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Kleve: Sparprogramm in Gottes Namen

Kleve : Sparprogramm in Gottes Namen

Die katholische Gemeinde St. Mariä Himmelfahrt wird in den kommenden Jahren ihre kirchlichen Flächen reduzieren müssen. Erste Einrichtungen sind bereits geschlossen, weitere werden folgen. Allein der Zeitpunkt steht noch nicht fest.

Im Pfarrhaus wohnen jetzt Inder. Vier Studenten der Hochschule Rhein-Waal sind in die Räume eingezogen, in denen jahrelang Geistliche ihre Herberge hatten. Das Haus neben der Christus-König-Kirche stand leer. Bevor es dem Verfall preisgegeben wurde, kam die Kirchengemeinde auf die Idee, dort den Lernenden eine Bleibe zu geben. Ein kleiner Beitrag, die Wohnungsnot der Studenten übergangsweise zu lindern und Idealfall für die Klever Kirchengemeinde St. Mariä Himmelfahrt. Denn die wird sich in den nächsten Jahren von einigen ihrer Gebäude trennen müssen.

Nach einer Vorgabe des Bistums Münster wird dieses Problem auf zahlreiche Pfarreien zukommen: Einrichtungen werden geschlossen, Gebäude verkauft, Flächen reduziert. Auch in Kleve. Nicht morgen, doch rücken die ersten Entscheidungen über das Streichprogramm näher.

Wie viel Quadratmeter Kirchengrund das Bistum für angemessen hält, richtet sich nach der Zahl der Gemeindemitglieder. Mehr Christen - mehr Fläche. Und Fläche gibt es im Klever Stadtgebiet zu viel. Von etwa 70 Prozent ihrer Einrichtungen muss sich Mariä Himmelfahrt trennen.

Johannes Mecking (52) ist seit zweieinhalb Jahren Propst in Kleve. Er hat Erfahrung, wenn es darum geht, kirchliche Einrichtungen zu schließen. In Beckum und Borken, wo er zuvor wirkte, mussten notgedrungen Kirchen "dran glauben". "Eine unserer Aufgaben ist es, den Haushalt zu stabilisieren. Wir leben derzeit von unserer Rücklage. Die Notwendigkeit, in diesem Bereich Entscheidungen zu treffen, ist gegeben", sagt Mecking, der betont, dass es sich hier um ein sehr sensibles Thema handele. Knapp anderthalb Jahre hätte man Zeit, bevor Entscheidungen getroffen werden, welche Immobilien man aufgibt.

Begonnen wurde bereits mit dem Verkauf des Don Bosco-Heims sowie dem Sprach- und Heilkindergarten, der an die Caritas vermietet wurde.

Ein Problem der Gemeinde ist, dass sie überproportional viel Kirchenfläche besitzt. Von den Gotteshäusern steht allein die Christus-König-Kirche nicht unter Denkmalschutz, die auch immer als erste genannt wird, wenn es um eine mögliche Schließung geht. Der Termin für die Profanierung des Gotteshauses stand bereits fest. Ende des Jahres sollte die Entweihung sein. Zwar wurde er aufgehoben, doch hat sich das Thema Schließung damit nicht erledigt.

Propst Mecking erläutert anhand eines Beispiels, warum es sinnvoll ist, über die Zukunft von kirchlichen Einrichtungen nachzudenken: "Die Altentagesstätten sind vor etwa 40 Jahren auch für die zahlreichen Kriegswitwen gebaut worden. Die meisten mussten mit einer kleinen Rente auskommen und haben sich über Abwechslung an einem Ort der Begegnung gefreut. Heute haben die Menschen eine bessere Altersversorgung und dadurch auch ganz andere Möglichkeiten, ihr Leben zu gestalten. Zudem blieb die Witwe früher meistens alleine. Das ist heute anders."

Auch auf den Altersdurchschnitt der Gottesdienstbesucher müsse man reagieren, so der Propst, der sagt: "Das Angebot ist größer als der Bedarf." Was mit den Jugendzentren (Karl-Leisner-Heim, Canisius Center) geschehe, so müsse man einen Blick auf das Umfeld werfen, fordert der Geistliche. "Man muss sich fragen, wohnen in der Umgebung überhaupt noch so viele junge Menschen, dass beide Einrichtungen sinnvoll genutzt werden", sagt der Propst.

Wünsche, so der Seelsorger, seien immer da. So schwärmen etwa die Gemeindemitglieder der Kapuzinerkirche von ihrem Garten, in dem zweimal im Jahr etwas stattfindet. "Das sind 14 000 Quadratmeter, die dort 700 Gläubigen zur Verfügung stehen", rechnet Mecking vor. Es sind Flächen, die instandgehalten und gepflegt werden müssen. "Das kostet richtig Geld", sagt er. Nach einer Aufstellung aus dem Jahr 2007 besaß die Gemeinde 5675 Quadratmeter reine Kirchenfläche (Fläche der Gotteshäuser). Die Pfarrfläche (Pfarr- und Jugendheime, Altentagesstätten) lag bei 4092 Quadratmetern, hätte nach der Vorgabe aus Münster jedoch lediglich 1400 Quadratmeter betragen dürfen.

Thomas Delbeck, Mitglied des Kirchenvorstands, kennt sich bestens mit den Immobilien der Pfarre aus. "Es gibt keinen Zweifel, wir haben einen erheblichen Überhang an Kirchengebäuden. Münster drängt darauf, hier Entscheidungen zu treffen", sagt Delbeck. Die Schlüsselzuweisungen des Bistums orientieren sich an den genehmigten Quadratmetern. Was darüber hinaus geht, dafür muss die Gemeinde die Unterhaltungskosten selbst tragen. Die Rechnung von Delbeck ist eben so simpel wie einleuchtend: "Man verteidigt die Kirche und das Kirchengebäude mit den Leibern der Menschen, die dort hinkommen, die sich dort engagieren und die ihre Freude daran haben." Für ihn steht fest: "Allein alles anzubieten, das reicht nicht. Man muss auch fordern." Im Moment fordert Münster.

(RP)