Kleve: Sontowski-Bau im Rat: Alles ist offen

Kleve : Sontowski-Bau im Rat: Alles ist offen

Analyse: Die Klever Politik hat sich vor der Ratssitzung im Audimax der Hochschule positioniert: Sie muss vom Architekten des Sontowski-Baus und vom Projektentwickler überzeugt werden, soll sie für den neuen Bau stimmen.

Die Frage ist älter als die Amtszeit der meisten Mitglieder im Klever Rat: Was wird aus dem Minoritenplatz? In der Ratssitzung am heutigen Mittwoch um 18 Uhr im Audimax (Raum Nr. 5) der Hochschule sollen Prof. Ringel von RKW-Architekten und Projektentwickler Thomas Riek von Investor Sontowski mit ihren Vorträgen in öffentlicher Sitzung die Grundlage dafür legen, dass der Rat noch dieses Jahr entscheidet. Überzeugen beide die Ratsmitglieder mit noch einmal verbesserter (aus Sicht der Ratsmitglieder "kleinteiligerer") Architektur und dem Besatz, den sich anscheinend so viele wünschen, könnten die Weichen für einen Bau gestellt sein. Überzeugen sie die Mehrheit nicht, dann wird zwischen künftiger Volksbank und künftigem Rathaus eine freie Fläche bleiben.

Es wird keine einfache Entscheidung werden für ein Thema, das zwar einerseits laut diskutiert wird, andererseits aber die Massen nicht so wirklich zu bewegen scheint: Immer noch hat die "Denkpause" ihr Ziel nicht erreicht und trotz simplem Klick im Internet, trotz Ständen in der Stadt und trotz in Geschäften ausliegenden Listen nicht einmal die nötige Stimmenzahl aus Kleve zusammen, um ein Bürgerbegehren anstrengen zu können, nicht genug, um wirklich Druck auf die Politik ausüben zu können. Die Klever Politik hält sich jetzt alle Optionen offen – und hadert mit dem von Brauer und Haas vorgeschlagenen Verfahren und der Entdeckung der Langsamkeit durch die Stadt Kleve in Sachen Minoritenplatz.

Letztlich, so die Politik, wird der Bürger das letzte Wort haben: Entscheidet sich der Rat für Sontowski, wird es einen Ratsbürgerentscheid geben. Stimmen dann mehr als 8000 Bürger gegen den Plan, ist der Bau abgelehnt. Lehnt die Politik ab, wird es wohl keinen Ratsbürgerentscheid geben.

Entscheidet sich die Politik für Sontowski, stimmt der Städtebau, der sich an der Variante C orientiert, und Kleve bekommt den seit Anfang 2000 geforderten Abschluss ungefähr an der alten Stadtkante. Auch die ebenfalls geforderten größeren Flächen für neue Geschäfte werden kommen. Ob aber die Geschäfte langfristig funktionieren, wird erst der Markt zeigen. Und wie die City die zusätzliche Konkurrenz verkraftet, kann auch keiner mit Gewissheit vorhersagen. Das Spoycenter zeigt, was passiert, wenn ein solcher Komplex bei einem fernen Immobilienfonds landet.

Entscheiden sich die Politiker gegen Sontowski, bleibt der Blick der Besucher der Stadt in die Hinterhöfe der Häuserblocks zwischen alter Scala (jetzt Edeka) und Deutscher Bank offen, was aber auch der Sontowski-Bau nur verstellt und nicht löst. Mögliche neue Käuferschichten werden für die City nicht erschlossen werden. Bei einer Entscheidung gegen Sontowski wäre der Weg offen für ein Einkaufszentrum auf dem alten Union-Gelände: Alle Geschäfte, die nicht in die Unterstadt kommen, könnten dort theoretisch eine Heimat finden. Nur, dass die möglichen Kunden dann nicht schon in der City sind. Fazit: Die Klever City steht in der Frage um die Unterstadt immer zwischen allen Fronten.

Die Entscheidung ist völlig offen, heißt es aus allen Parteien: Es hängt davon ab, ob die Vorstellung heute Abend überzeugt.

(RP)