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Kleve: Sie sind da – und sie werden lauter

Kleve : Sie sind da – und sie werden lauter

Natürlich werden jetzt wieder die Sprüche kommen. Davon, dass „endlich Schluss sein muss mit dem schlechten Gewissen“. Gerade heute wieder, am Tag nach der Gedenkfeier auf dem Synagogenplatz. Mit dem schlechten Gewissen – sicherlich. Da muss man nicht des Kanzlers Kohl „Gnade der späten Geburt“ bemühen, weil jeder weiß: Diese Generationen haben den Holocaust nicht gewollt, geduldet, organisiert, perfektioniert.

Warum war die Gedenkfeier gestern so wichtig, noch wichtiger als früher? Weil sie da sind, die tumben Toren, die braunen Brunnenvergifter. Weil sie sich wieder (um in ihrer Sprache zu bleiben) aus der Deckung trauen, schamlos ihre rasierten Schädel in die Öffentlichkeit tragen und ihre Parolen brüllen. Dumpfbacken, sicher. Ihre Träume von der neuerlichen Machtergreifung (nur jetzt sei der Gebrauch dieses Wortes gestattet) werden scheitern. Das beruhigend zu finden, ist dennoch falsch. Wenn wie in Sachsen-Anhalt ganze Dörfer den Parolen der Gestrigen folgen, dann ist das Alarmzeichen genug. Es waren viele Leute da gestern am Synagogenplatz. Es hätten mehr sein können. Nein – müssen.

(RP)