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Kleve: Sie machen Gänsehaut mit Mozart

Kleve : Sie machen Gänsehaut mit Mozart

Charlotte Langner (16) und Philipp Dieser (17) sind auf dem Weg zum Bundeswettbewerb "Jugend musiziert" nach Lübeck. Ungewöhnlich ist die Kategorie, in der sie antreten: Kunstlied. Die RP hat mal reingehört. Klingt gut.

"Ey, da müsste Musik sein", denkt man, wenn Philipp Dieser am schwarzen Kawai-Flügel im Forum des Straelener Gymnasiums Platz nimmt. Er spielt aber nicht Wincent Weiss. Und wenn Charlotte Langner zu seiner Klaviermusik singt, dann denkt man: Das ist irgendwie so ganz anders. Anders als das, was im Radio läuft, was auf der aktuellen Lieblinsplaylist abgespeichert ist, und trotzdem schön.

Das findet auch die Jury von "Jugend musiziert". Mittlerweile haben der 17-Jährige und die 16-Jährige sich bis zum Bundeswettbewerb vorgekämpft. Der findet vom 17. bis 24. Mai in Lübeck statt. Dann treten sie wieder auf, als Duo. "Sie singt halt, ich spiel Klavier. So kompliziert ist das gar nicht", erklärt Philipp ihre Klangwelt. "Einfach Musik machen", nennt er es auch. Denn Mitschülern oder Freunden zu erklären, was ein Kunstlied ist, das ist gar nicht so einfach. Am einfachsten ist, man hört einfach mal rein.

"Zauberer?", schlägt Philipp vor. Charlotte nickt. "Zauberer ist eine gute Idee." Die Komposition ist von Wolfgang Amadeus Mozart, der Text von Christian Felix Weiße. Der hat von 1726 bis 1804 gelebt. In dem Lied geht es um den Zauber der Liebe, der durch einen Auftritt der Mutter arg gestört wird. Heute würde die Mutter wahrscheinlich gegen die Zimmertür klopfen, das Liebespaar erschreckt auseinander fahren. Nur in der Sprache des 18. Jahrhunderts klingt das halt ein bisschen anders. "Da fühlt ich - so was fühlt' ich nie; mir ward - mir ward - ich weiß nicht wie", singt Charlotte.

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Die Lieder, die sie singt, erzählen komplette Geschichten. "Ich finde toll, dass die Texte Stimmungen ausdrücken", sagt Charlotte über das Kunstlied. "Es geht gar nicht darum, ob wir einen Ton falsch spielen", erklärt Philipp, auch wenn er es bestimmt nicht darauf anlegt. "Sondern, dass man die Stimmung des Liedes rüberbringt, das als Team schafft", ergänzt Charlotte.

Deswegen legt sie alle Aufgeregtheit in die Stimme, wenn es um die Begegnung mit dem Zauberer geht. Es klappt. Gänsehaut. Ob die Juroren auch Gänsehaut hatten? Beim Regionalwettbewerb erzielten Philipp und Charlotte 24 von 25 möglichen Punkten, beim Landeswettbewerb volle 25 Punkte. "Ich hatte auch das Gefühl, dass wir uns echt gesteigert haben", sagt Charlotte glücklich.

Es sei sehr schwierig, die eigene Leistung im Vergleich mit den anderen abzuwägen, sind sich beide einig. "Man hört schon, ob jemand eine gute Technik hat, der Rest ist aber schwer einzuschätzen", sagt Charlotte. Dass Philipp und sie zusammen auf der Bühne gelandet sind, hat ihr Musiklehrer Wolfgang Czeranka vom Gymnasium Straelen angestoßen.

Charlotte ist bei "Jugend musiziert" dabei, seit sie elf Jahre alt war. Sie spielt auch Bratsche, ist mit dem Landesjugendorchester NRW und dem Niederrheinischen Jugendstreichorchester Kevelaer unterwegs. Gesangsunterricht nimmt sie schon lange, seit zwei Jahren bei Dorothee Wohlgemuth in Meerbusch.

Philipp spielt meistens für sich allein zu Hause Klavier, nicht auf der großen Bühne. Sein Vater ist Musiker, das Klavier ist zu Hause einfach immer da. Außerdem spielt er Orgel. Unterrichtet wird er vom Straelener Organisten Otto M. Krämer. Die C-Ausbildung für Kirchenmusik hat er gemacht. Kurz vor dem Bundeswettbewerb werden Charlotte und Philipp sich wieder zum Üben treffen. Vorher ist Pause. "Sonst überübt man das Werk quasi", sagt Charlotte.

Ihr musikalischer Weg ist noch nicht zu Ende. Sie hat ihr Schulpraktikum an der Oper in Düsseldorf absolviert. Im künstlerischen Betriebsbüro hat sie viel mit der Organisation hinter dem Bühnengeschehen zu tun gehabt.

"Wo werden die Sänger untergebracht, wie kommen sie mit den Bussen zu den Proben? Es wurde sich um den Wochenplan gekümmert, wo eingeteilt wird, wann welche Proben und Vorstellungen sind", zählt Charlotte das organisatorische Drumherum auf. Und sie hatte die ganze Zeit mit Künstlern zu tun. "Deswegen habe ich das Praktikum an der Oper gemacht: Ich möchte Operngesang studieren", verrät Charlotte.

Sie weiß, dass es nicht so einfach ist, einen Platz an der Hochschule zu bekommen und sich später im Berufsleben zu etablieren. "Ich bin froh, dass ich nicht Sopran, sondern Mezzosopran bin. Die Stimmlage gibt es seltener", sagt sie. Sicher ist: Die klassische Musik macht ihr wirklich Spaß. Und wer ihr und Philipp zuhört, der merkt das auch.

(RP)