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Kalkar: Silesia-Aromen stinken den Anwohnern

Kalkar : Silesia-Aromen stinken den Anwohnern

Dicke Luft in Kehrum: Bürger haben einen Verein gegen Geruchsimmissionen des Silesia-Werks gegründet. Sie beklagen Übelkeit und Kopfschmerzen. Die Kreisverwaltung Kleve wiegelt jedoch ab – es bestehe keine Gesundheitsgefahr.

Dicke Luft in Kehrum: Bürger haben einen Verein gegen Geruchsimmissionen des Silesia-Werks gegründet. Sie beklagen Übelkeit und Kopfschmerzen. Die Kreisverwaltung Kleve wiegelt jedoch ab — es bestehe keine Gesundheitsgefahr.

Kurt Bagner kann Kaffee nicht mehr riechen. "Je nachdem wie der Wind steht, ist der Geruch, der vom Werk der Firma Silesia ausgeht, unerträglich. Mal riecht es nach Kaffee, mal nach Erbsensuppe. Besonders abends und nachts kann man die Fenster nicht öffnen", klagt der Appeldorner. Er hat sich der Bürgerinitiative gegen Aromaimmissionen angeschlossen, die sich kürzlich gegründet hat. Das Ziel des Vereins: Geruchsbelästigungen durch die Abluft des Aromenherstellers Silesia in Kehrum sollen klare Grenzen gesetzt werden.

Im Jahr 2011 hatte Silesia die Pulver- und Granulatproduktion in Kehrum erweitert. Silesia errichtete dort einen zusätzlichen Sprühturm von acht Metern samt einem 90 Meter hohen Kamin sowie eine Anlage für ein neues Produkt. Kehrum ist nach Unternehmensangaben der einzige Silesia-Standort, der pulverförmige Aromen für die Nahrungsmittelindustrie anfertigt. Die anderen Betriebe stellen nur flüssige Geschmacksstoffe her. In Kehrum ist die größte Produktionsstätte der vier Silesia-Standorte.

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Mit der Errichtung der neuen Anlage und des Sprühturms hätten die Geruchsbelästigungen angefangen, sagt Kurt Bagner. Mit dieser Ansicht ist er nicht allein. Denn auch Bürger aus Xanten-Marienbaum fühlen sich seitdem von den aus den Schornsteinen heraustretenden Aromen belästigt. 25 Mitglieder schrieben sich bei der Bürgerinitiative ein. Sie führen an, dass die Silesia-Aromen bei ihnen Übelkeit und Kopfschmerzen hervorrufen. "Das wichtigste Gut ist doch frische Luft", betont Bagner und kritisiert, dass die Silesia-Geschäftsführung den Vereinsmitgliedern Informationen über die Zusammensetzung des austretenden Qualms vorenthalte. Bagner vermutet, dass die "feinen Partikel der auf Chemie basierenden Aromen gesundheitsgefährdend" sind.

Silesia-Geschäftsführer Michael Mausbach wollte sich im RP-Gespräch nicht zu den Vorwürfen äußern und verweist auf die Klever Kreisverwaltung, die sich mit dem Thema derzeit beschäftigt. Dort kann man die von der Bürgerinitiative erhobenen Vorwürfe so nicht nachvollziehen. "Untersuchungen der Unteren Immissionsschutzbehörde haben eindeutig ergeben, dass die Abluft aus dem Silesia-Werk in Kehrum absolut unbedenklich ist. Es besteht definitiv keine Gesundheitsgefahr", sagt Eduard Großkämper, Pressesprecher des Kreises Kleve. Es sei "verwunderlich, dass die Aromen Ekel, Übelkeit und Kopfschmerzen verursachen sollen, denn sie werden ja eingesetzt, um Lebensmittel schmackhafter zu machen", betont Großkämper. Außerdem irritiert ihn, dass Geruchsbelastungen auch in Marienbaum auftreten sollen. "Die Hauptwindrichtung ist südwest. Marienbaum liegt jedoch südöstlich", so Großkämper.

Er fordert die Mitglieder der Bürgerinitiative und alle Anwohner auf, dem Kreis Kleve zu melden, wenn Geruchsbelästigungen durch das Silesia-Werk auftreten. "Bis jetzt liegen uns nur vage Aufzeichnungen vor. Wir brauchen aber genaue Angaben, wann Geruchsbelästigungen auftreten und welcher Art sie sind", betont der Pressesprecher. Er lobt, "dass alle Seiten zu offenen Gesprächen bereit sind".

(RP/rl)