SPD Unterbezirk Kleve begeht kleines Jubiläum

Parteigeschichte: Kreis-SPD erinnert an Gründung 1908

Otto Weber aus Straelen arbeitet die Geschichte der SPD auf: Der „Socialdemokratische Wahlverein Cleve-Geldern“ wurde1908 gegründet. Carl Broekmann war der erste Vorsitzende. 1864 in Goch geboren starb er 1928 in Geldern.

Es gab schon entspanntere Zeiten für die großen Volksparteien, von denen die SPD eine ist. Erhebliche Wahlverluste lassen manches Parteimitglied sorgenvoll in die Zukunft schauen. Der Blick zurück jedoch darf ruhig selbstbewusst ausfallen. Mit einigem Stolz hat der Straelener Sozialdemokrat Otto Weber die regionale Geschichte seiner Partei aufgearbeitet. Zum 110-jährigen Bestehen machte er sich Gedanken über „110 Jahre für Demokratie und Rechtsstaat, denn 1908 wurde der Sozialdemokratische Verein für Cleve/Geldern gegründet.

Es war nicht leicht für Sozialdemokraten am ländlichen Niederrhein. So heißt es in der Meldung der Niederrheinischen Landeszeitung vom 15. Juli 1908, Sozialdemokraten wie die Liberalen hätten seit einer Reihe von Jahren den Versuch gemacht, auch am Niederrhein festen Fuß zu fassen. „Am linken Niederrhein wird ihnen niemals das Glück lächeln, zumal da allenthalben die Aufklärungsarbeit streng streng geregelt ist und dafür gesorgt wird, dass die sozialdemokratischen Märchen und Utopien den gesunden Sinn unserer starken niederrheinischen, durch und durch christlichen Volksschlag nicht ankränkeln und vergiften können.“ „Der Einsatz für Demokratie und Freiheitsrechte und damit gegen die Monarchie der Männer, die vor 110 Jahren im Kaiserreich den Sozialdemokratischen Verein für Cleve/Geldern gründeten, war nicht ungefährlich in einem Polizeistaat, der alles und jedes überwachte und mit seinen Spitzeln überall präsent war“, erklärt Weber, der sich seit langem mit der Geschichte der Kreis Klever SPD beschäftigt. Die Namen der damaligen SPD-Gründer stehen in den Polizeiakten des Hauptstaatsarchivs in Koblenz, wo die Unterlagen der preußischen Rheinprovinz aufbewahrt werden. „Drei Männer aus Geldern, die sich freimütig zur Republik bekannten, führt diese Liste als Gründungsvorstand auf: Vorsitzender Carl Broeckmann, Zigarrenmacher, Kassierer Gustav Tichy, Metallarbeiter, Schriftführer Gerhard van Wickeren, Zigarrenmacher. Alle Vorstandsmitglieder waren verbunden mit der sozialdemokratischen Gewerkschaftsbewegung, sagt Otto Weber. Diese Männer hätten vorgeführt, wie es (auch heute noch) gehe, Haltung zu zeigen gegen den zunehmenden Rechtspopulismus in Deutschland und Europa“, sagt Norbert Killewald, Vorsitzender der Kreis Klever SPD.

Emil Roll war 1919 erstes Kreistagsmitglied der SPD Foto: Otto Weber

Die Sozialdemokratische Partei gab es zwar schon seit 1863. Aber das Bismarcksche „Gesetz wider die gemeingefährlichen Bestrebungen der Sozialdemokratie“, bekannt als das „Sozialistengesetz“, verbannte viele Akteure in den Untergrund. Das Misstrauen gegenüber der Sozialdemokratie hielt lange an; nicht wenige Meinungsmacher schrieben, bei den Sozialisten gehe es darum, „die gottgegebene Ordnung mit unserem Kaiser zu zerstören“. Gegen die „Hartnäckigkeit, mit denen Sozialdemokraten ihre Ziele verfolgen“, müsse man sich „bis an die Zähne bewaffnen“.

Helmut Esters, erstes Bundestagsmitglied der SPD im Kreis, und Barbara Hendricks, Abgeordnete und Ministerin. Foto: Seybert, Gerhard (seyb)
  • Straelen : Verdienstkreuz am Bande für Otto Weber

Nach dem Zusammenbruch des Kaiserreichs am 9. November 1918 ging es schnell, dass in einer Gelderner Gaststätte die SPD eine „Große Öffentliche Volksversammlung“ durchführte, so Norbert Killewald. Es bildete sich ein Arbeiter- und Soldatenrat, der die Gemeindeverwaltung übernahm.„In der Weimarer Republik kämpfte die SPD um die Demokratie, doch mit dem Verbot der Partei und der Verfolgung der SPD-Mitglieder durch die Nationalsozialisten dauerte es noch bis Mitte der 60er-Jahre, bis die Sozialdemokratie zum ersten Mal den Bundeskanzler stellte. Auch im Kreis Kleve brachte die SPD hervorragende Persönlichkeiten hervor. Allen voran den langjährigen Bundestagsabgeordnete und Ehrenbürger der Stadt Kevelaer, Helmut Esters, und Barbara Hendricks als ehemalige Bundesministerin und Schatzmeisterin der SPD“, erinnert Killewald. Er hat selbst noch erlebt, dass man in seinem Umfeld in Alt-Wetten noch verwundert den Kopf schüttelte, wie man denn in die SPD gehen könne.

Willy Brandt im Wahlkampf in Nieukerk. Foto: Historischer Verein

SPD-Chronist Otto Weber sieht viele Forderungen und Ideen der Ur-Sozialdemokraten erfüllt. „Gleichheit, freies Leben, das Frauenwahlrecht, das sind heute Selbstverständlichkeiten.“

Norbert Killewald (l.) und Otto Weber (r.) mit Falko Schuster. Foto: privat/Privat
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