen

Kleve: Speicher mit Guckkästen

In den kommenden Wochen verliert der Hafen in Kleve das Gesicht: Der Speicher wird in drei Abschnitten abgerissen. Der Neubau als Bibliothek entspricht dem alten Kornspeicher, bekommt neue Fenster und ein neues Innenleben.

Der Klever Kornspeicher im Hafen wird in den kommenden Wochen in drei Abschnitten abgebrochen. Aus statischen Gründen, unterstrich Landrat Wolfgang Spreen als Bauherr der Hochschule Rhein-Waal (HSRW) während eines Rundgangs durch den Speicher. Das Dach des Wahrzeichens, das jahrzehntelang das Bild des Klever Hafens prägte, wird sogar mit einem Kran abgerissen werden müssen.

"Da ist fast alles aus Beton", sagt Spreen und blickt auf die schweren Betonverstrebungen, die sich quer durch den Raum spannen. Staub liegt in der Luft hier oben unterm Dach des Speichers, weit kann man aus den Dachluken über die Baustelle blicken. Es ist zwar Beton, aber wenn man aus diesen Betonhülsen im Inneren des Speichers Stücke herausschneiden würde (und das muss man, soll dort künftig eine funktionierende Bibliothek hineinkommen) würde das Ganze in sich zusammenbrechen. "Der Abbruch wird sich bis Ende Mai ziehen", erläutert der Landrat weiter. Das Erdgeschoss mit den charakteristischen Schütten unter der Decke bleibt allerdings stehen - es wird gesondert gesichert und bleibt erhalten. Ab Juni ist der Aufbau geplant. "Wir haben für die Rekonstruktion fünf Monate geplant, zum Winteranfang 2011 soll das Dach wieder geschlossen, der Hafen wieder seine alte Ansicht haben", so der Landrat.

Bunt beleuchtete Fenster

  • Kleve : Der Speicher wird abgerissen

Wieder aufgebaut wird der Speicher als Replika des Ursprungsbaus — innen fast genauso, wie außen. "Das geht eins zu eins wieder hoch", sagt Spreen. Geplant haben den Wissensspeicher die Klever Hülsmann und Thieme Architekten. In deren Aufgabenbereich fällt das Gartengebäude mit den Treibhäusern in den alten Lagerhallen und als Neubau die Hochgarage. Auf die Nordseite des Speichers kommen eine Treppe und Aufzüge, die Fassade wird durch eine Reihe unterschiedlich großer Fenster aufgerissen. Hülsmann und Thieme nennen diese Fenster die Guckkästen. Sie sollen wenn möglich deutlich vor die Fassade vortreten und später vielleicht bunt beleuchtet sein, wie bei einem Bilderrahmen, sagt Hülsmann.

Im Inneren, so zeigen es erste Grafiken, werden auch die Betonstreben unterm Dach erhalten bleiben und den Raum gliedern. Ansonsten bekommt der Bau Etagen für die Bibliothek. "Wir hatten hier für den Hafen einen Ensemble-Schutz — unter anderem für den Speicher und die Lagerhallen. Wenn der Speicher wieder aufgebaut ist, stimmt auch die Silhouette des Hafens wieder", sagt Architekt Friedhelm Hülsmann. Und der Bau mit den Guckkästen hat allemal das Zeug dazu, zum Symbol für die Hochschule Rhein-Waal zu werden.

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(RP)
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