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Sieben neue Stolpersteine in Kleve verlegt

Aktion zur Erinnerung : Sieben neue Stolpersteine in Kleve verlegt

Sieben neue Stolpersteine in Kleve – jeder ein Anstoß des Erinnerns, insgesamt mittlerweile 75.000 Steine in 1200 Städten. Über 60 Menschen nahmen an der Verlegung in Kleve teil.

Sie warteten schon am ersten Ort, Tiergartenstraße 58, von wo aus ein niederländisches Kamerateam die Veranstaltung begleitete. Edmund Verbeet moderierte und begrüßte alle Anwesenden, um gleich an Thomas Ruffmann, den Vorsitzenden des Vereins „Haus der Begegnung – Beth HaMifgash“, zu übergeben. „Es geht hier nicht um ein Gedenken mit Sonntagsrede – sondern Erinnerung, die ihren Platz findet im Alltag, in der Gegenwart“, beschrieb dieser den Impuls, in Zusammenarbeit mit der Stadt Kleve Stolpersteine zu verlegen.

Bürgermeister Gebing schloss in seinem Grußwort daran an, indem er die Wichtigkeit des Erinnerns betonte: „Ein Mensch ist erst vergessen, wenn sein Name vergessen ist“, zitierte er den Talmud. Auch nach vorne solle man schauen: „Vielfalt erkennen, Vorbehalte ablegen“, so sein Wunsch, und die Zusage: „Wir setzen uns weiter für ein offenes, freundliches und tolerantes Kleve ein.“ Helga Ullrich-Scheyda berichtete anschließend von dem Schicksal der Familie Haas an der Tiergartenstraße. Die Einspielung eines Interviews mit dem Zeitzeugen Hans-Günther Schloesser untermalte die Geschichte: Er erzählte vom Cabriolet der Lederunternehmer Haas, was für ein „ausgesprochen armer Kerl“ der Sohn Walter Gerhard nach dessen Rückkehr aus Caracas nach Kleve war und wie man sich ihm gegenüber verhielt. Der Umgang mit der Geschichte nach 1945 war „krampfhaft“, schloss Verbeet daran an. „Teils keine Spur von Übernahme moralischer und politischer Verantwortung“. Das bekam auch Richter Haas zu spüren. Neben seinem Stein liegen jene seiner Mutter Flora, des Bruder Ernst Wilhelm und dessen Frau Rosa.

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Gunter Demnig verlegte während des Programms mit feiner Seelenruhe die neuen Stolpersteine. In Cargo-Hose, mit Knieschonern und Handschuhen, auf dem Kopf einen breiten Hut, widmete er sich Kelle und Mörtel. Präsent, aber unprätentiös, zielgerichtet. Fast liebevoll übergoss er die Messing-Oberseite der gerade verlegten Steine, räumte weg, verrichtete das wertvolle Werk mit größter Sorgfalt und auch Routine.

Weiter ging es an der Spyckstraße 147, wo Schülerin Ina stellvertretend für den Projektkurs der Klasse 9 der Gesamtschule am Forstgarten die Geschichte der Familie Hertz, allen voran Sohn Erich, vortrug. Der Kurs hat bereits Großartiges geleistet, etwa alle Klever Stolpersteine geputzt, und nun für die neuen Steine die Geschichte erforscht. Ina berichtete von Erich und dessen „unverblümter Meinungsäußerung ohne Taktik“; ein Teil der Tragik. Neben seinem Stein liegen die seiner Eltern Lodewijk „Ludwig“ und Klara.Eva Weyl, die dieses Mal nicht anwesend konnte, ließ in einem Brief ausrichten: „Keiner ist heute schuldig an der Vergangenheit, aber man macht sich schuldig, wenn man nichts mit dem Wissen tut.“

Thomas Ruffman und sein Duo-Partner Medo Al Tenawi spielten auf Geigen und Oud als musikalische Intermezzi Tanzmusik der 1920er Jahre. Auf diese Weise Erinnerung wachzuhalten und weiterzugeben bedeutet lebendige Erinnerungskultur, die in Kleve umgesetzt wird.