SPD-Podiumsdiskussion: Sind Schwangere im Kreis Kleve gut versorgt?

Gesundheit : SPD gibt Schwangeren ein Forum

Die Kreistagsfraktion Kleve hatte zu einer Podiumsdiskussion mit Hebammen, Ärzten, Eltern und Politikern geladen. Schwerpunkt der Diskussion war der Beruf der Hebamme.

2018 war in Kleve wieder einmal ein Rekordjahr: 1305 Babys wurden im St.-Antonius-Hospital geboren, das meldete die Klinik für Geburtshilfe und Frauenheilkunde am Katholischen Karl-Leisner-Klinikum. Im Kreis Kleve gibt es mit Kleve und Geldern nur noch zwei klinische Entbindungsstationen. Wie sieht es aus mit der Versorgung werdender Mütter im Kreis Kleve? Dies fragten Jürgen Franken, Vorsitzender der SPD-Kreistagsfraktion, und Andrea Kreutzmann, Mitglied des SPD-Kreistags in Geldern, und hatten zu einer Podiumsdiskussion in das Foyer der Stadthalle geladen.

Etwa 50 Interessierte waren der Einladung gefolgt, darunter zahlreiche Hebammen, Mütter, werdende Mütter, Politiker und Ärzte. „Wo können wir helfen? Welche Themen sollen wir in unsere politische Arbeit aufnehmen?“, fragte Franken zur Einleitung und verwies sogleich auf die Arbeitsbedingungen von Hebammen. Diese hätten sich durch jährlich steigende Haftpflichtprämien verschlechtert. Immer weniger Hebammen arbeiteten freiberuflich, gebärende Frauen würden nicht mehr wie früher von der einen sie von Anfang an betreuenden Hebamme begleitet, sondern von der jeweils diensthabenden. Einen ersten Impulsvortrag hielt dazu Mandy Stalder-Thon, Vorsitzende der Kreis Klever Arbeitsgemeinschaft sozialdemokratischer Frauen (AsF). Sie begann sogleich mit dem schlimmsten Schreckensszenario, das werdende Eltern sich vorstellen können: „Die Fruchtblase ist geplatzt, die Wehen setzen ein, ich gehe ins Krankenhaus, und keiner kann mir helfen, weil gerade alle im Einsatz sind.“ Stationäre Entbindungen seien nur noch in Kleve und Geldern möglich, eine Hebamme sei zweitweise für zwei Kreissäle gleichzeitig zuständig. Engagiert plädierte sie für die Verbesserung der Arbeitsbedingungen von Hebammen. „Unser Anliegen ist es, dass ausnahmslos alle Kinder im Kreis Kleve sicher und gut begleitet zur Welt kommen“, sagte sie und betonte, dabei dürften Herkunft, Beruf oder soziale Stellung der Eltern keine Rolle spielen.

„Die Verschlechterung der Entbindungssituation ist im Kreis Kleve zum Glück noch nicht mit voller Wucht angekommen“, erklärte die Gynäkologin Susanne Krebber, die seit 2001 in Kleve ihre Praxis hat. Sie gehörte zur Expertenrunde, in der auch Anika Prang von der Hebammenpraxis Bauchgeflüster in Kleve saß. Prang bedauerte, dass es wegen der Haftpflichtproblematik kaum noch Beleghebammen gebe, die die Betreuung von Anfang der Schwangerschaft bis zur Geburt und Nachsorge durchführten. „Also ich bin froh, dass ich meine Kinder vor 30 Jahren bekommen habe“, sagte Jürgen Franken.

Im St.-Antonius-Hospital arbeitet jetzt die Hebammenpraxis Rundum mit einem Team aus 13 Hebammen, die ihre Dienste aufeinander abstimmen. Einige aus diesem Team waren ebenfalls in die Stadthalle gekommen und berichteten aus ihrem Alltag. Ursula Claessens-Kozmin, seit 36 Jahren als Hebamme tätig und nun bei „Rundum“ mit dabei, sagte, sie seien gut aufgestellt und jeweils zu zweit im Dienst. Manchmal sei eine Eins-zu-Eins-Betreuung möglich, manchmal seien alle Kreissäle belegt. Sie wünschten sich von der Politik, dass der Beruf attraktiver gemacht würde, eine bezahlbare Versicherung und auch, dass Hebammen mit kleinen Kindern ihren Beruf ebenfalls noch ausüben könnten.

Esther Afraz, Hebamme aus Goch, fügte an, sie selbst arbeite immer noch freiberuflich, könne sich nicht umstellen und sich nicht vorstellen, anders als Eins-zu-Eins zu betreuen. Der Klever Kinderarzt Wolfgang Brüninghaus betonte, es gebe nichts „Teureres als Geburtshilfe“. Aber das Geld wäre wichtig, und er formulierte einen Appell an die Bundespolitik, Geburtshilfe mit mehr Finanzmitteln zu unterstützen. Lubos Trnka, Chefarzt der Klinik für Geburtshilfe und Frauenheilkunde des Karl-Leisner-Klinikums, äußerte, es sei wünschenswert, mehr Hebammen zu haben. „Aber wir suchen Teamplayer, eine sichere Versorgung funktioniert nur im Team“, so Trnka.

Zum Abschluss merkte Jürgen Franken an, dass es nicht bei diesem einen Abend bleiben werde. Die SPD-Kreistagsfraktion wolle an diesem und weiteren gesundheitspolitischen Themen weiter „am Ball“ bleiben.

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